Wiebes Weitwinkel
Über die Hoffnung, die von der Grünen Insel kommt

Wenn die Anglo Irish Bank tatsächlich abgewickelt wird, setzt das ein Zeichen für die weltweite Finanzbranche: Die Politik bleibt nicht für alle Zeiten erpressbar.
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Auf den ersten Blick ist es alles andere als erfreulich, wie sehr Irland unter der Last seiner gescheiterten Finanzbranche leidet. Und die Tatsache, dass die Anglo Irish Bank, ein bedeutendes Geldhaus auf der Grünen Insel, wahrscheinlich komplett abgewickelt werden soll, klingt nicht nach einer guten Nachricht.

Und doch zeigt sich wenigstens hier, dass eine Krise auch eine Chance sein kann, neue Strukturen zu schaffen. Denn das größte Problem der internationalen Finanzbranche ist, dass die meisten Banken als zu wichtig gelten, um sie scheitern zu lassen. Das gilt vor allem für national bedeutende Institute. Während in den USA wenigstens kleine Institute reihenweise abgewickelt wurden, sind in Europa in der Finanzkrise fast alle vom Staat aufgefangen worden, die es nötig hatten.

Der deutsche Gesetzgeber hat zum Glück schon gehandelt und vor kurzem ein eigenes Insolvenzrecht für Banken verabschiedet. In anderen Staaten laufen ähnliche Bemühungen. Aber die Gefahr ist ja, dass ein Gesetz geschaffen und dann im Falle eines Falles doch nicht angewendet wird, weil sich keiner traut. Weil, wenn die Ängste hochkochen, die Gefahr zu groß zu sein scheint, durch die Schließung einer Bank eine Panik auszulösen.

Deswegen ist es umso wichtiger, wenn jetzt mit der irischen Bank - hoffentlich - ein Zeichen gesetzt wird, dass es auch in der Praxis funktioniert. Nur wenn die Banken wissen, dass ihnen im schlimmsten Fall die Abwicklung droht, haben sie einen Anreiz, ihre Risiken ordentlich zu kalkulieren. Und nur wenn die Regierung eine geordnete Abwicklung als ernsthafte Alternative zur Verfügung hat, kann sie Verhandlungen über eine Bankenrettung führen, ohne sich dabei erpresst zu fühlen.

Interessant ist auch, dass die EU und die irische Regierung einen Abwicklungszeitraum von bis zu 15 Jahren veranschlagen. Das erinnert an Abwicklungen in der Versicherungsbranche - die dauern häufig auch viele Jahre. Oft bleibt ein Teil der Mitarbeiter solange bei der angeschlagenen Gesellschaft. Es gibt aber auch die Möglichkeit, ganze Vertragsbestände von einem anderen Konzern, quasi als Dienstleister, abwickeln zu lassen.

Bei Versicherern wickelt sich die Bilanz quasi nach und nach von allein ab, wenn Verträge auslaufen und damit auch die Verbindlichkeiten gegenüber den Kunden. Im Gegenzug können dann Kapitalanlagen verkauft werden. Bei den Banken können die Kunden dagegen ihr Geld abziehen, und sehr häufig laufen die Kreditverträge länger als die Kundeneinlagen, mit denen sie finanziert werden. Deswegen muss dort meist der Staat einspringen und die Einlagen garantieren.

Das irische Beispiel zeigt auch: Manchmal kann der Staat eine Bank zunächst retten und sie erst später, wenn die Märkte sich etwas beruhigt haben, abwickeln. Auch damit könnten die Iren ein Vorbild werden.

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