Wiebes Weitwinkel
Weshalb Griechenland kein Problem für den Euro ist

Wenn ein Staat der Euro-Zone finanziell in schiefes Licht gerät, stellt sich gleich auch die Frage nach der Stabilität der Währungszone. Wahrscheinlich ist das aber die falsche Frage.
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Die Griechenland-Krise gibt einem das unangenehme Gefühl: Das kennen wir schon. Vor rund sieben Monaten war die Aufregung schon einmal groß. Während viele Ängste, die die Finanzkrise angefacht hat, sich inzwischen beruhigt haben, kehrt hier eine zurück. Und es ist kein Zufall, dass ein Staat der Auslöser ist: Die Krise verlagert sich, nachdem sie von den Banken ausgegangen ist und danach die "Realwirtschaft" erwischt hat, in den öffentlichen Sektor, wo sie uns noch für Jahre beschäftigt.

Wenn ein Staat der Euro-Zone finanziell in schiefes Licht gerät, stellt sich gleich auch die Frage nach der Stabilität der Währungszone. Wahrscheinlich ist das aber die falsche Frage, aus mehreren Gründen. Zum einen liegt der Anteil Griechenlands am Bruttoinlandsprodukt der Euro-Zone bei weniger als drei Prozent. Zum Vergleich: Kalifornien kommt in den USA auf einen Anteil von fast 14 Prozent. Der Sonnenstaat ist so pleite, dass er seine Rechnungen zeitweilig mit Steuergutschriften bezahlt hat. Trotzdem kommt keiner auf die Idee, deswegen könnte der Dollar zu Bruch gehen. Der Unterschied liegt in der Fantasie: Man könnte sich ein Griechenland mit Drachme wieder vorstellen, aber kaum ein Kalifornien, das seine eigenen "Sun-Dollar" druckt. Nebenbei gesagt: Selbst Spanien hat in der Euro-Zone weniger Gewicht als Kalifornien in den USA - nur Italien, Frankreich und Deutschland liegen darüber.

Ein weiterer Punkt: Kein Staat in Zahlungsschwierigkeiten würde seine Situation durch einen Austritt aus der Währungsunion verbessern. Im Gegenteil, die Zinsen für neue Staatspapiere in Weichwährung würden erst recht durch die Decke gehen. Es mag zwar sein, dass ein Land mit Weichwährung über eine Wechselkursanpassung schneller wieder konkurrenzfähig werden könnte als im Euro-Korsett. Aber das nützt dem Staat, der in Zahlungsschwierigkeiten steckt, höchstens indirekt. Die durchaus ernsten Probleme, die für schwache Volkswirtschaften mit der Zugehörigkeit zum Euro-Raum verbunden sind, liefern deswegen letztlich doch kein Argument für einen Ausstieg.

Deutschland hat als Exportnation natürlich ein Interesse daran, dass seine Kunden zahlungsfähig bleiben. Daher ist leicht auszumalen, wo die Hilferufe ankommen, wenn es eng wird. Aber auch hier muss man genau hinsehen: Kunden sind vor allem die Unternehmen und die Verbraucher, nicht der Staat. Und wenn der Staat pleitegeht, heißt das nicht, dass das für Bürger und Unternehmen auch gelten muss. Den Beleg dafür liefert nicht nur Kalifornien. Man findet eine Parallele auch in zahlreichen deutschen Kommunen, die de facto pleite sind, obwohl ihre Bürger genug Geld haben.

Der Vergleich mit den Kommunen legt auch nahe, wie es mit Griechenland weitergeht. Die Regierung wird zwangsweise sparen müssen, hier und da etwas Hilfe bekommen, aber trotzdem weiter in die Verschuldung gleiten, zu tendenziell immer höheren Zinsen. Doch letztlich verschwinden diese Schulden mehr oder minder folgenlos in dem riesigen Berg, den die gesamte Euro-Zone ohnehin aufhäuft.

Kommentare zu " Wiebes Weitwinkel: Weshalb Griechenland kein Problem für den Euro ist"

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  • Als besitzer von griechischen Staatsanleihen werde ich heute verkaufen.
    bin Rentner und fühle mich wieder einmal betrogen.
    Das Einzige was sicher ist, ist das Geld auf einem Tagesgeld-Konto. NOCH!!
    Es gibt einfach zu viele Heuschrecken au diesem Planeten.
    Gut, dass ich so alt bin.
    Die nachfolgenden Generationen haben mein Mitgefühl.
    Leider ist es ja so, dass sich der "kleine Mann" immer wieder als Opfer, Melkkuh, Dummbeutel benutzen läßt. Vielleicht verdienen wir es nicht besser.

  • ich finde die Sorge zumindest teilweise berechtig. Denn zum einen könnte hier ein Präzedenzfall geschaffen werden. im Maastricht-Vertrag gibt es zwar die so genannte "No-bailout-Klausel", die das gegenseitige "Einspringen" der Eurostaaten bei Zahlungsschwierigkeiten ausschließen soll. Doch es ist wohl klar, dass es im Fall des Falles eben doch dazu kommen wird. Damit wäre dann die büchse der Pandora geöffnet.
    Der Vergleich mit Kalifornien hinkt etwas. Denn natürlich wird Kalifornien nicht aus dem Dollarraum austreten (können). Aber bei Kalifornien handelt es sich eben um einen bundesstaat und nicht um ein souveränes Land, das bis vor zehn Jahren noch eine eigene Währung hatte.
    Das mit den Zinsen für die Staatsanleihen stimmt zwar. Doch ist die Währungsunion gerade für Griechenland mit enormen Kosten verbunden. Seit der Euroeinführung (1999-2008) betrug die Preissteigerungsrate in Griechenland stolze 28 Prozent - der zweithöchste Wert nach Spanien. Hingegen betrug der korrespondierende Wert Deutschlands +-0(!!). Daraus ergeben sich enorme Wettbewerbsnachteile für die griechische Wirtschaft. Hätten Griechenland und Deutschland noch eine Währung, hätte die griechische ggü. der deutschen um 28 Prozent abgewertet, der "optimale" Euro/Dollar-Wechselkurs für Griechenland betrüge 1,64 Dollar pro Euro. Da Griechenland jedoch bekanntlich keine eigene Währung mehr hat, sind diese Anpassungen nicht möglich. ich habe dieses Problem in meinem blog beschrieben...sry für die Werbung ;) ...auch die einheitliche Geldpolitik ist vor diesem Hintergrund ein Problem...ich meine nicht, dass der Währungsraum auseinanderbrechen wird, da der Nutzen (gefühlt) immer noch über den Kosten liegt. Jedoch sollte man diesen Problemen doch beachtung schenken. Vorallem aber sollte man bei zukünftigen Erweiterungen des Euroraums auf die strikte Einhaltung der Makro-Kriterien achten. Zur Erinnerung: Griechenland hat, um dem Euroraum beitreten zu können, die inflationsdaten geschönt. Das rächt sich jetzt.

  • ich finde die Sorge zumindest teilweise berechtig. Denn zum einen könnte hier ein Präzedenzfall geschaffen werden. im Maastricht-Vertrag gibt es zwar die so genannte "No-bailout-Klausel", die das gegenseitige "Einspringen" der Eurostaaten bei Zahlungsschwierigkeiten ausschließen soll. Doch es ist wohl klar, dass es im Fall des Falles eben doch dazu kommen wird. Damit wäre dann die büchse der Pandora geöffnet.
    Der Vergleich mit Kalifornien hinkt etwas. Denn natürlich wird Kalifornien nicht aus dem Dollarraum austreten (können). Aber bei Kalifornien handelt es sich eben um einen bundesstaat und nicht um ein souveränes Land, das bis vor zehn Jahren noch eine eigene Währung hatte.
    Das mit den Zinsen für die Staatsanleihen stimmt zwar. Doch ist die Währungsunion gerade für Griechenland mit enormen Kosten verbunden. Seit der Euroeinführung (1999-2008) betrug die Preissteigerungsrate in Griechenland stolze 28 Prozent - der zweithöchste Wert nach Spanien. Hingegen betrug der korrespondierende Wert Deutschlands +-0(!!). Daraus ergeben sich enorme Wettbewerbsnachteile für die griechische Wirtschaft. Hätten Griechenland und Deutschland noch eine Währung, hätte die griechische ggü. der deutschen um 28 Prozent abgewertet, der "optimale" Euro/Dollar-Wechselkurs für Griechenland betrüge 1,64 Dollar pro Euro. Da Griechenland jedoch bekanntlich keine eigene Währung mehr hat, sind diese Anpassungen nicht möglich. ich habe dieses Problem in meinem blog beschrieben...sry für die Werbung ;) ...auch die einheitliche Geldpolitik ist vor diesem Hintergrund ein Problem...ich meine nicht, dass der Währungsraum auseinanderbrechen wird, da der Nutzen (gefühlt) immer noch über den Kosten liegt. Jedoch sollte man diesen Problemen doch beachtung schenken. Vorallem aber sollte man bei zukünftigen Erweiterungen des Euroraums auf die strikte Einhaltung der Makro-Kriterien achten. Zur Erinnerung: Griechenland hat, um dem Euroraum beitreten zu können, die inflationsdaten geschönt. Das rächt sich jetzt.

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