Weserbank
Die erste Letzte Ölung

Die Kreditkrise hat ihr erstes Opfer gefordert: Die Weserbank, die als genossenschaftliche Kooperation von Fleischern und Viehhändlern angefangen hatte, und zu den kleineren privaten Banken Deutschlands gehört. Ihr Abgang beweist, dass - trotz großzügiger Regierungen – einige Banken tatsächlich ans Messer geliefert werden. Das ist gut so. Die Märkte müssen daran erinnert werden, was wirklich auf dem Spiel steht.

Es sah schon fast so aus, als würde es nie passieren. Aber jetzt ist schließlich doch eine Bank unter dem Druck der Kreditkrise zusammengebrochen – oder sagen wir, man hat ihren Niedergang zugelassen. Die deutsche Finanzaufsicht hat die Weserbank am 9. April angewiesen, ihre Pforten zu schließen, nachdem der Wertverlust bei Floating Rate Notes die Bilanz des kleinen privaten Kreditinstituts schwer in Mitleidenschaft gezogen hat. Die 1912 als genossenschaftliche Kooperation von Fleischern und Viehhändlern gegründete Weserbank hat offensichtlich den falschen Zeitpunkt für ihre Umwandlung von der „Viehmarktbank“ in eine Investmentbank gewählt. Die verbleibenden Vermögenswerte über 120 Mill. Euro wurden im Zuge eines Moratoriums eingefroren.

Der Konkurs setzt dem Trend der regierungsgestützten Rettungsaktionen ein Ende. Die Regierung in Berlin hat bereits die Rettung der IKB, der SachsenLB und der WestLB arrangiert. Die US-Notenbank Federal Reserve hat für JPMorgan das Sicherheitsnetz gespannt, um die Investmentbank Bear Stearns in ihrem Absturz aufzufangen. Gordon Brown, der britische Premier, hat sich des Immobilienfinanzierers Northern Rock angenommen. Und die Regierungen von Ländern aus dem Mittleren Osten und China haben der Citigroup, der UBS und anderen mit Milliarden von Dollar aus ihren Staatsfonds unter die Arme gegriffen.

Deshalb kann man leicht verstehen, dass auch die Weserbank vielleicht erwartet hat, in ähnlicher Weise vor dem Untergang bewahrt zu werden – von wem auch immer. Der Weserbank-Chef Gerold Lehmann reagierte auf das Ausbleiben einer Rettung verständlicherweise mit Verzweiflung. Der Nachrichtenagentur Reuters sagte er, statt zu helfen, habe man ihn vor den Kopf gestoßen.

Diese Reaktion zeigt nur, wie weit die moralische Gefährdung, das eigene Verhalten nach dem scheinbaren Wegfall eines Risikos zu ändern, schon gediehen ist. Zweifellos hat das Verhätscheln rücksichtsloser Banken auch bei vielen anderen auf der ganzen Welt ein Gefühl der Erleichterung und möglicherweise gar der Selbstgefälligkeit entstehen lassen. Aber das Schicksal der Weserbank sollte ihnen allen einen richtigen Schlag versetzen. Die Banker und Investoren müssen nachdrücklich daran erinnert werden, was wirklich auf dem Spiel steht, wenn sie schlechte Entscheidungen treffen und sich mit Risiken überladen. Diese Letzte Ölung mag die erste der Kreditkrise gewesen sein, aber sicher nicht die letzte.

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