Wiebes Weitwinkel
Gerlach und kein Ende

Zwischen dem bekannten Anlegerschützer Heinz Gerlach und seinen Kritikern besteht eine seltsam symbiotische Beziehung. Das war schon vor 20 Jahren so. Und so ist es auch heute noch. Eine unendliche Geschichte.
  • 0

Vor rund 20 Jahren bekam ein Kollege von mir einen angeblichen Vertrag zwischen dem bekannten Anlegerschützer Heinz Gerlach und dem nicht weniger bekannten Anwalt (und zeitweiligen Schreinemakers-Gatten) Werner Klumpe zugespielt. In dem „Vertrag“ war geregelt, dass Gerlach Anbieter auf dem grauen Kapitalmarkt mit seinen Publikationen unter Druck setzt, damit die sich von Klumpe bei der Abfassung ihrer Prospekte beraten lassen; Gerlach bekäme die Hälfte des Honorars.

Ich rief damals einen älteren, sehr erfahrenen Kollegen an. Der meinte: „Wahrscheinlich ist was dran. Aber man hilft den falschen Leuten, wenn man Gerlach angreift.“ Er hatte recht.

Wir haben uns damals mit Gerlach im Foyer des Kölner Dom-Hotels getroffen. Wir waren zu zweit, er kam zu fünft („Ich achte immer darauf, dass wir in der Überzahl sind“). Er sah sich den Vertrag kurz an und sagte: „Das ist eine Fälschung. Glauben Sie, ich wäre so blöd, so etwas schriftlich zu machen?“

Einer der Verbreiter des „Vertrags“ landete später im Knast. Aber die Vorwürfe, Gerlach setze Anbieter unter Druck, und sei es nur, damit sie kiloweise seine Publikationen abonnieren, rissen nie ab. Sie stammten auch von Leuten, die nicht als unseriös bekannt sind – nur der Nachweis blieb immer wieder aus.

So lief die Geschichte weiter: Gerlach, der wackere Ritter, der in einer Art symbiotischer, aber letztlich ungeklärter Beziehung zu seinen Feinden steht. Einmal besuchte ich ein Seminar, das Gerlach für Vertriebsleute organisiert hatte. Zu meinem Erstaunen bekamen die Leute dort eingebläut, sie sollten ihre Kunden nicht beraten, sondern unter Druck setzen, möglichst schnell zu unterschreiben.

Vor kurzem hat eine Gruppe von Gerlach-Kritikern ein Urteil des Bundesgerichtshofs herumgeschickt. Es hat zwar mit Gerlach direkt nichts zu tun. Aber die Richter befinden dort, dass Anlageberater zwar die große, seriöse Presse bei ihrer Beratung berücksichtigen müssen – aber nicht alles, was über ihre Produkte geschrieben wird. Daher auch nicht das, was Gerlach schreibt, meinen die Kritiker und frohlocken.

Diese Leute betreiben eine Website. Ganz interessant eigentlich – aber das Impressum fehlt, sie sind anonym. So bleibt es eine unappetitliche, unendliche Geschichte...

Ergänzung durch die Redaktion:
Zu vorstehender Veröffentlichung ist zu ergänzen, dass nach Mitteilung von Herrn Rechtsanwalt Werner Klumpe, Köln, sowohl das Landgericht Köln in seinem Strafurteil gegen den Verbreiter des "Beuteteilungsvertrags" als auch die Staatsanwaltschaft Köln seinerzeit übereinstimmend zu dem Ergebnis gelangt sind, dass es sich bei dem "Beuteteilungsvertrag" um eine Fälschung gehandelt hat. Zur im Vertrag niedergelegten angeblichen Vorgehensweise, dass Herr Gerlach Anbieter auf dem grauen Kapitalmarkt unter Druck setze, damit diese sich von Rechtsanwalt Klumpe bei der Abfassung ihrer Prospekte beraten lassen, ist die Staatsanwaltschaft Köln nach umfangreichen Ermittlungen zu dem Ergebnis gelangt, dass sich diese - so wörtlich - "Tatsachenbehauptung als unzutreffend herausgestellt und die daraus hergeleiteten Vorwürfe als haltlos erwiesen" haben.

Kommentare zu " Wiebes Weitwinkel: Gerlach und kein Ende"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%