Der Werber-Rat

_

Der Werber-Rat: Doping in der Werbebranche

Kreativagenturen investieren viel Zeit und Geld, um im Kreativranking die besten Plätze einzunehmen. Doch wie beim Sport gibt es auch hier Doping und Fakes. Es fehlt ein einheitlicher Standard.

In der Werbebranche gibt es wie im Sport auch Doping. Doch wo ist die doping-Kontrolle? Quelle: dpa
In der Werbebranche gibt es wie im Sport auch Doping. Doch wo ist die doping-Kontrolle? Quelle: dpa

Über nichts wird aktuell in der Werbebranche so viel geredet wie über das Thema Kreativranking. Jung von Matt pausiert für ein Jahr. Scholz & Friends tut es auch. Weitere Agenturen werden folgen. Das Kreativranking ist etwa das Gleiche wie der Medaillenspiegel bei Olympia, es zeigt Jahr für Jahr, welche Agenturen wie viele Preise für ihre Arbeiten gewonnen haben. Eine gute Platzierung ist enorm wertvoll, denn sie bedeutet mehr Anfragen von Kunden und mehr Attraktivität im Kampf um Talente.

Anzeige

Weil die gute Platzierung so wichtig ist, gibt es wie im Sport Doping. Das Doping für das Kreativranking sind Arbeiten, die sich Agenturen ohne Auftrag eines Kunden selbst ausdenken, um damit Preise zu gewinnen. Goldideen oder Fakes heißt das in der Fachsprache.

Stefan Kolle ist Geschäftsführer der Agentur Kolle Rebbe.
Stefan Kolle ist Geschäftsführer der Agentur Kolle Rebbe.

Das Entwickeln dieser Goldideen kostet viel Zeit und Geld. Als Faustregel gilt: 500 Punkte kosten 350.000 Euro. Reichten vor zehn Jahren noch knapp 800 Punkte, um auf Platz eins zu kommen, braucht man heute schon über 2000 Punkte für diese Platzierung. Macht also rund 1,5 Millionen. Kleinere Agenturen können da kaum mehr mitmischen.

Immer mehr Goldideen bringen auf immer mehr Festivals immer mehr Preise - dieser ungesunde Kreislauf ist inzwischen zu einer Blase angeschwollen, die eigentlich platzen müsste. Nur ist da niemand, der sie zum Platzen bringt. Keine Antidoping-Kommission, keine Börsenaufsicht, niemand.

Der Werber-Rat

Wenn nun einige Agenturen pausieren, tun sie es nicht, weil sie das System infrage stellen, sondern um Geld zu sparen. Oder weil es ihnen schwerfällt, die gute Vorjahresplatzierung zu bestätigen. Das ist eine vergebene Chance. Vor etwas mehr als zehn Jahren gab es kein Kreativranking. Damals zählte nur das Umsatzranking, das fast ausschließlich von börsennotierten Networks dominiert wurde. Doch an der Börse wurden Gewinne und Kurse manipuliert, es gipfelte im Enron-Skandal. Daraufhin wurde mit dem Sarbanes-Oxley Act ein Gesetz erlassen, um derartige Manipulationen zu verhindern.

Damit verschwand das Umsatzranking, denn die Networks durften keine Zahlen mehr melden. So einen Sarbanes-Oxley Act braucht jetzt das Kreativranking. Das geht aber nur, wenn die Fachmedien, die das aktuelle Kreativranking veröffentlichen, einen neuen Standard entwickeln. Am besten gemeinsam mit den Agenturen. Deren Bereitschaft, etwas zu ändern, ist größer als je zuvor.

Der Autor:

Stefan Kolle ist Geschäftsführer Kreation der Agentur Kolle Rebbe in Hamburg. Er ist einer von fünf Kolumnisten, die im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

  • Kommentare
Kommentar: Rote Karte mit Risiko

Rote Karte mit Risiko

Die EU wehrt sich gegen Chinas Exporteure und erhebt Schutzzölle auf Solarmodule. Diese Politik der klaren Kante ist überfällig – selbst wenn Vergeltung aus Peking wohl nicht lange auf sich warten lassen wird.

Hartz-IV-Aufstocker: Falsche Hiobsbotschaften

Falsche Hiobsbotschaften

Die Agenda 2010 ist nicht unsozial. Im Gegenteil: Den nun wieder als Ungerechtigkeit gescholtenen 323.000 „Aufstocker-Stellen“ steht ein beinahe Hundertfaches an neuen sozialversicherungspflichtigen Stellen gegenüber.

  • Kolumnen
Dutschke spricht: Was für eine Verschwendung

Was für eine Verschwendung

Berlin will zwei Standorte der Landesbibliothek zusammenführen. Klingt sinnvoll. Doch die Kosten-Prognose erinnert an andere Großprojekte, die viel zu teuer ausfallen. Die Standortwahl setzt noch eins drauf.

Was vom Tage bleibt: Franzosen würden Merkel wählen

Franzosen würden Merkel wählen

Eine Umfrage sieht Merkel in Frankreich ganz vorn. Die Zentralbank denkt weiter über eine Schuldengemeinschaft und die SPD über eine Vermögenssteuer nach. Und: Das Olivenöl ist in Gefahr. Der Tagesbericht.

Handelsblog Bringt die Bürokraten in Erklärungsnot!

Die Regierung feiert sich. Mal wieder. Das Bundeskabinett hat den Bericht des Normenkontrollrates verabschiedet. Klingt abstrakt? Hat aber ganz praktische Bedeutung, denn es geht dabei um den von allen geforderten Abbau von Bürokratie. Die... Von Florian Kolf. Mehr…

  • Gastbeiträge
Gastkommentar: Britische Europaskepsis hilft schottischen Separatisten

Britische Europaskepsis hilft schottischen Separatisten

Je stärker das europaskeptische Lager im Vereinigten Königreich wird, desto wahrscheinlicher wird eine Abspaltung Schottlands. Um separatistische Bestrebungen einzudämmen, sollte sich die EU um die Briten bemühen.

Angelina Jolie und die Folgen: „Eine barbarische Operation“

„Eine barbarische Operation“

„Ich kann Angelinas Angst gut verstehen, auch mir haben sie eine Brust amputiert.“ Über ihren Umgang mit dem Thema Brustkrebs und ihr Leben nach der Operation berichtet die New Yorker Künstlerin Matuschka.

Gastkommentar: Die Reformen im Euro-Raum wirken

Die Reformen im Euro-Raum wirken

Statt zusammen gegen die Krise vorzugehen, findet zwischen Europas Staaten inzwischen ein reger Schlagabtausch statt. Dabei kommen die Krisenländer in Sachen Reformen sogar gut voran. Anerkannt wird das zu wenig.

  • Presseschau
Presseschau: „Spaniens Tage sind gezählt“

„Spaniens Tage sind gezählt“

Die Verstaatlichung der spanischen Großsparkasse Bankia ist nach Medieneinschätzung nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Die entscheidende Frage sei, wie Spanien die Rettungsmaßnahmen bezahlen wolle. Die Presseschau.