Wiebes Weitwinkel
Bitte mehr Kapitalismus!

Das Konzept des Shareholder Value ist zurzeit nicht gerade in Mode. Aktionärsnutzen über alles? Das passt nicht gut in die Zeiten der Finanzkrise. Man redet lieber über Stakeholder Value: Alle, auch Mitarbeiter Kunden, der Staat usw. sollen irgendwie glücklich werden. Dieser soziale Touch, mit dem man sich vor der Krise eher als Weichei entlarvt hat, kommt im Moment viel besser an.

Wenn man sich darauf besinnt, was Shareholder Value ursprünglich hieß und wie das Konzept entstanden ist, zeigt sich, dass diese Idee heute vielleicht berechtigter ist als je zuvor.

Es ging ursprünglich nicht um schnelle Kursgewinne, sondern um den langfristigen Nutzen für den Aktionär. Es ging tatsächlich darum, "Value", also Wert, zu schaffen. Es ging darum, Top-Manager darauf zu verpflichten, dass sie den nachhaltigen Ertrag des Unternehmens stärken, statt zum Beispiel allein auf den Umsatz zu schauen oder über unrentable Zukäufe den eigenen Machtbereich auszubauen. Shareholder Value war ein Konzept, um Manager auf eine vernünftige Linie zu bringen. Damit verbunden war die Hoffnung, dass ein Unternehmen, das Werte schafft, letztlich auch den anderen Stakeholdern, zum Beispiel den Mitarbeitern, nützt. Was aber ist in den letzten Jahren passiert, und was hat die Finanzkrise ausgelöst? Mit Sicherheit nicht der Versuch, langfristig Werte für die Aktionäre zu schaffen. Sondern der starre Blick zu vieler Manager und Händler auf Boni oder Aktienoptionen. Beispiel Banken: Die Boni fließen oft stabiler als die Gewinne, die Manager verabschieden sich mit goldenen Fallschirmen - die Aktionäre ohne. Gefährlich war auch die Versuchung, sich mit allzu billigen Krediten an zu großen Übernahmen zu verheben - siehe Porsche und Schaeffler.

Die Finanzkrise zeigt also drastisch, wie wichtig es ist, die Interessen aller Aktionäre gegenüber der Gier und den Machtgelüsten der Manager - und manchmal auch einzelner Großaktionäre - zu schützen. Genau das ist aber das Konzept des Shareholder Values. Der Gedanke lässt sich noch weiter spinnen: Der Clou des Kapitalismus? ist die optimale Verwertung des Kapitals. Aber auch dieses Prinzip wird unterminiert, wenn Manager zu sehr ihre privaten Ziele verfolgen. Wir brauchen also nicht nur mehr Shareholder Value, sondern auch mehr Kapitalismus.

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