Der Werber-Rat

_

Der Werber Rat: Nur Filme produzieren reicht nicht

Rückläufige Zuschauerzahlen zwingen TV- und Filmindustrie zum Umdenken. Denn Fakt ist: Mehr vom Gleichen hilft nicht mehr. Um Zuschauer zu locken, müssen Filme zu Marken werden.

Festivalleiter Dieter Kosslick weiß, wie er „seine“ Berlinale vermarkten muss. Er hat eine Marke geschaffen. Quelle: AFP
Festivalleiter Dieter Kosslick weiß, wie er „seine“ Berlinale vermarkten muss. Er hat eine Marke geschaffen. Quelle: AFP

Die Berlinale ist längst eine Marke geworden, die sich weltweit als beliebtes Publikumsfestival und als Markt- und Handelsplatz der Film- und Fernsehindustrie etabliert hat. Glamour, Hollywood-Stars und roter Teppich sind charmantes Beiwerk zum harten Geschäft. Der Festivalleiter Dieter Kosslick weiß die Stärken von Stadt und Festival wie kein Zweiter zu vermarkten. Berlin im Bären-Taumel: Markentreue vom Feinsten.

Anzeige

Ein Markt, der inzwischen allerdings selbst mächtig unter Druck steht. Nach Angaben der Filmförderanstalt sank der Marktanteil des deutschen Films auf schmale 18,1 Prozent. Ähnlich wie den TV-Kollegen bröckeln den Filmleuten immer mehr Zuschauer weg. Vor allem die Generation Y nutzt primär Streaming-Dienste oder Youtube Channel. Der Lagerfeuereffekt, der einst die Zuschauer vor die Geräte lockte, verschwindet. Und so ist es nicht verwunderlich, dass Youtube-Eigner Google und Amazon über das eigene Filmportal Lovefilm in Sachen Entertainment immer weiter aufrüsten und zu einer ernsten Konkurrenz für Film und Fernsehen werden.

Uli Mayer-Johanssen ist Gründerin und Chefin der Markenagentur Meta-Design in Berlin.
Uli Mayer-Johanssen ist Gründerin und Chefin der Markenagentur Meta-Design in Berlin.

Schwindende Marktanteile treiben TV- und Filmemachern Schweißperlen auf die Stirn und machen deutlich: Mehr vom Gleichen hilft nicht mehr. Um Zuschauer zu locken, müssen Filme zu Marken werden. Als Disney die Produktionsfirma von „Star-Wars“-Erfinder George Lucas kaufte, wollte das Studio vor allem Zugriff auf die Rechte bekommen.

Eine neue Episode der Reihe, die bislang 4,4 Milliarden Dollar einspielte, ist für 2015 geplant. Dabei ist der Streifen nur ein Teil der gesamten Vermarktungsstrategie. Die Animationsreihe "Shrek" etwa bietet neben DVDs, Kostümen, interaktiven Spielen auch Spielzeug, und die Facebook-Seite dient dem ständigen Dialog mit den über 35 Millionen Fans.

Der Werber-Rat

RTL 2 schuf mit der Scripted-Reality-Serie „Berlin bei Tag und Nacht“ eine neue Serien-Marke. Die Folgen können sowohl online als auch im TV gesehen werden. Die Musik wird zum Download angeboten, und die Darsteller posten selbst auf der Facebook-Seite.

TV- und Filmindustrie kommen an den Regeln konsequenter Markenführung nicht mehr vorbei. Eine Branche, die erst am Anfang steht, ihr Potenzial zu nutzen. Die nötigen Instrumente sind bekannt. Das Bewusstsein, eine Marke zu etablieren und diese zum Wirken zu bringen, muss erst noch entwickelt werden.

Der Bär ist jedenfalls schon mal eine gute Konstante, um die Lust aufs Lagerfeuer zu schüren.

Die Autorin:

Uli Mayer-Johanssen ist Gründerin und Chefin der Markenagentur Meta-Design in Berlin. Sie ist einer von fünf Kolumnisten, die im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

  • Kommentare
Reform der Lebensversicherung: Letzte Rettung Bundespräsident – schön wär's!

Letzte Rettung Bundespräsident – schön wär's!

Alle Versuche des Bundes der Versicherten, gegen die Lebensversicherungsreform vorzugehen, sind gescheitert – das ärgert! Wie schön wäre es da, der Bundespräsident eilte zur Hilfe. Allein, nicht alle Wünsche werden wahr.

Handelsblatt in 99 Sekunden: Keine WM für Russland

Keine WM für Russland

Der Westen tut sich schwer mit wirkungsvollen Sanktionen gegen Russland. Warum dann nicht im Sport? Unser Thema bei Handelsblatt in 99 Sekunden.

  • Kolumnen
Der Werber-Rat: Als positives Beispiel vorangehen

Als positives Beispiel vorangehen

Es braucht keine Ad-hoc-Äußerungen wie „Keine WM in Russland und Katar“ seitens der Politik. Wer die Menschenrechte nicht anerkennt, darf kein Austragungsort der Fußball-WM sein.

Was vom Tage bleibt: Kinderfeindliches Land

Kinderfeindliches Land

In den Kitas fehlen Erzieher, McDonald's bekommt Ärger in Russland. Amazon schreibt rote Zahlen, Bremen verliert ein Fußball-Länderspiel und mit dem Dax geht es wieder abwärts. Der Tag im Rückblick.

What's right?: Wir zahlen, aber ihr liefert nicht

Wir zahlen, aber ihr liefert nicht

Die Deutschen klagen: Die Steuern sind zu hoch, das Steuersystem ist zu kompliziert. Zugleich sind die Menschen hierzulande so steuerehrlich wie nie. Die Politik sollte ihren Bürgern eine Steuervereinfachung gönnen.

  • Gastbeiträge
Gastbeitrag: „Welch eine Schande für Deutschland!“

„Welch eine Schande für Deutschland!“

Stephan Kramer ist entsetzt über „Judenhassfeste“ in Deutschland. Das sei keine Folge des Nahostkonflikts, ist der Antisemitismusexperte des American Jewish Committee überzeugt. Deswegen müssten die Demokraten umdenken.

Gastbeitrag: Das süße Gift der Bankensubventionen

Das süße Gift der Bankensubventionen

Die Großbanken hängen bereits am staatlichen Subventionstropf. Nun fordern sie weitere Privilegien bei der Finanzierung des Abwicklungsfonds. Kleine Volksbanken sollen für die Großen zahlen. Das ist unfair.

Schärfere Russland-Sanktionen: „Deutsche Unternehmen in der Zwickmühle“

„Deutsche Unternehmen in der Zwickmühle“

In der Unternehmenswelt ist der Kalte Krieg wieder ausgebrochen. Deutsche Firmen stehen in Zeiten des Ukraine-Konflikts zwischen den Fronten. Vor allem die harten US-Sanktionen bringen sie in die Bredouille.

  • Presseschau
Presseschau: Russlands Staatsbanken verlieren ihren Kredit

Russlands Staatsbanken verlieren ihren Kredit

Im Ukraine-Konflikt hat die EU neue Sanktionen beschlossen, über Maßnahmen gegen russische Banken wird beraten. Das Medienecho ist geteilt: Die EU zögere mit harten Sanktionen, andere sehen Russlands Banken im Visier.