Wirtschaftsstichprobe
Starkes Wachstum: Mehr Aussicht als Realität

Die „V“-Leute sollten mit ihren Siegesrufen noch warten. Zwar wollen viele Volkswirtschaftler den starken wirtschaftlichen Rückgang gerne von einer ebenso starken Erholung gefolgt sehen, womit das Wachstum eine V-Form ausbilden würde. Es gibt aber wenig Beweise dafür, dass dies passiert. Das Breakingviews-Konjunkturbarometer.
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Die Breakingviews Wirtschaftsstichprobe, so lautet der neue Name des Zählers für Wachstumstriebe, ergab in der letzten Woche den Wert 2,5, wobei die Konjunkturdaten vom britischen Bankfeiertag am Montag, dem 31. August, berücksichtigt wurden. Der Wert liegt in der Mitte zwischen langsamem Abschwung und Stabilität, weit über dem Wert 1 auf der Skala, der für Rezessions-Blues steht, aber auch weit entfernt vom Wert 5, der einen Schnellstart anzeigt.

Die Arbeitslosigkeit wächst noch immer, etwa in Japan. Kredite fließen nicht frei, und viele Produzenten passen sich noch immer an den Abschwung an, anstatt sich für die Erholung vorzubereiten. Gute Nachrichten kommen noch immer vorwiegend aus dem Finanzbereich, etwa die steigenden Wohnimmobilienpreise in den USA und Großbritannien, oder es zeigen sich Erholungen in besonders schwer abgestürzten Bereichen der Weltwirtschaft wie beispielsweise dem internationalen Handel. Während der Vorbereitungen auf ihr G20-Treffen können Regierungschefs Ängste vor einem freien Fall der Wirtschaft verscheuchen, sie haben aber auch keinen Grund zum Überschwang.

Rezessions-Blues (1 auf der Wirtschaftsstichproben-Skala)

1. Paul Idzik, Vorstandschef der Immobilienberatungsfirma DTZ, akzeptiert eine 25prozentige Lohnkürzung, weil das Unternehmen mit schwachen Märkten kämpft. (24. August)

2. Investoren zogen zwischen September 2008 und Juni 2009 geschätzte 122 Milliarden britische Pfund aus Dach-Hedgefonds ab, das ist ein dreißigprozentiger Rückgang der Vermögenswerte. (24. August)

3. Die Obama-Regierung erwartet, dass das US-Haushaltsdefizit im nächsten Jahrzehnt um zwei Billionen US-Dollar höher ausfallen wird als zuvor geschätzt. (25. August)

4. CRH, einer der größten Baustoff-Konzerne der Welt, warnte davor, dass die Bedingungen an der Basis der Baubranche noch immer "extrem schwierig" seien. (26. August)

6. Japans Exporte sanken im Juli im zehnten aufeinanderfolgenden Monat, weil die Nachfrage aus allen für das Land wichtigen Märkten abnahm. (26. August)

7. Toyota will seine globale Produktion um sechs Prozent senken, um die Verluste zu begrenzen. (26. August)

8. Die Kreditvergabe an Haushalte und Unternehmen in der Eurozone ging auch im Juli zurück, während das breite Geldmengenwachstum nahezu bei Null lag. (27. August)

9. Der globale Getränke-Marktführer Diageo prognostiziert ein weiteres schwieriges Jahr wegen der "Unsicherheit" über die Geschwindigkeit und Stärke der Erholung der Weltwirtschaft. (27. August)

10. Die Anzahl der US-"Problembanken" stieg im zweiten Quartal mit 416 auf ein 15-Jahres-Hoch, während mehr Zusammenbrüche den Einlagensicherungsfonds auf den niedrigsten Stand seit der Spar- und Kreditkrise schrumpfen ließen. (27. August)

11. Die Umsätze in britischen Einkaufsstraßen gingen im August im vierten Monat in Folge zurück, sie fielen einem Bericht des britischen Arbeitgeberverbandes CBI zuvolge schlechter aus als von Volkswirten erwartet. (27. August)

12. Britische Geschäftsinvestitionen gingen im zweiten Quartal verglichen mit dem Vorjahr um 18,4 Prozent auf 29,9 Milliarden britische Pfund zurück, das ist der größte jährliche Rückgang seit Beginn der Aufzeichnungen 1965. (27. August)

13. Japans Arbeitslosenquote erreicht im Juli den Rekordstand von 5,7 Prozent. (28. August)

14. Aegis sieht keine Anzeichen für eine sofortige Erholung in der Werbewirtschaft und kürzt mehr Stellen, als ursprünglich zur Bewältigung des Abschwungs für nötig gehalten wurde. (28. August)

15. Die Kerninflationsrate in Japan fiel im Juli mit der schnellsten jemals festgestellten jährlichen Geschwindigkeit. (28. August)

16. Cerberus Capital erhielt Anfragen für Portfolio-Auflösungen im Volumen von rund 5,5 Milliarden US-Dollar, das entspricht nach Angaben der Financial Times 70 Prozent aller existierenden Mittel. (30. August)

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