Wertloses Eigenkapital
Nortel: Mit prallem Geldsäckel in die Pleite

Nortel ist pleite – obwohl die kanadische Technologiegruppe liquide Mittel über 2,4 Mrd. Dollar in ihrer Bilanz aufweisen kann. Jetzt den Insolvenzantrag zu stellen, während die Firma Cash verbrennt, erlaubt es ihr allerdings, eine kostspielige Finanzierung zu umgehen. Andere Unternehmen sollten aufhorchen.

Die Taschen von Nortel mögen zwar mit 2,4 Mrd. Dollar an liquiden Mitteln prall gefüllt sein, aber der kanadische Telekomausrüster ist dennoch pleite. Jetzt den Konkursantrag zu stellen, während sie Cash verbrennt, erlaubt es der Firma allerdings, einen teuren Finanzierungsplan zu umgehen, den ein in Zahlungsschwierigkeiten geratenes Unternehmen, das als so genannter debtor in possession selbst die Insolvenzmasse verwaltet, bei einer Umstrukturierung nach Chapter 11 der US-Konkursordnung dem Gericht unterbreiten muss. Andere angeschlagene, aber mit reichlich Liquidität ausgestattete Unternehmen wie General Motors sollten aufhorchen.

Nortel hat einen tiefen Sturz hinter sich. Im Jahr 2000 lag die Marktkapitalisierung der Kanadier bei fast 300 Mrd. Dollar. In den Abgrund gestolpert ist die Firma letztendlich wegen Zinszahlungen über lediglich 107 Mill. Dollar, die in dieser Woche fällig gewesen wären.

Seltsamerweise mag die Schuldenlast von Nortel auf den ersten Blick gar nicht so schwer erscheinen. Das Unternehmen blickt auf Schuldtitel und Verbindlichkeiten aus einem Pensionsplan, die nicht durch ein Sondervermögen gedeckt sind, über rund 6,5 Mrd. Dollar. Aber man muss das Tempo bedenken, in dem die Firma Geld verbrennt. Betriebsverluste und Investitionen haben in den ersten neun Monaten des Jahres mehr als 600 Mill. Dollar in Brand gesteckt - und zwar bevor es mit der Nachfrage nach Telekomausrüstungen im vierten Quartal steil bergab ging. Dies dürfte ohne Zweifel den Brand nur noch weiter beschleunigen.

Unglücklicherweise beschränken sich die Probleme von Nortel nicht nur auf den Nachfrageeinbruch. Die Aufträge für ihre Mobilfunkausrüstungen, die sich auf die veraltete CDMA-Technologie stützen, trocknen aus. Und die Chancen, dass sich die Wette der Firma auf WiMax, den kabellosen Breitband-Standard der nächsten Generation, auszahlt, stehen mit jedem Tag schlechter. Also dürften sich die Verluste der Firma mit Sicherheit noch eine Zeit lang fortsetzen.

Und daher ist das Eigenkapital des Unternehmens wertlos. Darüber hinaus braucht Nortel rund 1,5 Mrd. Dollar an Cash, um ihr Geschäft in Gang zu halten. Und heutzutage ist eine debtor-in-possession-Finanzierung extrem kostspielig. Wenn die Aktieninvestoren bereits abgefertigt sind, dann muss das Unternehmen seiner Sorgfaltspflicht gegenüber den Anleiheinhabern nachkommen. Zwar erscheint der Geldberg des Unternehmens beträchtlich zu sein, aber Nortel muss sich wahrscheinlich sputen, wenn die Firma vermeiden will, für eine debtor-in-possession-Finanzierung zu zahlen, bei der für die bestehenden Gläubiger ein happiger Sicherheitsabschlag fällig wäre.

Während dies nun nicht der erste Fall ist, bei dem ein Unternehmen, das gut bei Kasse ist, das Handtuch wirft - mehrere Fluggesellschaften haben es bereits vorgemacht -, so lassen der intensive wirtschaftliche Abschwung und die klammen Bedingungen auf den Kreditmärkten derart aktiv angepackte Konkursverfahren jetzt allerdings sinnvoller erscheinen. Manchmal ist es besser zu springen, als gestoßen zu werden.

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