West LB
Wer zuerst blinzelt, hat verloren

Lehman ließ man untergehen und hat die Lehre daraus gezogen. Die britische Regierung schob 2008 der RBS und HBOS in letzter Sekunde insgeheim Geld zu. Und als die WestLB-Eigentümer aus dem Sparkassenlager damit drohten, die Bank im Stich zu lassen, sagte die Bundesregierung „Nein“. Die Gefahr des Zusammenbruchs einer großen Bank wirkt wie ein Weckruf.
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Um alle aus dem Dornröschenschlaf zu wecken, gibt es kein besseres Mittel als die Gefahr, dass eine große Bank schließen muss. Im Fall Lehman Brothers hatte das US-Finanzministerium ein katastrophales Kräftemessen darum an den Tag gelegt, wer zuerst einen Rückzieher macht. In der Folge wurde dies als Anregung zu einer Politik des äußersten Risikos genommen: Wer zuerst blinzelt, hat verloren. Dies wurde erst wieder in dieser Woche durch einen in letzter Sekunde erfolgten Lidschlag der Behörden in Deutschland und durch Berichte aus Großbritannien über panikgetriebenes Einlenken dicht am Abgrund bestätigt.

Am Dienstag sah es so aus, als würde die WestLB für tot erklärt. Die Eigentümer der Bank aus dem Sparkassenlager hatten wissen lassen, sie würden sich gern von dem unterkapitalisierten Institut zurückziehen. Doch da die Staatsgarantien für toxische Vermögenswerte bald auslaufen, kam Berlin zu Hilfe. Die Bundesregierung entwarf einen Plan, der nicht nur die Mehrheitseigner dazu zwingt, einen Beitrag zur Rettung der WestLB zu leisten, sondern der auch dazu führt, dass sie im kommenden Jahr ihre Mehrheit abgeben müssen.

Die WestLB wird 85 Mrd. Euro an Übernahme- und Flugzeugfinanzierungen und anderen Vermögenswerten, die nicht mehr länger zum Kernbereich gezählt werden, in eine "Bad Bank" auslagern. Um diese zu stützen, werden der staatliche Rettungsfonds Soffin drei Mrd. Euro und die Sparkassen eine Mrd. Euro beisteuern. Im Ergebnis führt dies zu einem Mittelsstands- und Infrastrukturfinanzierer in besserer Verfassung. Die WestLB verfügt damit über Vermögenswerte von 200 Mrd. Euro, ihre Tier 1-Kapitalquote verdoppelt sich auf 10,9 Prozent und sie hat Aussichten auf eine verbesserte Bonitätsbewertung.

Das heißt nicht, dass die Bank damit über den Berg ist. Die Bundesbank geht davon aus, dass die Kreditinstitute in Deutschland beträchtlich mehr Kapital benötigen. Und nach der Einschätzung von Analysten muss die WestLB möglicherweise weitere drei bis vier Mrd. Euro an Kapital auftreiben. Kein Wunder, dass die regionalen Banken sich aus diesem Schlammassel befreien wollten.

Aber die Möglichkeit eines Scheiterns der WestLB hatte die Kreditspreads aller deutschen Banken beeinträchtigt und lastete sogar auf dem Euro. Die WestLB ist zwar bedeutend kleiner als Lehman es war, aber ihr Niedergang war offenkundig undenkbar.

Die jüngste Rettungsaktion in Deutschland fiel zeitlich mit neuen Enthüllungen über die extremen Schritte zusammen, die die Bank of England unternommen hatte, als die Royal Bank of Scotland und die HBOS vor einem Jahr kurz davor standen, ihre Bankautomaten abzuschalten. Die britische Zentralbank warf jegliche Skrupel hinsichtlich der Transparenz über Bord und lieh den beiden Banken insgeheim 62 Mrd. Pfund Sterling.

Zum Scheitern zu groß ist zu einer grellen, überdeutlichen Realität geworden. Die Regierungen müssen dafür sorgen, dass sie in das Spiel "Wer zuerst blinzelt" nicht mehr hineingezogen werden.

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