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Der Werber-Rat: Second Screen – der neueste Hype!

Ist Second Screen, das kommende große Marketingding, bald schon wieder Geschichte? Oder ist es nur die Garantie dafür, nichts mehr richtig mitzubekommen? Das Alles-auf-einmal-machen verlagert sich so auch auf den Abend.

Der Laptop auf dem Schoß gehört für viele mittlerweile zum Fernsehen dazu. Quelle: dpa
Der Laptop auf dem Schoß gehört für viele mittlerweile zum Fernsehen dazu. Quelle: dpa

Der Schlüsselsatz im letzten Polizeiruf 110 aus Rostock? Leider verpasst, weil da gerade noch mal kurz das wirklich sensationelle Eigentor dieses südamerikanischen Fußballers geguckt werden musste. Der Satz aus dem Polizeiruf wurde auf dem First Screen verpasst, dem Fernseher. Das Eigentor auf dem Second Screen geguckt, auf dem Computer.

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Von Marketingfachleuten wird Second Screen, die Nutzung von Laptop, Tablet oder Smartphone während des Fernseh-Konsums, als nächstes großes Ding gefeiert. Hier bietet sich die Chance, Zuschauer aktiv in die Sendungen einzubeziehen, Konversationen in Communitys oder direkten E-Commerce zu befeuern.

Stefan Kolle ist Geschäftsführer der Agentur Kolle Rebbe.
Stefan Kolle ist Geschäftsführer der Agentur Kolle Rebbe.

Es gibt durchaus Beweise dafür, dass es funktionieren kann. So hat Otto seine jüngste TV-Kampagne erfolgreich mit einem Second-Screen-Gewinnspiel gekoppelt. Während des Stromausfalls beim Finale des Super Bowls reagierte die Keksmarke Oreo blitzschnell auf dem Second Screen. Die Twitter-Nachricht „Power out? You can still dunk in the dark“ sammelte in kürzester Zeit tausendfache Wiederholungen (Retweets).

Nun hat schon manch technischer Trend eine Goldgräberstimmung hervorgerufen, von der am Ende nur ein paar krümelige Nuggets übrig blieben. Vor allem die klassischen Fernsehsender hoffen auf Second Screen als Unterstützung für ihr lineares Sendekonzept, weil sie die tatsächliche Individualisierung durch Google TV und Apples sagenumwobenes iTV fürchten. Bezahlsender Sky gibt hingegen die selbstbewusste Devise aus, generell auf dem First Screen laufen zu wollen, ganz gleich, welcher das sei – TV, Tablet oder Smartphone.

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Wie auch immer sich Second Screen entwickeln wird, eines ist absolut sicher: Die Verknüpfung von Inhalte konsumieren (das gute alte Fernsehgucken) und selbst aktiv werden (das Surfen) fördert jetzt auch am Abend einen Trend, der einen sowieso schon den ganzen Tag über beschäftigt: das unkonzentrierte Alles-auf-einmal-machen.

Das Ergebnis ist das gleiche: Man bekommt von allem nur noch die Hälfte mit und fragt sich am Ende, was man eigentlich die ganze Zeit gemacht hat. Ob Second Screen tatsächlich depressiv macht, wie eine Studie der Michigan State University behauptet, sei dahingestellt. Auf jeden Fall sorgt es dafür, dass man weder weiß, was im Rostocker Krimi den Mörder angetrieben hat, noch, wie dieser südamerikanische Fußballer heißt. Aber das Eigentor war super. Ein kreuzdämlicher Kopfball. Oder Rückpass, oder irgendwie so etwas.

Der Autor:

Stefan Kolle ist Geschäftsführer Kreation der Agentur Kolle Rebbe in Hamburg. Er ist einer von fünf Kolumnisten, die im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

  • 15.02.2013, 09:06 UhrVivi

    Hat sich bei mir längst mit großer Begeisterung etabliert:
    mal kurz was nachschlagen, im Film einige unverstandene Szenen "nachschlagen"(Gerade gestern Abend wieder gemacht),
    oder das Internet(Weltweit fernsehen, Youtube, ..) per HDMI an den Fernseher bringen und den Laptop per Infrarot-Maus fernbedienen.
    Wir sind begeistert!

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