Der Werber-Rat

_

Der Werber-Rat: Die Macht der NGOs

Mit öffentlichkeitswirksamen Aktionen inszenieren sich Nichtregierungs-Organisationen als Stimme der Verbraucher. Unternehmen reagieren oftmals hilflos. Das kann ihnen zum Verhängnis werden.

Anzeige
And the Goldene Windbeutel goes to: Capri Sonne. Foodwatch-Aktivisten im Mai bei einer Protestaktion mit der Schmäh-Trophäe vor dem Werk der Rudolf Wild GmbH in Eppelheim. Das Unternehmen hat keinerlei Gegenargumente zum Vorwurf der Werbelüge. Quelle: dpa
And the Goldene Windbeutel goes to: Capri Sonne. Foodwatch-Aktivisten im Mai bei einer Protestaktion mit der Schmäh-Trophäe vor dem Werk der Rudolf Wild GmbH in Eppelheim. Das Unternehmen hat keinerlei Gegenargumente zum Vorwurf der Werbelüge. Quelle: dpa

Foodwatch sorgt mal wieder für Schlagzeilen: Die Organisation hat den „goldenen Windbeutel für die dreisteste Werbemasche des Jahres“ vergeben. Diesmal ging er an den Getränkehersteller Wild für Capri-Sonne. Doch anstatt mit Foodwatch in einen Dialog zu treten, wiegelte Wild mit dem Argument ab, dass Capri-Sonne gar nicht primär an Kinder vermarktet werde. Daraufhin nahm Foodwatch in einem Internet-Video die Kommunikation für Capri-Sonne, die sich sehr wohl an Kinder richtet, genüsslich auseinander. Das Resultat: Das Unternehmen stand am Ende unglaubwürdig da.

Auch andere Industriezweige leiden unter den populären Aktionen und dem Kommunikationsgeschick der Nichtregierungs-Organisation. So musste sich etwa Volkswagen vor zwei Jahren mit einer Greenpeace-Persiflage ihres Star-Wars-Werbefilms auseinandersetzen, die dem Autokonzern angeblich mangelndes Engagement bei der CO2-Reduktion vorwarf.

Uli Mayer-Johanssen ist Gründerin und Chefin der Markenagentur Meta-Design in Berlin.
Uli Mayer-Johanssen ist Gründerin und Chefin der Markenagentur Meta-Design in Berlin.

Ob die Motive von NGOs wie Foodwatch, WMF oder Greenpeace tatsächlich so selbstlos sind, wie sie von ihnen dargestellt werden, bleibt mal dahingestellt. Fakt ist, die NGOs stehen bei den Deutschen hoch im Kurs. Eine Studie des Trendforschers Peter Wippermann und der Universität Essen belegt, dass sich Verbraucher von NGOs besser informiert fühlen als von staatlichen Institutionen und der Industrie.

Eine alarmierende Aussage gerade für Unternehmen, die viel Geld in Marketing investieren. Doch die Verantwortung für ihre Unglaubwürdigkeit tragen sie zum größten Teil selbst. Nicht nur die Lebensmittelindustrie ist bekannt für ihre Abwehrhaltung in Sachen Kommunikation. Mit zweifelhaften Werbebotschaften und einer Pressearbeit, die keine Kommunikationsbereitschaft signalisiert, schafft man es jedenfalls nicht, Vertrauen oder Marktanteile aufzubauen. Die "Moralisierung der Märkte" wie es Nico Stehr von der Zeppelin Universität nennt, ist unaufhaltsam.

Marken müssen ihrer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht werden. Glaubwürdige Kommunikation, die aus einem ganzheitlichen Markenbewusstsein heraus agiert, ist elementarer Bestandteil davon. Wer sich der Herausforderung nicht stellt, überlässt anderen die Deutungshoheit über Unternehmen und Marke.

  • 26.06.2013, 12:02 UhrJGojo

    Unseren Kommentar dazu haben wir hier hinterlassen:
    http://suedwind-institut.blogspot.de/2013/06/es-lebe-die-macht-vieler-ngos.html
    Herzlichen Gruß
    JG

  • 21.06.2013, 08:20 Uhrvandale

    Die NGO sind die Mafia der Neuzeit.

    Als Geschäftsmodell werden Produkte und Aktivitäten profitabler Konzerne, oder Regierungsaktivitäten selten zu Recht, meist zu Unrecht mit Hilfe willfähriger Medien angeprangert. Irgendwelche Verantwortung tragen die NGO regelmässig nicht.

    Wenn der Protest Resonanz findet und Druck auf das Unternehmen/Regierung ausübt, kann sich das Unternehmen durch Spenden, Fördermitgliedschaften, gubezahlte Studien, freikaufen. Im Extremfall Deutschland werden Aktivisten durch verbundene Poitiker in Bundesbehörden plaziert. Man denke an radioaktive Abfälle und das Oekospektakel um diese.

    Die Kernkompetenz der NGO ist die Marktforschung und die Medienkommunikation. Einie NGO erzielen Jahresumätze in 3-stelliger Millionenhöhe.

    Am erfolgreichsten wehren sich Staaten wie China und Russland die die Aktivisten ausweisen, oder inhaftieren. In den USA gibt es wiederum Gegenlobbies die von den Untenehmen bezahlt werden. Länder wie Deutschland sind den NGO ziemlich hilflos ausgliefert.

    Opfer ist die Bevölkerung. Der Deutsche Steuerzahler bezahlt das Oekospektakel um radioaktive Abfälle, die Mehrkosten der Unternehmen, die "Fördermitgliedschaften" der Unternehmen bei NGO und verzögerte Projekte.

    Vandale

  • Kommentare
Kommentar zu Hooligans: Falsche Freunde

Falsche Freunde

Die Schläger von Köln haben einen neuen Anlass zum Prügeln gefunden. Aber sie überhöhen ihn politisch – und geben sich als Beschützer vor den bösen Islamisten. Dass das durchaus ankommt, sollte uns alarmieren.

Nasa-Raketenunfall: Kein Platz für Raumfahrt-Nostalgie

Kein Platz für Raumfahrt-Nostalgie

Der Raketenunfall von Wallops Island ist Wasser auf die Mühlen der Kritiker, die der Nasa ihre verstärkte Zusammenarbeit mit privaten Raumfahrtunternehmen vorhalten. Doch die Nasa-Strategie hat sich durchaus bewährt.

  • Kolumnen
Was vom Tage bleibt: Achtung, hier kommt der Maut-Murks

Achtung, hier kommt der Maut-Murks

Die Koalition legt das chaotischste Gesetz ihrer Amtszeit vor. Putins wilde Jagd alarmiert die Nato. Middelhoff soll in Haft, meint zumindest der Staatsanawalt. Wieso das alles, lesen Sie hier im Tagesbericht.

Der Anlagestratege: Der gläserne Steuerbürger wird Realität

Der gläserne Steuerbürger wird Realität

Steuerlich werden Erträge aus Aktienanlagen in Deutschland schon lange stark diskriminiert. Statt für Steuergerechtigkeit zu sorgen, geht es dem Staat nur um die eigenen Einnahmen, das zeigt auch ein neues Abkommen.

Der Werber-Rat: Pflegeanleitung für Printprodukte

Pflegeanleitung für Printprodukte

Auf der Verleihung des Bayerischen Printmedienpreises wurde Print gefeiert. Anderswo wird schon der Abgesang angestimmt. Die Wahrheit liegt in der Mitte.

  • Gastbeiträge
Gastbeitrag zur Konjunkturabkühlung: „Dieser Irrsinn wird mit einem Knall enden“

„Dieser Irrsinn wird mit einem Knall enden“

Die Notenbanken erkaufen Zeit, Anleger lassen sich blenden und die Börsenkurse klettern auf Rekordstände, losgelöst von der Realwirtschaft. Die Folge ist klar, meinen die Ökonomen Friedrich und Weik. Und sie wird wehtun.

Merkels Haushaltspolitik unter Feuer: „Bundesregierung hat sich eingemauert“

„Bundesregierung hat sich eingemauert“

Die „Schwarze Null“ im Haushalt gilt der Regierung als ultimativer wirtschaftspolitischer Erfolg. Doch damit fehlt jeglicher Spielraum. Ein sicheres wirtschaftliches Fundament und das Ende der Euro-Krise sind wichtiger.

Kommunikation im Beruf: So laufen Karrierefrauen nicht gegen die Wand

So laufen Karrierefrauen nicht gegen die Wand

Männer kommunizieren – wie eine fremde Spezies – im Business-Kosmos anders als Frauen, die von klein auf auf Harmonie und Höflichkeit gepolt sind. Wie Sie das „Männisch“ verstehen und zu eigenen Zwecken nutzen können.

  • Presseschau
Presseschau: Angriff auf „Anshu's Army”

Angriff auf „Anshu's Army”

Kostspielige Skandale und Affären haben die Gewinne der Deutschen Bank ausradiert – vor allem im dritten Quartal. Die Wirtschaftspresse bezweifelt jedoch, dass die Rochade im Vorstand an der Malaise viel ändern kann.