Wiebes Weitwinkel
Was dafür spräche, mal eine Landesbank zu schließen

  • 3

Basel III, das neue Regelwerk für Banken, ist so gut wie beschlossen, jedenfalls in den Eckpunkten. Und schon geht wieder die Diskussion los: Wie kommen die Landesbanken damit zurecht? Geben die höheren Kapitalanforderungen endlich den Anstoß zu einer Konsolidierung ?

Diese Diskussion ist mittlerweile schon deswegen absurd, weil sie bereits seit Jahren ohne Ergebnis geführt wird. Jeder weiß, dass keine große Sparkasse sich mit einer Landesbank zusammenschließen will, um der eine bessere Kundenbasis zu verschaffen. Die Sparkassen brauchen solche vertikalen Fusionen nicht und fürchten zu Recht, dass sie sich damit nur Probleme aufladen.

Jeder weiß auch, dass eine horizontale Fusion unter Landesbanken in den meisten Fällen nur auf eine Zusammenballung von Risiken und kompliziertere Strukturen hinauslaufen würde, ohne einen echten Vorteil zu bieten. Wenn aber vertikale Fusionen ebenso wenig Sinn ergeben wie horizontale, was bleibt denn dann noch übrig? Nichts.

Es gibt logischerweise also nur zwei Möglichkeiten. Entweder die ganze Diskussion über Landesbankenkonsolidierung ist Unsinn, weil die Landesbanken ganz gut in ihrer heutigen Vielzahl bestehen können. Oder aber: Statt über Fusionen zu reden, sollten die Landesbanken, die allein nicht zurechtkommen, geschlossen werden. Ich persönlich halte die zweite Variante für plausibler.

Schließung würde nicht heißen, dass die Bank von heute auf morgen den Geschäftsbetrieb einstellt. Auch nicht, dass alle Mitarbeiter nach Hause geschickt werden. Sondern der erste Schritt wäre, das Neugeschäft einzustellen. Dann müsste die Bank über Jahre hinweg nach und nach abgewickelt werden. Konkurrenten, auch andere Landesbanken, könnten Teile der Mitarbeiter, vielleicht auch der Niederlassungen und ganz sicher der Kunden übernehmen. Im Endeffekt käme nichts anderes dabei heraus als bei einer gelungenen Fusion. Nur: Bei diesem Verfahren müsste sich niemand mit einer fremden Bankbilanz und den Risiken, die möglicherweise darin schlummern, beschäftigen. Auch nicht mit der Frage, wie man Doppelstrukturen in den Führungsebenen bereinigt.

Solange wir unsere Probleme bei den Landesbanken nicht lösen, glaubt niemand, dass wir im Krisenfall eine Bank tatsächlich schließen würden. Außerdem haben wir so lange in der internationalen Diskussion wenig Glaubwürdigkeit. Und Basel III zeigt ja deutlich, dass sich wieder einmal die USA mit ihren Interessen durchsetzen. Dabei geht es weniger darum, dass sie tiefes Misstrauen gegenüber hybriden, stillen oder sonstigen unklaren Kapitalkategorien haben und auf echten Eigenmitteln bestehen. Der eigentliche Punkt ist, dass die Banken stark reguliert werden, die Kapitalmärkte aber - wenn man etwa an die unseligen Kreditverkäufe denkt - nicht: Das kommt dem angelsächsischen Finanzsystem mehr entgegen als unserem.

Kommentare zu " Wiebes Weitwinkel: Was dafür spräche, mal eine Landesbank zu schließen"

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  • Sogar eine einzige Landesbank wäre immer noch eine zuviel. Es wird vertuscht und gelogen, dass sich die balken biegen.


    http://europa.eu/rapid/pressReleasesAction.do?reference=iP/08/314&type=HTML&aged=0&language=DE&guiLanguage=de
    iP/08/314
    brüssel, den 27. Februar 2008
    Staatliche beihilfen: Kommission untersucht staatliche Finanzspritzen für iKb und Sachsen Lb
    Eine Woche später erlitt die Sachsen Lb aufgrund von Einlagen in zwei Hedge-Fonds weitere Verluste in Höhe von 250 Mrd. EUR. Da die bank Gefahr lief, die bankaufsichtsrechtlichen Eigenmittelanforderungen nicht mehr erfüllen zu können, mussten die Eigentümer nach einer finanziell tragfähigen Lösung suchen. Am 26. August 2007 wurde eine Vereinbarung über den Verkauf der Sachsen Lb an die Landesbank baden-Württemberg (LbbW) geschlossen.

    250 Milliarden Euro Verluste. Da müssen sich die Steuerzahler aber warm anziehen.
    Und das bei nur einer einzigen Landesbank!! Dagegen sind sogar die Verluste der HRE Peanuts.

  • Mangels Geschäftsmodell haben vor allem die Landesbanken am weltweiten Spielcasino teilgenommen, entgegen ihrer Satzung. Kunden- und Steuergelder haben sich so in Luft aufgelöst – der Steuerzahler wird es richten.
    Sogar eine einzige Landesbank wäre noch eine zu viel. Aber so lange die Landesbanken hochbezahlte Ruhekissen für ausrangierte Politiker sind, wird sich daran auch nichts ändern, außer das Volk sorgt für Abhilfe.
    in der Süddeutschen kommentierte ein Forist: „Es ist wieder an der Zeit, dass die bürger die Guillotine flott machen“. Er hat verstanden.
    Da wird gemauschelt und gelogen, dass sich die balken biegen. Jeden Handwerker hätte man schon lebenslang gegeben, der sich auch nur einen bruchteil dieser betrügereien geleistet hätte. Aber so lange die Staatsanwälte weisungsgebunden sind ... man hat ja nicht umsonst Freunde. Und „kleine“ Geschenke beleben die Freundschaft.

    ich kann mir nur einen einzigen Grund vorstellen, weshalb betrügereien in solch gigantischem Ausmaß strafrechtlich nicht verfolgt werden: Das gesamte System steht kurz vor dem Kollaps. Alles weiter wie bisher, nicht mehr mit Milliarden, jetzt sogar mit billionen.

    Noch ist dafür Zeit, sein Vermögen günstig und sicher in Edelmetalle umzuschichten. Und das Volk wird sich dann, z.b. wie 1789 in Frankreich Gerechtigkeit verschaffen. So sicher wie das Amen in der Kirche.

  • Der Ansatz, einzelne Landesbanken sozusagen auf Schließungskurs zu bringen, mag von einer technischen Argumentationsseite im Einzelfall möglicherweise Sinn ergeben.

    Wie dem auch sei, die psychologische Komponente ist durchaus nicht zu unterschätzen. Wie würden sich wohl Mitarbeiter in einer Landesbank fühlen, deren Schließung über Jahre beschlossene Sache ist? Vermutlich nicht sehr motiviert, was zum Abzug der besten führen dürfte. Wie würde die Geschäftspolitik einer solchen bank aussehen? Sicher nicht auf Nachhaltigkeit ausgelegt, eher auf kurzfristige Mitnahmeeffekte setzend. Alles andere wäre ja in einer solchen Konstellation nicht nur kaum realisitisch, sondern im Grunde noch nicht einmal wünschenswert.

    ich denke, der Weg über horizontale Funktionen zwischen Landesbanken ist der beste Weg. Hier können sich verschiedene institute ergänzen und langfristig in ihrem gemeinsamen Markt ausrichten. Und die besten Köpfe werden bleiben und in einer neuen Landesbank mit erweiterten Möglichkeiten neue angezogen werden.

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