Willkommener Aufschub
KKR-Börsengang: Glückliches Timing

Der Plan, mit dem in Amsterdam gelisteten Investmentzweig zu fusionieren und das neue Unternehmen an die Börse zu bringen, wurde verschoben. KKR beruft sich bei der Verzögerung auf logistische Gründe. Nur gut, dass die Beteiligungsgesellschaft solche Probleme hat. Das Vorhaben ist komplex, Anleger misstrauen der Bewertung und Buyout Shops kämpfen ums Überleben.

Kohlberg Kravis Roberts & Co. können froh sein, dass ihr Börsengang noch einmal verschoben wurde. Der verschachtelte Deal, durch den die Beteiligungsgesellschaft ihre Aktien an die Börse bringen wollte, hatte im gegenwärtigen Marktumfeld kaum Erfolgsaussichten. So wollte KKR unter anderem mit ihrem an der Börse Amsterdam gelisteten Investmentvehikel KPE fusionieren und die Aktien anschließend an die New Yorker Börse transferieren. Der Aufschub hat nach Aussagen von KKR logistische Probleme zur Ursache. Bleibt das Unternehmen allerdings dabei, wie jetzt beabsichtigt, die Emission auf das nächste Jahr zu verschieben, könnte es sinnvoll sein, die Struktur des Vorhabens noch einmal zu überdenken.

Zunächst einmal ist der Ansatz zu komplex für das gegenwärtige Marktumfeld. Er setzt voraus, dass die Anleger die Bewertung akzeptieren, die die Beteiligungsgesellschaft selbst für sich errechnet hat. Während des Bullenmarktes war es vielleicht angemessen, auf das blinde Vertrauen der Investoren zu setzen. Aber heute sind selbst reine Aktienemissionen, bei denen der Preis überwiegend am Markt gebildet wird, schwer zu verkaufen. Schon Ende Juli, als KKR sein Vorhaben erstmals ankündigte, wirkte der vorgeschlagene Wertansatz üppig. Seitdem ist der KPE-Kurs dramatisch gefallen und liegt heute bei nur noch einem Viertel des Nettovermögenswerts des Beteiligungsportfolios.

Ursprünglich gab KKR an, dass der Wert des fusionierten Unternehmens bis zu 19 Milliarden Dollar betrage. Zu diesem Wertansatz kam das Unternehmen auf der Grundlage der eigenen Gewinnprognosen, dem durchschnittlichen Kurs-Gewinn-Verhältnis des Marktes und einem frei handelbaren Aktienanteil von 21 Prozent - ein Anteil, der laut KKR zwischen den Vorständen der beiden Unternehmen ausgehandelt worden sei. Der Ansatz konnte die KPE-Aktionäre allerdings nicht überzeugen. Der aktuelle Marktwert der Gesellschaft liegt bei lediglich einer Milliarde Dollar, woraus sich errechnen lässt, dass das kombinierte Unternehmen am Markt nur mit mageren 5 Milliarden Dollar bewertet werden dürfte, wenn der Deal heute über die Bühne gebracht würde. Das ist gerade einmal ein Viertel des von KKR anvisierten Ziels.

KKR begründete seinen Ansatz damit, dass die Mehrzahl der Unternehmen im KPE-Portfolio sich entsprechend der Erwartungen oder sogar besser entwickelten. Darüber hinaus spielten technische Faktoren bei der gegenwärtig geringen Marktbewertung eine Rolle, wie zum Beispiel das geringe Handelsvolumen. Aber wie dem auch sei, KKR dürfte Mühe haben, die Aktionäre mit seiner alten Bewertungsstruktur zu überzeugen. Das Beteiligungsgeschäft ist erheblich aus der Mode gekommen. Blackstone zum Beispiel hat seit Ende Juli rund 50 Prozent verloren. Einige Anleger sind inzwischen der Meinung, dass Beteiligungsgesellschaften einfach keine guten Aktiengesellschaften abgeben. In Anbetracht solchen Gegenwinds ist Abwarten wohl die beste Lösung für KKR.

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