Der Werber-Rat

_

Der Werber-Rat: Geliebte Krise

Wenn irgendwo Bewegung entsteht, fürchten vor allem Deutsche Risiken und Nebenwirkungen. Untersuchungen orten den traurigen deutschen Gemütszustand weit unter der tatsächlichen Lage.

„Die Energiewende droht an den Ängstlichen zu scheitern“, schreibt Kolumnist Bodo Hombach. Quelle: dpa
„Die Energiewende droht an den Ängstlichen zu scheitern“, schreibt Kolumnist Bodo Hombach. Quelle: dpa

Die kluge „Zeit“ titelte: „Wir haben schlechte Nachrichten: Es geht uns gut.“

Anzeige

Symptomatisch zeigt sich das an der Energiewende. Das Jahrtausendprojekt droht an den Ängstlichen zu scheitern, die um ihr Vorgärtchen fürchten. Denn irgendwo muss die Energie ja herkommen. Aber bitte schön nicht von hier, nicht aus meiner Nachbarschaft.

Das Phänomen ist hinlänglich beschrieben und doch interessant: Denn nachdem die Ökonomie die Ökologie entdeckt hat, wendet sich nun die Ökologie gegen die Ökonomie. Die wetterabhängige Energieerzeugung wird zum Steuergrab, sie gefährdet Produktionsstandorte und Arbeitsplätze, schafft aber auch welche – und sorgt für Nebeneinkommen von Selbstversorgern. Eine vernünftige Abwägung scheint unmöglich.

Autor Bodo Hombach ist Jurymitglied für die Verleihung des Deutschen Wirtschaftsbuchpreises und Präsident der Bonner Akademie für Forschung und Lehre praktischer Politik.
Autor Bodo Hombach ist Jurymitglied für die Verleihung des Deutschen Wirtschaftsbuchpreises und Präsident der Bonner Akademie für Forschung und Lehre praktischer Politik.

Warum nicht Dynamik, aber ökonomisch und ökologisch? „Intelligentes Wachstum“ fordert Ralf Fücks, Kopf der grünennahen Böll-Stiftung, im gerade erschienenen Buch. An Altmaiers Lieblingsschreckgespenst, das sogenannte Fracking, hat er vernünftige Fragen: „Ist es besser, Erdgas aus Sibirien zu importieren, das dort ohne große ökologische Skrupel gefördert wird, als es unter kontrollierten Bedingungen im eigenen Land zu fördern?“

Er ist sich sicher, dass weder unser Nachbar Polen noch Australien, China oder die USA auf deutsche Parteitagsbeschlüsse hören. Sie werden ihre heimische Energie nicht ungenutzt lassen. Wir stolzen Exporteure dagegen könnten durch umweltschonende Technologie und Chemie nützlich sein. Ohne Referenztechnologie im eigenen Land aber sind die Produkte unglaubwürdig. Ein relevanter Beitrag für das Weltklima wären deshalb Technologielieferungen, die durch verbesserte Wirkungsgrade das Klimagas CO2 drastisch reduzieren und die Wirtschaftlichkeit verbessern.

Der Werber-Rat

Wo ist die Regierung, die einen „Green New Deal“ verkündet und das Land oder den Kontinent an die innovative Spitze bringt?

Das berühmte griechische Bibelwort „metanoite“ heißt nicht „Kehrt um und tut Buße!“, wie es uns die Apokalyptiker lustvoll predigen. Die korrekte Übersetzung ist: „Denkt größer!“ – über das Ziel und über eure Kraft. Dann nämlich werden nicht nur die Probleme sichtbar, sondern auch die Wege.

Der Autor:

Bodo Hombach ist Präsident der Bonner Akademie für Forschung und Lehre praktischer Politik.

  • 08.04.2013, 13:54 UhrHofmannM

    @fenfir
    Seit wann kostest die Entsorgung der toten Vögel durch Windmühleneigentümer etwas? Die Vögel erleiden einen schnellen oder langsammen Tod und der Rest wird von der Tierwelt und Natur erledigt! Der Winmühlenbetreiber will sich doch nicht mit toten Vögeln, bei seiner Subentionsabzocke ala Windenergie, ins Geschäft spucken lassen. Und dies ist durchgängige Praxis in der Windmühlenmafia Abzockerbranche!
    Im Gegensatz hat die wirtschafts und technisch basierende Industrie- und Handwerksbranche, die am Markt immer im Wettbewerb mit anderen Unternehmen steht, ein Eigeninteresse und eine menschliche Verpflichtung gegenüber einer gesunden und umweltfreundlichen Arbeitsumgebung. Die Zeiten in der deutschen Industrie und des Handwerks haben sich schon vor 40 Jahren zum Besseren gewandelt. Heut zu Tage kann sich kein Unternehmen mehr einen Gesundheits- bzw. Umweltskandal mehr leisten. Schon alleine aus Imagegründen her. Der Wettbewerb und die schnelle Kommunikation zwingt die Unternehmen zu einem sauberen und sichern Arbeitsumfeld.

  • 08.04.2013, 12:03 Uhrfenfir

    Das nicht zur Kentniss nehmen wollen von Kosten,ist das Denken von Firmen.

    Ich kan an Lötarbeitsplätzen Dampfabsauger einbauen.
    Das Kostet mich 1000 € pro Platz.
    Ich kann es sein lassen, weil ich davon ausgehe, das der Arbeitsplatz nur 10 Jahre
    erhalten bleibt.
    Die Lungenerkrankungen fallen aber erst nach
    25 Jahren an.
    Dann zahlt das die Krankenkasse,
    und die Frührente die Rentenkasse.
    Für die Firma ist es also Billiger die
    Spätfolgen nicht zu Berechnen.
    Keine Filter einzubauen.
    Solange die Schreiber hier nicht selber
    daran erkranken, klammern sie die Kosten
    einfach aus.
    Will man, um die Arbeitsplätze zu erhalten
    die Gesundheit der Arbeitnehmer gefährden?
    Will man aus Betriebskosten, Kosten machen,
    die der Arbeitnehmer über die Sozialversicherung mit Bezahlt?

    Um wirklich die Günstigste Ennergie zu ermitteln muss man alle Kosten Berechnen.
    Die Entsorgung der Toten Vögel, genauso wie
    Krankenkosten durch Abgase. Aber das will hier wohl keiner wahr haben

  • 08.04.2013, 10:19 UhrFreidenker

    Man befasse sich mit den Hintergründen, den Zusammenhängen, Strukturen der Energiewende!! Diese Energiewende dient nur einigen wenigen um Profit zu machen!! Die Lasten zahlt der Steuerzahler!

    Es ist alles Panikmache!! Die Natur hat sich schon immer verändert und der Mensch maßt sich an, dieses aufhalten zu wollen! Lächerlich!! Es gibt auch kein ewiges Wachstum!! Das geht nur auf Kosten der Umwelt, der Menschen!!! Anstatt das System zu verändern, vorallem das Geldsystem! verschandelt man die Umwelt und schadet den Tieren, der Natur.

    Der Mensch ist und bleibt das dümmste Tier auf Erden. Schafft sich seinen eigenen Untergang! Nur weil egoistische, machtbesessene Volltrottel in der Politik sitzen...



  • Kommentare
Kommentar : Tim Cook hat einen Fehler gemacht

Tim Cook hat einen Fehler gemacht

„One more thing“: Apple-Chef Tim Cook hat sich bei der Produktvorstellung stark an den guten alten Zeiten orientiert. Damit hat er sich keinen Gefallen getan. Jetzt muss er sich wieder an Steve Jobs messen lassen.

Kommentar: Keine Gnade für Frankreich

Keine Gnade für Frankreich

Drei Gründe nennt Frankreich, warum es die EU-Obergrenze beim Defizit bis mindestens 2017 nicht einhalten wird. Zwei davon ziehen nicht. Daher kann die Regierung kaum mit der Großzügigkeit seiner Partner rechnen.

  • Kolumnen
What's right?: Wo bleibt das Gewissen?

Wo bleibt das Gewissen?

Wenn die Linkspartei in Thüringen mithilfe der SPD den Ministerpräsidenten stellen sollte, wäre das ein Fanal. Die Verniedlichung der SED-Nachfolgepartei würde triumphieren. Es wäre ein Tiefpunkt der politischen Kultur.

Der Werber-Rat: Kampfplatz Armlehne

Kampfplatz Armlehne

Nirgendwo spürt man den Geschlechterkrieg am eigenen Leib so deutlich wie beim Kampf um die Armlehne im Flugzeug. Eine tolle Aufgabe für Kommunikationsprofis!

Was vom Tage bleibt: Groß oder klein?

Groß oder klein?

Schottland entscheidet über Großbritannien, der zweite Blitzmarathon geht zu Ende. Die neue Apple-Software ist da, die Banken verweigern das EZB-Geld und die deutsche Fußballbilanz fällt gut aus. Der Tagesrückblick.

  • Gastbeiträge
Gastbeitrag: So wichtig wie Lesen

So wichtig wie Lesen

Die Vermittlung digitaler Grundkenntnisse kann gar nicht früh genug beginnen, fordert der Hauptgeschäftsführer der IHK Köln, Ulf Reichardt.

Gastbeitrag zum Schottland-Votum: Was Anleger wissen sollten

Was Anleger wissen sollten

Bei den Investoren steigt die Spannung. Sollte Schottland im Vereinigten Königreich verbleiben, dürfte es eine Erleichterungsrally bei britischen Aktien und dem Pfund geben. Bei einem Austritt drohen heftige Marktreaktionen.

Gastbeitrag zur neuen EU-Kommission: „Man kann einen Bock nicht zum Gärtner machen“

„Man kann einen Bock nicht zum Gärtner machen“

In Berlin regt sich deutliche Kritik an der Besetzung der neuen EU-Kommission. Dass ausgerechnet Paris den künftigen Währungskommissar stellt, hält der CDU-Wirtschaftspolitiker Willsch für inakzeptabel.

  • Presseschau
Presseschau: Draghis Kreditkanone klemmt

Draghis Kreditkanone klemmt

Die Nachfrage der Banken bei der ersten von mehreren neuen Geldspritzen der EZB war verhalten. Die Wirtschaftspresse hämt, die „Kreditkanone“ von EZB-Chef Mario Draghi klemme wohl, sie sei das falsche Instrument.