Wirtschaftskrise
Das Krisen-Barometer

Das Konjunkturbarometer von Breakingviews.com, der Green Shoots Spotter, stand auf "stabil" - allerdings nur eine Woche lang. Trotz der Wachstumsanzeichen in Frankreich und Deutschland fiel der Index zurück auf "allmählich nachlassende Probleme". Das Hindernis: die Konsumenten, vor allem in den USA, wollen offensichtlich in den Jubel an den Finanzmärkten nicht einstimmen.
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Der globalen Konjunkturerholung scheint in der vergangenen Woche etwas die Puste ausgegangen zu sein. In der Woche zuvor sprintete der Breakingviews.com Green Shoots Spotter bis auf einen Indexstand von 2,7 - und damit zum ersten Mal in seiner dreimonatigen Geschichte in Richtung "nicht nur langsam stabiler, sondern stabil". Bisher waren "allmählich nachlassende Probleme" das höchste der Gefühle. Nun aber ist er wieder auf 2,4 zurückgefallen. Die enttäuschenden Nachrichten kommen vor allem von den US-Konsumenten. Selbst der positive Einfluss des BIP-Wachstums in Frankreich und Deutschland konnte die negativen Meldungen nicht neutralisieren. Und die Finanzmärkte, die sich rasant nach oben entwickelten, haben eine Pause eingelegt.

Wie so oft in den vergangenen Monaten kommen die besten Nachrichten von den Finanzprofis. Die Broker bei Merrill Lynch und ein paar Eigenhändlern wie zum Beispiel von der Royal Bank of Scotland unterzeichnen Verträge, wie sie Boomzeiten alle Ehre machen. Aber die US-Konsumenten bei Walmart und die Biertrinker in aller Welt halten sich weiter zurück. Viele Amerikaner scheinen auf ihre Sommerausflüge zu verzichten und die Zahl der Flugbuchungen sinkt weiter, wenn auch inzwischen langsamer.

Und folgendes Ereignis konnten die Breakingviews.com-Konjunkturbeobachter nur schwer einordnen: Paul Krugman, der New-York-Times-Kolumnist, legte sich ein nettes Appartment in der Upper West Side zu. Für 1,7 Millionen US-Dollar war die Wohnung ein schönes Stück billiger als noch vor einem Jahr, als die Eigentümer noch 2,5 Millionen dafür verlangten. Und Krugman, der überzeugt ist, dass das US-Konjunkturprogramm nun greift, sagte, er glaube, die Preise werden weiter fallen. Breakingviews.com interpretiert das mit "schwachem Wachstum" und einer vier auf der Fünf-Punkte-Skala.

Immer noch schwerwiegende Probleme (1 auf der GSS-Skala)

1. InterContinental Hotels, die weltweit größte Hotelkette, geht davon aus, dass die Erholung in der Branche noch zwei Jahre auf sich warten lassen könnte (11. August).

2. Der Gesamtwert der durch Schuldenprobleme verursachten Deals, bei denen Gläubiger ihre Forderungspositionen nutzen, um in Schwierigkeiten geratene Unternehmen zu übernehmen, hat nach Angaben des Wall Street Journal in diesem Jahr ein Volumen von 84,4 Milliarden US-Dollar erreicht, fast doppelt so viel wie 2008 (11. August).

3. Der italienische Motorrad-Produzent Ducati kürzt die Produktion und die Manager des Unternehmens haben Gehaltskürzungen akzeptiert, weil Konsumenten ihre Ausgaben für Luxusgüter während des Abschwungs zusammengestrichen haben (11. August).

4. In den USA scheint die Zeit der Sommerausflüge "bereits vorbei, bevor sie richtig gestartet ist", so die Internationale Energieagentur (12. August)

5. Die Ausfälle bei US-Immobilienhypotheken stiegen im Juli im Rekordtempo, obwohl die Regierung über staatliche Programme weiter Unterstützung bietet, um Zwangsversteigerungen zu verhindern (13. August).

6. Die US-Videospiel-Verkaufszahlen sanken im Juli um 37 Prozent - der fünfte Monatsrückgang in Folge (14. August).

7. Nachdem Berichte über schwache US-Verbrauchervertrauensdaten bekannt wurden, sanken die Ölpreise am Freitag so stark, wie schon seit über zwei Wochen nicht mehr (14. August).

8. Die notleidenden Kredite bei Bradford & Bingley, dem staatlichen britischen Hypothekenanbieter, haben sich in den ersten 6 Monaten des Jahres mehr als vervierfacht und erreichten inzwischen 328 Millionen Pfund (14. August).

9. Nach dem Konsumbericht von Reuters/University of Michigan, der am Freitag veröffentlicht wurde, fiel der Vertrauensindex von 66,0 Punkten im Juli auf 63,2 Punkte. Er liegt damit deutlich unter den Markterwartungen, die von einem Stand von 68,5 ausgegangen waren (14. August).

10. Abercrombie & Fitch Co erlitten einen Quartalsverlust, nachdem Umsatzrückgänge, höhere Abschreibungen und steigende Kosten die Ergebnisse des Einzelhändlers für Teenager-Bekleidung drückten.

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