Der Werber-Rat

_

Der Werber-Rat: Managen auf die vatikanische Art

In Unternehmen sind Stabwechsel oft schwierig. Die katholische Kirche zeigt nun, wie würdevolle Abschiede und positive Neuanfänge richtig vonstatten gehen. In fünf Schritten zum neuen Chef.

Papst Benedikt XVI. verlässt den Balkon des Apostolischen Palastes. Quelle: dpa
Papst Benedikt XVI. verlässt den Balkon des Apostolischen Palastes. Quelle: dpa

Die römisch-katholische Kirche ist beim Thema „Managen“ heutigen Chefs um Jahrtausende voraus. Papst Benedikt, seit fünf Tagen mit dem Titel "Eure Heiligkeit" im Ruhestand, zeigt uns: Keiner gestaltet die Stabübergabe an den Nachfolger besser als das größte Glaubensunternehmen der Welt.

Anzeige

Der Moment einer Staffelübergabe ist für jeden Konzern die Sollbruchstelle an höchster Stelle. Bei diesem komplexen Handlungsablauf gerät man leicht ins Stolpern und aus der Bahn, während die ganze Welt zuschaut.

Doch Rom weiß, wie es geht. In fünf Schritten zum neuen Chef:

Frank Dopheide ist Inhaber der Agentur Deutsche Markenarbeit.
Frank Dopheide ist Inhaber der Agentur Deutsche Markenarbeit.

Das Gebot der Würde. Aller Glanz und alle Kameras bleiben bis zur letzten Minute auf den derzeitigen Stabträger gerichtet. Sein Abschied wird zelebriert. Würdevoll und emotional. Denn die Art und Weise, wie der Vorgänger aus dem Amt begleitet wird, prägt die eigene Organisation. Jetzt wird sichtbar, was gepredigte Werte in der Realität wirklich wert sind.

Das Gebot der Geschlossenheit. Die Wahl des Nachfolgers trifft ein hermetisch geschlossener Führungskreis. Es gelten klare Regeln. Weder Twitter noch Gerüchte dringen aus der Sixtinischen Kapelle. Der mediale Einfluss auf die Entscheidung bleibt außen vor. Während Neugier und Aufmerksamkeit vor den Türen steigen.

Das Gebot der Anteilnahme. Die interessierte Gemeinde ist jederzeit live vor Ort und erwartet die Entscheidung. Die Vorfreude wird durch das tägliche Ritual des Rauchzeichens angeheizt. Mit dem weißen Rauch entflammt die Vorfreude zum brennenden Interesse. Die Bühne ist bereitet.

Der Werber-Rat

Das Gebot des Gehorsams. Der neue Würdenträger nimmt vor seinen Gefolgsleuten Platz. Jede Führungskraft wird in Augenschein genommen. Einer nach dem anderen erweist dem Mann an der Spitze die Ehre und verspricht Gehorsam. Erst dann stellt sich dieser der Öffentlichkeit.

Das Gebot der frohen Botschaft. Der frisch gekürte Nachfolger tritt persönlich vor seine wartende Gemeinde und verkündet den Beginn seiner Amtszeit mit einer frohen Botschaft. Die entscheidende erste Begegnung mit den Anhängern wird zu einem Fest der Freude. Er schafft ein Bild, das um die Welt geht und für eine positive Wahrnehmung sorgt. So entsteht die Energie, um später in schwierigen Momenten vertrauensvoll agieren zu können.

Ein jahrhundertelang bewährtes Verfahren, mit dem der Vatikan über eine Milliarde Menschen auf den neuen Mann an der Spitze einschwört und für eine reibungslose Stabübergabe sorgt.

Der Autor:

Frank Dopheide ist Inhaber der Agentur Deutsche Markenarbeit. Er ist einer von fünf Kolumnisten, die im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

  • Kommentare
Kommentar: Wenn Wowereit ein CEO wäre...

Wenn Wowereit ein CEO wäre...

... dann würde die Aktie von Berlin heute einen Luftsprung machen. Warum Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit zur Belastung wurde. Ein Kommentar.

Kommentar zur Krise in Frankreich: Schluss mit der Kampfregierung

Schluss mit der Kampfregierung

Mit großem Tamtam war die französische Regierung im März angetreten – jetzt ist sie krachend gescheitert. Von dem Chaos könnten der linke Flügel der Sozialisten und der rechtsextreme Front National profitieren.

  • Kolumnen
Was vom Tage bleibt: Draghi fordert zum Prassen auf

Draghi fordert zum Prassen auf

Gestern noch arme Schlucker, heute schon saniert: Spanien und Co. profitieren von Draghis Worten. Und: Die beste Idee für Berlin kommt aus Colorado – Cannabis legalisieren. Der Tagesbericht.

Der Werber-Rat: Die Kunst ist frei - die Werbung nicht

Die Kunst ist frei - die Werbung nicht

Diese Frage beschäftigt auch Jahrzehnte nach Erscheinen von Michael Schirners Buch „Werbung ist Kunst“ noch immer die Branche: Kann Werbung Kunst sein? Oder ist sie doch eher Kunsthandwerk?

Der Ver(un)sicherer: Schlechte Qualität verkauft sich am besten

Schlechte Qualität verkauft sich am besten

Je schlechter das Produkt, umso besser das Geschäft: Der Grundsatz ist zwar nicht intuitiv. Für die private Altersvorsorge in Deutschland aber trifft er zu. Warum Politik und Lobby eine gute Vorsorge gar nicht wollen.

  • Gastbeiträge
Gastbeitrag: Waffenlieferungen sind kein Ersatz für Sicherheitspolitik

Waffenlieferungen sind kein Ersatz für Sicherheitspolitik

Die Debatte über die Lieferung von Waffen an die irakischen Kurden zeigt, dass Rüstungsexporte zunehmend zum Ersatz für westliche Sicherheitspolitik werden. Diese Entwicklung ist gefährlich.

Gastbeitrag Frank Schäffler: Die FDP darf nicht sozialdemokratisch werden!

Die FDP darf nicht sozialdemokratisch werden!

Nur ein klarer Kurs der Bundesspitze hilft der FDP in Sachsen, Brandenburg und Thüringen bei den schwierigen Landtagswahlen, meint FDP-Rebell Frank Schäffler. Doch die Parteispitze hat anderes vor: Annäherung an die SPD.

Gastbeitrag: Warnung vor dem Tarifkartell

Warnung vor dem Tarifkartell

Die Koalition will die Streikmacht kleiner Gewerkschaften begrenzen. Dagegen regt sich Widerstand. CDU-Wirtschaftspolitiker Metzger warnt davor, am hohen Gut der grundgesetzlich geschützten Koalitionsfreiheit zu rütteln.

  • Presseschau
Presseschau: BayernLB-Banker zu blöd für ihren Job?

BayernLB-Banker zu blöd für ihren Job?

Vier Angeklagte im BayernLB-Prozess sind ihre Verfahren im Zusammenhang mit dem Hypo-Alpe-Adria-Debakel los – gegen Geldauflagen ab 5000 Euro. Das Urteil sei eine Bankrotterklärung, sagen Wirtschaftsmedien.