Wirtschaft der Eurozone
Eurozone vor der Talfahrt

Nach den jüngsten Konjunkturdaten zeigt Deutschland nur noch ein minimales Wachstum, während die Wirtschaft Frankreichs schrumpft und Spanien und Italien schon massive Einbrüche zu verzeichnen haben. Die steil ansteigenden Rohstoffpreise machen Konsumenten ärmer und sorgen dafür, dass die Geschäftswelt vorsichtiger agiert. Von der EZB sind keine konjunkturstützenden Maßnahmen zu erwarten. Sie hat sich darauf eingestellt im Juli die Zinsen anzuheben.

Der Wirtschaftsausblick in der Eurozone wird allmählich klarer - und sieht alles andere als erfreulich aus. Das Wachstum geht zurück und die Inflation steigt. Eine Rezession wird wahrscheinlicher und könnte schon zum Jahresende drohen.

Verarbeitendes Gewerbe und Dienstleistungen in der Eurozone entwickelten sich gemessen am Einkaufsmanagerindex im Juni rückläufig. In Frankreich befindet sich die Wirtschaft bereits auf Talfahrt, der Index fiel unter den Wert, der wirtschaftliche Expansion und Kontraktion voneinander trennt. Die Daten für die größte Wirtschaft in der Eurozone, Deutschland, fielen relativ gut aus, aber das heißt auch, dass die nicht veröffentlichten Zahlen für die anderen großen Ökonomien, Spanien und Italien, deutlich schlechter ausgefallen sein müssen. Hinzu kommt, dass auch in Deutschland der Ifo-Geschäftsklimaindex auf den tiefsten Stand seit zweieinhalb Jahren fiel. Die Inflation treibt die Eurozone in Richtung Konjunkturabschwung. Öl- und Nahrungsmittelpreise drücken auf die reale Kaufkraft der Konsumenten. Die Wirtschaft hat ihre Zuversicht verloren. Die Unternehmen stehen einer schwächeren Inlandsnachfrage gegenüber und geraten auf den Exportmärkten durch den starken Euro unter Druck.

Der trübe Wachstumsausblick könnte Zinssenkungen wahrscheinlicher machen. Aber die Europäische Zentralbank schlägt den entgegengesetzten Kurs ein. Sie deutete in diesem Monat bereits an, die Zinsen anheben zu wollen. Sie würde sich selbst zum Narren machen, wenn sie jetzt am 3. Juli den Worten nicht auch Taten folgen ließe. Die Ankündigung war vielleicht unnötig, aber die am Montag veröffentlichten Daten dürften die Inflationssorgen der EZB noch bestärken. Von Unternehmerseite ist zu vernehmen, dass die Erzeugerpreise so schnell steigen, wie seit 17 Monaten nicht mehr.

Die EZB wittert die Gefahr von, wie sie selbst sagt, "Inflationseffekten der zweiten Runde": Ein Durchreichen der Inflation, die bei den Rohstoffpreisen entstanden ist. Die europäische Notenbank dürfte durch zahlreiche der jetzt veröffentlichten Wirtschaftsdaten beunruhigt sein. Auch wenn der starke Euro den Anstieg der dollarbasierten Rohstoffpreise gebremst haben dürfte, liegt die Inflation noch fast zweimal so hoch wie es ihrer Zielsetzung entspricht. Eigentlich dürfte es vor dem Hintergrund der spürbaren Wachstumsabschwächung dazu gar nicht kommen. Die Kombination aus steigenden Zinsen, teurer Währung und unerfreulich hoher Inflation deutet auf eine Rezession. Es muss schon zu einer deutlichen Umkehr dieser Entwicklung kommen, wenn sie verhindert werden soll.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%