Wiebes Weitwinkel
Komplizierte Wetten

Die Finanzkrise hält Banken nicht davon ab, ihren Kunden komplizierte Wetten zu verkaufen. Dahinter steckt ein Problem: Die Banken müssen ihre Risiken absichern. Und das geht manchmal nur mit Hilfe der Kunden...
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Lesen Sie mit: „Der Kunde erwartet, dass ausgewählte hoch verzinsliche Währungen gegenüber einer neutralen Basiswährung (z. B. US-Dollar) weniger abwerten und ausgewählte niedrig verzinsliche Währungen weniger aufwerten als der Währungsterminkurs impliziert (...). Diese Erwartungen möchte der Kunde spekulativ in einem strukturierten Swap ohne anfänglichen Kapitaleinsatz umsetzen.“

Kennen Sie einen Privatkunden, der so etwas tatsächlich erwartet und umsetzen möchte, ohne dass es ihm vorher jemand eingeredet hat? Das Produkt heißt „DB Balanced Currency Harvest Index Swap“ und wurde vor knapp einem Jahr verkauft, also nach Ausbruch der Finanzkrise. Positiv muss man anmerken, dass die Risiken genau erläutert sind. Und dass sie nach Angaben der Bank begrenzt sind – bei einigen Produkten, die vor der Finanzkrise zum Beispiel auch an deutsche Kommunen verkauft wurden, war das nicht der Fall.

Trotzdem zeigt das Beispiel: Die Finanzkrise hält Banken nicht davon ab, ihren Kunden komplizierte Wetten zu verkaufen. Und das, obwohl sie eine fundamentale Annahme, mit der sich diese Produkte rechtfertigen ließen, beseitigt hat: den Glauben, dass Investoren im Großen und Ganzen nur die Risiken übernehmen, die sie auch verkraften können – und dass in den Märkten auch nur solche Risiken landen, die die Märkte verdauen können. Hält man diese These für richtig, dann kann man jedem alles verkaufen, solange man es richtig erklärt. Hält man diese These aber für falsch, dann erwächst daraus eine weitergehende Verantwortung: Banken sollten nur das verkaufen, wovon sie sicher sind, dass es Kunden und Märkten bekommt.

Aber die Banken haben ein Problem – jedenfalls die, die in größerem Stil das Investment-Banking betreiben. Sie sichern Firmenkunden und Investoren gegen Marktschwankungen ab, das gehört zu ihrem Kerngeschäft. Nach Möglichkeit machen sie das so, dass sich die verschiedenen Sicherungsbedürfnisse gegenseitig ausgleichen. Aber das passt natürlich nie hundertprozentig zusammen. Und den Rest muss man dann entweder in die eigenen Bücher nehmen – aber das tut eine vorsichtige Bank nicht. Oder ein Produkt daraus machen und dem Privatkunden einreden, dass er genau das gerade jetzt braucht. So kommen komplizierte Angebote zustande – sie ergeben sich aus dem Geschäftsmodell der Bank.

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