Der Werber-Rat

_

Der Werber-Rat: Schreckgespenst Fracking

Man muss nicht jede Suppe auslöffeln, die uns verantwortungslose Goldsucher einbrocken. Doch am Beispiel Fracking lässt sich zeigen, wie falsch es ist, das Haar mit der ganzen Suppe auszuschütten.

Autor Bodo Hombach ist Jurymitglied für die Verleihung des Deutschen Wirtschaftsbuchpreises und Präsident der Bonner Akademie für Forschung und Lehre praktischer Politik.
Autor Bodo Hombach ist Jurymitglied für die Verleihung des Deutschen Wirtschaftsbuchpreises und Präsident der Bonner Akademie für Forschung und Lehre praktischer Politik.

Hochjubeln ist unergiebig. Verteufeln auch. Im deutschen Gemüt gibt es eine Unwucht, die uns oft aus der Kurve trägt. Wer für ein akutes Problem eine Lösung hat, muss als Bonus mindestens "die" Lösung aller Probleme anbieten, sonst braucht er nicht anzufangen.

Anzeige

"Fracking" ist zurzeit so ein Thema. Schon das Wort schürt Horrorgefühle. Von wem auch immer bezahlte Profiinitiativen bieten Anleitungen zur Blockade an.

1961 wurde in Deutschland zum ersten Mal nach heimischem Gas gebohrt. Seitdem um die 300- mal, ohne Umweltschäden. 14 Prozent des verbrauchten Erdgases stammen in Deutschland aus heimischen Bodenschätzen. Viele Milliarden entlasten den Steuerbürger. Prospektoren sagen, in Deutschland warteten 2,3 Billionen Kubikmeter darauf, gefördert zu werden. Immens, beim Jahresverbrauch von 900 Millionen Kubikmetern. Die energiestrategische Weltkarte verschiebt sich. Die USA mutieren vom Energieimporteur zum -exporteur.

Bei uns schlägt das Pendel ins andere Extrem nach dem Motto: Keine Flasche öffnen! Es könnte ein Geist drin sein. Das deutsche Gemüt scheint sich sicher, dass das, was schiefgehen kann, auch schiefgeht.

Es ist vernünftig, auf abschüssigem Gelände eher die Bremse als das Gaspedal zu bedienen. Aber wer gar nicht fährt, kommt nicht an. Er nimmt geostrategische Konflikte und Importabhängigkeit in Kauf. Er verspricht sich beim Energiewandel mehr vom Crashkurs. Er blockiert nicht nur die Nutzung eines Rohstoffs, sondern auch die Entwicklung umweltverträglicher Verfahren.

Gerade hier kann Deutschland Maßstäbe setzen, auch für Regionen mit schwachem Gefahrenbewusstsein. Seitdem wir alle in der gleichen Raumstation sitzen, sollten wir den Mitinsassen helfen, Fehler zu vermeiden, die wir hinter uns haben.

Gefahren und Chancen abwägen ist richtig. Panisches Verteufeln verengt den Spielraum für problemlösendes Denken. Es reduziert das Spektrum möglicher Alternativen auf eine einzige blockierte Synapse. Man muss nicht jede Suppe auslöffeln, die uns verantwortungslose Goldsucher einbrocken. Man muss aber auch nicht das Haar mit der ganzen Suppe ausschütten.

Der Autor ist einer von fünf Kolumnisten, die an dieser Stelle im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

Bodo Hombach ist Präsident der Bonner Akademie für Forschung und Lehre praktischer Politik.

Der Werber-Rat

Der Autor:

Bodo Hombach ist Präsident der Bonner Akademie für Forschung und Lehre praktischer Politik und ehemaliger WAZ-Chef.

  • 09.02.2013, 16:18 Uhrwolf-cgn

    .... der Name Hombach verbindet sich bei mir mit Geschäftstüchtigkeit, nicht mit wissenschaftlicher Redlichkeit!

  • 14.02.2013, 21:09 UhrSteinweg

    Er beschreibt die aktuelle Lage doch recht zutreffend.

  • 26.02.2013, 15:54 Uhrmdew

    Ist das das einzige Gegenargument? Eine unsachliche Diffamierung? Armselige Kommunikationskultur...

  • Kommentare
Ödegaard und Real Madrid: Wird Norwegens Supertalent der neue Messi?

Wird Norwegens Supertalent der neue Messi?

Der FC Bayern hat das Nachsehen: Martin Ödegaard wechselt zu Real Madrid. Der junge Norweger ist nunmehr ein Königlicher. Dabei wäre der 16-Jährige bei einem anderen Verein besser aufgehoben. Ein Kommentar.

EZB-Anleihekauf: Draghis Droge

Draghis Droge

Die Europäische Zentralbank (EZB) und ihr Präsident Mario Draghi fluten jene Länder, über deren Währung sie herrschen, mit einer gigantischen Geldsumme. Sie verhindern damit Reformen – und das macht uns Europäer arm.

  • Kolumnen
Der moderne Mann: Zwischen Dschihad und Dattel-Soufflé

Zwischen Dschihad und Dattel-Soufflé

Alles sind auf einmal Charlie - auch Herr K. Doch wie viel interreligiöser Dialog ist eigentlich möglich in einer mittleren Führungsposition? Und soll er jetzt wirklich den Koran lesen?

Werber-Rat: Selfie vor der Fankurve

Selfie vor der Fankurve

Der italienische Fußballstar Francesco Totti schoss das ultimative Fußball-Selfie: von der Reservebank, während der Spielzeit. Social Media hält Einzug in den Profifußball – und bietet dabei viele neue Chancen.

Was vom Tage bleibt: Der Crash ist programmiert. Wirklich?

Der Crash ist programmiert. Wirklich?

Das sollten Sie heute gelesen haben: Nach Draghis Entscheidung kursieren Untergangsszenarien. Können wir dem Crash entkommen? Grönemeyer vertreibt Pegida. Griechenland stellt die Eurofrage.

  • Gastbeiträge
Gastbeitrag zur Griechenland-Wahl: Warum Athen einen neuen Schuldenschnitt braucht

Warum Athen einen neuen Schuldenschnitt braucht

Das Schuldenniveau des griechischen Staates ist auf Dauer viel zu hoch und nicht tragfähig. Nach der Wahl sollte deshalb mit der neuen Regierung über einen „konditionierten Schuldenschnitt“ verhandelt werden.

EZB-Anleihenkäufe: Draghi druckt Europa in den Bankrott

Draghi druckt Europa in den Bankrott

Die EZB hat Anleihekäufe historischen Ausmaßes beschlossen – und reißt ganz Europa in den Ruin. Denn Gelddrucken löst keine Probleme und niedrige Zinsen waren vor dem letzten Crash das größte Problem. Ein Gastbeitrag.

Gastbeitrag: Afghanistan-Mission unter falschen Vorzeichen

Afghanistan-Mission unter falschen Vorzeichen

Die Nato geht davon aus, dass die Defizite in den Afghanischen Nationalen Sicherheitskräften vor allem technischer Natur sind. Weil diese Annahme grundlegend falsch ist, ist ein Erfolg der Mission unwahrscheinlich.

  • Presseschau
Presseschau: Draghi zieht seinen letzten Trumpf

Draghi zieht seinen letzten Trumpf

Nach dem EZB-Entscheid ist die Wirtschaftspresse uneins, wie sie die Folgen des Anleihekaufprogramms bewerten soll: Die einen fordern „Schluss mit dem Gejammer“, andere hören das Totenglöckchen für den Euro läuten.