Wiebes Weitwinkel
So könnte ein echter Schuldenschnitt aussehen

Falls doch ein Staat der Euro-Zone pleitegeht, wird das sehr plötzlich kommen und nicht nach Drehbuch ablaufen. Gerade deswegen sollten wir uns darauf vorbereiten.
  • 7

Stellen wir uns Folgendes vor: Pigland, ein Staat der Euro-Zone, bekommt keinen Kredit mehr, die anderen Euro-Länder und der IWF können oder wollen nicht einspringen. Welche Optionen hat Piglands Regierung?

Option eins: Die Regierung erklärt sich für zahlungsunfähig. Sie bietet allen Besitzern ihrer Staatsanleihen an, die Papiere mit einem Abschlag von 30 Prozent gegen neue zu tauschen, die wieder ordentlich bedient werden. Vielleicht werden die neuen Papiere von der Europäischen Union garantiert - wenn nicht, muss der Abschlag höher sein.

Der Vorteil dieser Variante: Der Euro bleibt erhalten. Der Nachteil: Piglands Exporteure werden so nicht wettbewerbsfähiger.

Option zwei: Pigland erklärt, dass alle Verträge nach pigländischem Recht rückwirkend ab null Uhr vom normalen Euro auf P-Euro umgestellt werden. Für Staatsanleihen, die nach ausländischem Recht begeben wurden (falls es die gibt), erklärt sich die Regierung für zahlungsunfähig, bietet aber den Umtausch zum Nennwert in P-Euro-Papiere an. Die Verantwortung für den P-Euro liegt bei der CPB (Central Pig-Bank). Der Vorteil: Das Land gibt seinen Wechselkurs frei und hilft so seinen Exporteuren. Der Nachteil: Die Währungsunion bricht auseinander.

Option drei: So ähnlich wie Option zwei, nur dass die Verantwortung für den P-Euro bei der Europäischen Zentralbank bleibt und die sich verpflichtet, jederzeit P-Euro mit einem Abschlag von 30 Prozent in normale Euro umzutauschen. Der Vorteil hier: Die beiden Euro ließen sich anschließend wieder zusammenführen.

Alle drei Varianten würden Chaos an den Märkten auslösen. Die Juristen hätten im Nachgang wahrscheinlich eine Menge zu tun. Politische Gründe sprechen eher gegen ein Vorgehen dieser Art. Aber die Märkte scheinen ja mit irgendetwas in dieser Richtung zu rechnen, wie die Turbulenzen dort zeigen.

Und es gibt genau drei Punkte, an denen es gefährlich wird: Wenn der deutsche Steuerzahler nicht mehr mitspielt, wenn die Bürger von Pigland die harten Auflagen der EU nicht mehr akzeptieren oder wenn die Märkte Deutschland und der EU nicht mehr zutrauen, für alle Pigländer tatsächlich einstehen zu können. Alle drei Punkte sind schon zu spüren.

Fazit: Wenn die Pleite kommt, wird es schnell und schmutzig abgehen. Wir sollten uns darauf vorbereiten, wenn auch vielleicht nicht mehr als nötig darüber reden.

Und noch etwas: Im Moment retten wir, wie Irland zeigt, im Endeffekt doch nach Vollkaskoprinzip. Wir verunsichern aber gleichzeitig die Märkte, indem wir ständig über eine Beteiligung der Investoren an Staatspleiten irgendwann am Sankt Nimmerleinstag reden. So werden die Rettungen aber nur noch teurer.

Von diesem Verfahren profitieren vor allem Spekulanten. Will nicht jemand einen Hedge-Fonds mit mir zusammen gründen? Ich übernehme gern die PR-Arbeit, es ist zurzeit so leicht, lukrative Gerüchte zu streuen ...

Kommentare zu " Wiebes Weitwinkel: So könnte ein echter Schuldenschnitt aussehen"

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  • Aus dem Euro wird über die iWF-SDRs der WCU World Currency Unit. Für den können über den iWF beliebig viele FSF wie die EFSF elektronisch gebucht werden.
    Wie erklären Sie sich das Joschka Fischers (heute berater Albright) Staatssekräter i.A. Schröder (heute berater Rothschild) - nach seinen CDU Vorgängern - durch seine Unterschrift für 1 Mrd. Euro Steuergelder für U-boote an israel verschenkt, die in Deutschland zum Abschuss von Atomraketen umgerüstet wurden?

  • [5] Voltaire,
    und was soll unsere A. Merkel machen mit den Währungsreserven die in den verschiedene Länder gehalten werden?

  • Der Währungsschnitt kommt. Hier schon mal mein Entwurfsschreiben an unsere bundeskanzlerin A. Merkel, über dessen inhalt sie frei verfügen kann. Ansprüche auf geistiges Eigentum von meiner Seite werden nicht erhoben.

    berlin, [Datum heute]

    Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger.

    ich darf ihnen heute die freudige Mitteilung machen, dass Sie unsere DM zurück bekommen.

    Die alten „neuen“ Geldscheine werden ihnen zusammen mit dem Münzgeld über die banken im Laufe der nächsten vierzehn Tage gegen die in ihrem Privatbesitz befindlichen Euro-Geldscheine und Euro-Münzen im Verhältnis 1,95583 EUR = 1 DM bis zu einem betrag von 5.000 EUR zurück getauscht.

    (Spar)Guthaben sowie Sichteinlagen mit Stichtag [Datum gestern] werden ihnen im Verhältnis 1,95583 EUR = 1 DM bis zu einem betrag von 10.000 EUR und darüber hinausgehende Geldbeträge im Verhältnis 19,5583:1 (19,5583 EUR = 1 DM ab 10.000 EUR) von ihrer bank auf bestehenden inländischen Konten verrechnet.

    Des Weiteren verkünde ich in Ausübung meiner Vollmacht unter Maßgabe GG Art. 15, dass Gold- und Silberbesitz verboten ist und dass jeder solche Münzen, Anlagemünzen oder anderen Gold- und Silberbesitz innerhalb von vierzehn Tagen bei amtlichen beauftragten der bundesregierung gegen Erstattung zum offiziellen Preis in offiziellen Zahlungsmitteln der Regierung abzuliefern hat.

    Alle Tresorfächer in banken oder Geldinstituten sind versiegelt worden und warten auf bevorstehende gesetzliche Maßnahmen. Mithin ist jeder Verkauf, Ankauf oder die bewegung von solchem Gold oder Silber innerhalb der Grenzen der bundesrepublik Deutschland und ihrer Gebiete verboten, sowie jedes Devisengeschäft und jede bewegung von solchen Metallen über die Grenze.

    Der besitz dieser verbotenen Metalle sowie die Unterhaltung eines Schließfachs für deren Lagerung ist der Regierung durch die bank- und Versicherungsunterlagen bekannt. Es wird darauf hingewiesen, dass ihr Schließfach versiegelt bleiben muss und nur in Anwesenheit eines Vertreters des Finanzamtes geöffnet werden darf.

    Das Schengener Abkommen ist bis auf Weiteres ausgesetzt.

    Weitere Weisungen folgen in Kürze.


    ihre bundeskanzlerin

    Dr. Angela Merkel

    Nach Diktat verreist.

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