Der Werber-Rat

_

Der Werber-Rat: Wie die Manager ihr Image wechseln

Der moderne Mann setzt sich bewusst vom Typus des aalglatten Managers ab – indem er mit Bart, Brille und Hut sein Gesicht einrahmt. Ein Signal für den Wertewandel in der Gesellschaft. Doch was sind diese neuen Werte?

Ines Imdahl ist Psychologin und Inhaberin der Marktforschungsagentur Rheingold Salon.
Ines Imdahl ist Psychologin und Inhaberin der Marktforschungsagentur Rheingold Salon.

In den letzten Monaten war es nicht mehr zu übersehen: Immer mehr Männer tragen wieder Bart. Vollbart. Das gilt sowohl für die männlichen Models als auch für die Männer im realen Leben. Vor allem für die jungen. Zunehmend beliebt auch die passende Mütze. Neben der klassischen Baseballmütze finden sich auch Wollmützen bei sommerlichen Temperaturen - und Schirmmützen, die wir bis vor einigen Jahren nur bei Herren siebzig plus zu Gesicht bekommen haben.

Anzeige

Hat sich nun der modische Geschmack der Männer so drastisch verändert? Finden Frauen auf einmal Vollbärte schön? Jenseits aller modischen und geschmäcklerischen Fragen sagt das sich wandelnde Erscheinungsbild der Männer eher etwas über unsere Kultur aus. Denn die neuen Bärte verweisen auf einen Wertewandel. Die Bärte rahmen ebenso wie die Mützen und Hüte das Gesicht ein.

US-Schauspieler George Clooney trägt gerne Bart. Quelle: dpa
US-Schauspieler George Clooney trägt gerne Bart. Quelle: dpa

Noch vor zehn Jahren drückte ein Bart eher aus, sich hinter etwas verstecken zu wollen. Ein offenes und ehrliches Gesicht war glatt rasiert. Nun haben die aalglatten Manager an Akzeptanz verloren, spätestens seit der Finanz- und Euro-Krise. Der typische Karrieremann der Finanz- und Bankenwelt hatte aber auch ein typisches Aussehen. Und mit diesem Aussehen sind mittlerweile unbewusst auch bestimmte Werte verbunden: Egoismus, Habgier, Rücksichtslosigkeit. Um hier deutlich allen Missverständnissen vorzubeugen: Das soll nicht heißen, dass Männer mit bestimmtem, nach wie vor typischem Businessaussehen solche Werte vertreten! Aber der äußerliche Wandel in der Männermode verweist auf den Wunsch, neue Werte auch nach außen sichtbar zu machen. Diese Äußerlichkeiten haben also einen tieferen Sinn.

Was sind diese neuen Werte? Sehnsucht nach Sicherheit, Gemeinschaft und Verlässlichkeit stehen bei den Menschen in finanziell unruhigen Zeiten weit oben. Sich „wohlbehütet“ zu fühlen eben. Das findet Ausdruck in der häufiger werdenden Kopfbedeckung und der Einrahmung des Gesichts durch Bart und Brille. Diese Rundumabsicherung der Männer gefällt dann auch vielen Frauen. Auch sie sehnen sich nach Verlässlichkeit und möchten das auch manchmal offen zu Gesicht getragen sehen. So wird der Geschmack der Kultur letztlich von den gesellschaftlichen Werten beeinflusst.

Die Autorin:

Ines Imdahl ist Psychologin und Inhaberin der Marktforschungsagentur Rheingold Salon. Sie ist einer von fünf Kolumnisten, die im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

  • 07.05.2013, 18:12 Uhrbeilaeufig_gesprochen

    Es gibt keine neuen Werte on Top.
    Nichteinmal alte mehr.
    Es gibt Darwin für Erstklässler.
    Und gut.

  • 07.05.2013, 17:46 Uhrbtw

    Manager wechseln das Image anderer
    Als Manager selbst bleibt man besser beraten zu managen statt ein verhärmtes Image verkörpern zu wollen.

    Die meisten Manager sind hoffnungslos eitel: sie müssen es selbst und selbst ausgedacht besser wissen müssen.

    Managementkulturen: meist wenig mehr als Schütze Arsch.

  • 07.05.2013, 17:38 UhrMaBuSe_1

    Pardon, aber wieso lässt sich aus dem Trend zum Bartwuchs ein Sicherheitsbedürfnis ablesen? Ist der gut rasierte Mann nicht eher in der Lage, sich den Gefahren entgegen zu stellen? Was haben Brille und Gemeinschaftsbedürfnis gemeinsam? Gemeinsam korrigierte Weltsicht?

    Offensichtlich ist der Trend zum Bart - aber man könnte genauso Müdigkeit und Sehnsucht zur Entschleunigung unterstellen. Ich finde Frau Imdahl hat dies weder untermauert noch genau beobachtet. Nicht feuilletonwürdig geschweige denn dem Handelsblatte würdig.

  • Kommentare
Kommentar: Nie wieder Banken retten!?

Nie wieder Banken retten!?

Mit Steuermilliarden mussten Pleitebanken wie Northern Rock gerettet werden. Die heute gegründete Bankenunion soll das ein für alle Mal beenden. Uns Steuerzahlern werden Pleitebanken dennoch weiter auf der Tasche liegen.

Kommentar: Ruandas Boom hat seinen Preis

Ruandas Boom hat seinen Preis

Ruanda gilt 20 Jahre nach dem Völkermord als Afrikas Vorzeige-Ökonomie. Hohes Wachstum, moderne Infrastruktur, niedrige Kriminalität – das Land macht eine erstaunliche Entwicklung durch. Doch die hat ihre Schattenseiten.

  • Kolumnen
Der Ver(un)sicherer: Wenn das Kollektiv implodiert

Wenn das Kollektiv implodiert

Wer eine private Krankenpolice hat, muss mit steigenden Beiträgen rechnen. Tarife mit einem hohen Anteil gesunder Mitversicherter sind dabei kostengünstiger. Was Versicherten in schlechten Tarifen droht.

Der Werber-Rat: Rasenmähen mit Monogramm

Rasenmähen mit Monogramm

Viele Kollegen glauben, unser Berufsstand werde unter Wert verkauft. Ich aber bin von ganzem Herzen Werber, denn es ist ein wunderbarer Job, in dem man viel bewegen kann. Was den Reiz des Berufes ausmacht.

Der Werber-Rat: Die beiden Seiten des Kekses

Die beiden Seiten des Kekses

Eine US-Kekswerbung, die unkonventionelle Familienkonzepte zeigt, sorgt derzeit für Erregungspotenzial. Wenn Werbung Shitstorm und zugleich eine Begeisterungswelle auslöst, muss sie wohl einen Nerv getroffen haben.

  • Gastbeiträge
Gastbeitrag zur Bankenunion: „Feuer frei für alle Raubritter“

„Feuer frei für alle Raubritter“

Auf unseren Beitrag „Nie wieder Banken retten?!“ haben sich zahlreiche Leser gemeldet. Stellvertretend für viele andere schreibt der Vorstand einer Genossenschaftsbank, warum die Bankenunion die Falschen belastet.

Gastbeitrag Klaus Schuster: „Frauen bringen die Sache voran, Männer ihre Karriere“

„Frauen bringen die Sache voran, Männer ihre Karriere“

Klaus Schuster berät, coacht und trainiert Topmanager und junge Talente aller Branchen und Bereiche. In einem Gastbeitrag schreibt er über schlechtes Management und den kleinen Unterschied zwischen den Geschlechtern.

Gastbeitrag zur IWF-Tagung: Keine Angst vor der Fed

Keine Angst vor der Fed

Das absehbare Ende der Niedrigzinspolitik in den USA sorgt in den Schwellenländern für Unruhe. Doch es bietet auch Chancen. Wenn die Schwellenländer ihre Strukturprobleme lösen, wird die Weltwirtschaft stabiler.

  • Presseschau
Presseschau: KfW schrumpft für die Konkurrenz

KfW schrumpft für die Konkurrenz

Der Gewinn der Bank KfW ist im vergangenen Jahr eingebrochen. Hinter der vermeintlich schlechten Nachricht verbergen sich aber positive Signale. Die KfW schrumpft für die Konkurrenz. Die Wirtschaftspresse begrüßt das.