Wessen Kredit ist es eigentlich?
Chinas Kreditorgie schafft Banken-Zombies

Peking will Bankkredite über 1,3 Billionen US-Dollar lieber in öffentliche Arbeiten fließen sehen als in Aktien oder Immobilien. Kreditgebern bringen solch honorige Projekte allerdings eher faule Darlehen ein. Chinas große Banken werden daran wohl nicht zugrunde gehen, aber die aussichtslosen Kredite könnten noch viele Jahre die Gewinne belasten.
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China hat es geschafft, den Jangste-Fluss einzudämmen, doch die Umleitung von Finanzströmen könnte problematischer werden. Chinas Banken haben im ersten Halbjahr Kredite über 1,1 Billionen US-Dollar vergeben, bis zum Jahresende dürfte das Volumen auf 1,3 Billionen US-Dollar ansteigen. Das entspricht dem Bruttoinlandsprodukt Indiens. Die Nebenwirkungen des zügellosen Kreditwachstums könnten das noch unreife chinesische Bankensystem auf Jahre hinaus belasten.

Die Banken vergeben Kredite, weil die Zentralregierung es ihnen sagt. Rund die Hälfte des Geldes floss an lokale Verwaltungen, zur Finanzierung von Infrastrukturprojekten wie Straßen, Schulen oder öffentlichem Wohnungsbau. Das schafft Arbeitsplätze, Lohneinnahmen und Konsumausgaben. Der Rest wurde für Investitionen von Firmen genutzt, und für die Finanzierung von Lagerbeständen und Außenständen, die durch den plötzlichen Absturz der Exporte stark angestiegen waren.

Noch beschweren sich die Banken nicht. Dank vorgeschriebener Zinssätze können Kredite mit einer dreiprozentigen Gewinnspanne vergeben werden. Es gibt aber zwei Probleme.

Das Problem der Regierung ist kurzfristiger Natur. Zu viel des neuen Geldes fließt in Finanzanlagen. Die Börse von Schanghai liegt in diesem Jahr bislang mit 85 Prozent im Plus, und neu notierte Aktien verdoppelten sich am ersten Handelstag. Um eine Blase epischen Ausmaßes zu verhindern, haben die Regulatoren verschiedene Pläne ersonnen, die Kredite in die "Realwirtschaft" umzuleiten. Das zuletzt mehr langfristige Darlehen vergeben wurden, deutet einen Erfolg der Maßnahmen an. Es es aber schwer, durch leicht verfügbares Geld ausgelöstes spekulatives Verhalten zu stoppen.

Die Probleme der Banken werden später auftreten, wenn die Kredite faul werden. Erzwungene Kreditvergabe ist selten klug. Wenn die globale Erholung nicht sehr schnell kommt, wird vieles der neu finanzierten Lagerbeständen nie zum vollen Preis verkauft werden. Anlageblasen werden am Ende platzen, und Infrastruktur-Kredite können trotz impliziter Staatsgarantien in Schwierigkeiten geraten, wenn die Kosten zu hoch und die Gebühren zu niedrig sind.

Glücklicherweise sind die großen chinesischen Banken gut genug kapitalisiert, um ein hohes Maß an Schmerzen zu ertragen. Das als übliche Kennzahl für die Solvenz einer Bank dienende Verhältnis von Eigenkapital zu Sachanlagen lag bei den drei größten chinesischen Instituten ICBC, Bank of China und China Construction Bank per Jahresende zusammengenommen bei 6,3 Prozent. Das ist viel höher als bei westlichen Banken vor dem Eintritt der Finanzkrise.

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