Der Werber-Rat

_

Der Werber-Rat: We are a family

Familiäre Werte erleben eine Renaissance. Gleichzeitig verwischen die Grenzen zwischen den Generationen. Dies sind Veränderungen, die auch Unternehmen und Marken interessieren sollten.

Eine jüngst veröffentlichte Studie der Zurich-Gruppe ergab, dass 85 Prozent aller Befragten die Familie als den „einzig wahren Sicherheitsanker“ betrachten. Quelle: dpa
Eine jüngst veröffentlichte Studie der Zurich-Gruppe ergab, dass 85 Prozent aller Befragten die Familie als den „einzig wahren Sicherheitsanker“ betrachten. Quelle: dpa

Familie ist wieder en vogue. Ob Dolce & Gabbana, Aigle oder Ralph Lauren - sie alle zeichnen generationsübergreifende Momentaufnahmen von Idealfamilien, gut gekleidet, lässig und so harmonisch wie nie zuvor. Tommy Hilfiger, der schon immer eine gute Nase für gesellschaftliche Trends hatte, ist deshalb mit seiner preppy Mode so erfolgreich. Als eine der ersten Fashion-Brands inszenierte er 2011 unter dem Motto „Meet the Hilfigers“ einen fiktiven, modern gestylten Clan.

Anzeige

Nach Jahrzehnten der Abkehr von der Familie, in denen Selbstverwirklichung, persönliche Freiheit und die Sehnsucht nach der Fremde maßgeblich unsere Gesellschaft bestimmten, hat sich ein Wandel vollzogen. Eine jüngst veröffentlichte Studie der Zurich-Gruppe ergab, dass 85 Prozent aller Befragten die Familie als den „einzig wahren Sicherheitsanker“ betrachten.

Rituale und das Gefühl, einer besonderen Gemeinschaft anzugehören, prägen inzwischen auch das veränderte Bild der Familie, die zunehmend aus Freunden besteht. Eine Werteverschiebung hin zu Gemeinschaft, Gesundheit, Gerechtigkeit und Lebensqualität zeigt denn auch deutlich, wohin die Reise geht.

Uli Mayer-Johanssen ist Gründerin und Chefin der Markenagentur Meta-Design in Berlin.
Uli Mayer-Johanssen ist Gründerin und Chefin der Markenagentur Meta-Design in Berlin.

Der neue Community-Gedanke ist aber nicht nur eine Antwort auf die Unsicherheiten unseres Lebens. Längst haben sich klassische Kategorien wie „jung“ und „alt“ aufgelöst, wie Zukunftsforscher Matthias Horx gerade in einem Artikel der „Welt am Sonntag“ schrieb.

„Junge“ können biologisch alt sein, aber im Kopf jung. Und umgekehrt. Frauen mit 50 machen ihren Töchtern Konkurrenz. Die Grenzen lösen sich immer weiter auf und damit auch herkömmliche Bilder von Familie und Lebenswelten.

Der Werber-Rat

Nicht nur Modemarken leben davon, dass sie zu den Vorstellungen der Menschen passen. Gesellschaftliche Veränderungen finden in großen Zyklen statt, die nicht selten dazu führen, dass Dinge, die den Menschen wichtig sind, in veränderter Form wiederkehren. Weihnachten ist schon immer ein Fest der Familie gewesen.

Ein guter Moment, auch für Unternehmen, um den Menschen ins Zentrum zu stellen und Innovationen nicht ausschließlich aus der Perspektive der rationalen, technischen und wirtschaftlichen Machbarkeit zu betrachten. Was für ein Potenzial unterm Christbaum!

Die Autorin:

Uli Mayer-Johanssen ist Gründerin und Chefin der Markenagentur Meta-Design in Berlin. Sie ist eine von fünf Kolumnisten, die im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

 

  • 22.12.2012, 07:48 Uhrmietmaul

    oh gott da geht die gute werberin mit dem dampfplauderer zukunftsforscher einen bund ein,is es schon ein clan...

    vor allem in berlin sieht man die wiederkehr der familie, der kommune und der notgemeinschaft

    die wenigen gutverdiener verlaufen sich in ihren gemächern und die familienfreundliche wohnform 1 - 2 zimmerwohnung schafft glück

    aber wie wir von den sozialbehörden wissen landen immer mehr familien in hartz 4 und allgemein bekannt ist ebenso,daß das ungesicherte dasein vieler gut studierter "high potatoes" weder familie noch kinder erlauben.

    zum fest ein bischen hohn fürs konsumentenkariat,wenn unsrer kolumnistin die heilige famlie durch den kopf schwebt,aber nur die erinnerung an ochs und eselin bleibt

    frohes keinachten

  • Kommentare
Leitartikel: Mehr Mut, meine Herren!

Mehr Mut, meine Herren!

Das Scheitern der Vorstandsfrauen zeigt: Die Quote schadet mehr, als sie nutzt, findet Sven Prange. Eines ist aber auch klar: Innovation ist besser als Seilschaft und Vielfalt ist immer stärker als Monotonie.

Kommentar: Nie wieder Banken retten!?

Nie wieder Banken retten!?

Mit Steuermilliarden mussten Pleitebanken wie Northern Rock gerettet werden. Die heute gegründete Bankenunion soll das ein für alle Mal beenden. Uns Steuerzahlern werden Pleitebanken dennoch weiter auf der Tasche liegen.

  • Kolumnen
Was vom Tage bleibt: Ein Fass ohne Boden?

Ein Fass ohne Boden?

Die Ukraine wird gewaltige Milliardenbeträge brauchen, der Taxi-Service Uber darf nicht nach Berlin. Seat bekommt neue Modelle, Liechtenstein gibt sich reumütig und der Immobilienmarkt läuft heiß. Der Tagesrückblick.

Der Anlagestratege: Griechenland, eine Sisyphos-Arbeit

Griechenland, eine Sisyphos-Arbeit

Griechenland ist für die EU ein Dauerbrenner: Zwar stimmt seine Rückkehr auf den Kapitalmarkt hoffnungsfroh. Doch bleibt die Gefahr, dass der Krisenstaat erneut abstürzt. Deutschland hat schon Schwereres gemeistert.

Was vom Tage bleibt: VoRWEggehen ist teuer

VoRWEggehen ist teuer

RWE steckt in den Untiefen der Energiewende. Jogi Löws Herrenausstatter steckt in der Insolvenz. Ein Katastrophenfilm wird Wirklichkeit. Ein tschechischer Hotelier macht mobil gegen Russland. Der Tagesbericht.

  • Gastbeiträge
Gastbeitrag zur Bankenunion: „Feuer frei für alle Raubritter“

„Feuer frei für alle Raubritter“

Auf unseren Beitrag „Nie wieder Banken retten?!“ haben sich zahlreiche Leser gemeldet. Stellvertretend für viele andere schreibt der Vorstand einer Genossenschaftsbank, warum die Bankenunion die Falschen belastet.

Gastbeitrag Klaus Schuster: „Frauen bringen die Sache voran, Männer ihre Karriere“

„Frauen bringen die Sache voran, Männer ihre Karriere“

Klaus Schuster berät, coacht und trainiert Topmanager und junge Talente aller Branchen und Bereiche. In einem Gastbeitrag schreibt er über schlechtes Management und den kleinen Unterschied zwischen den Geschlechtern.

Gastbeitrag zur IWF-Tagung: Keine Angst vor der Fed

Keine Angst vor der Fed

Das absehbare Ende der Niedrigzinspolitik in den USA sorgt in den Schwellenländern für Unruhe. Doch es bietet auch Chancen. Wenn die Schwellenländer ihre Strukturprobleme lösen, wird die Weltwirtschaft stabiler.

  • Presseschau
Presseschau: KfW schrumpft für die Konkurrenz

KfW schrumpft für die Konkurrenz

Der Gewinn der Bank KfW ist im vergangenen Jahr eingebrochen. Hinter der vermeintlich schlechten Nachricht verbergen sich aber positive Signale. Die KfW schrumpft für die Konkurrenz. Die Wirtschaftspresse begrüßt das.