Wirtschaftszyklen
Globalisierung verschlimmert die Krise

Auch früher forderte der Konjunkturzyklus seine Opfer, doch das Auf und Ab war gesund. Jetzt haben schwache Zentralbanker und die Globalisierung des Kreditwesens zu gärenden Exzessen geführt. Die Aufarbeitung wird besonders schmerzhaft sein, und die Verantwortlichen sollten aus der Erfahrung lernen.

Nichts in der Finanzwelt ist gänzlich ohne Beispiel, doch die Globalisierung des Kreditwesens und schwache Zentralbanker haben diesen Zyklus zu etwas wahrhaft Besonderem gemacht, in einem schrecklichen Sinn. Beim nächsten Mal sollten sie es besser machen.

Traditionell lösten Konjunkturzyklen mindestens einmal, oft auch zweimal in einem Jahrzehnt bedeutsame Abschwünge aus. Dabei wurden Exzesse ausgemerzt, unter nicht geringen Schmerzen. Das Risiko ging daraufhin zurück, sowohl in der Finanz- als auch in der Realwirtschaft. Auf diese Weise konnte ein Exzess nicht auf einem anderen aufbauen.

Diesmal war es anders. Dank der ultralockeren Geldpolitik von Zentralbankern gab es nahezu kostenloses Geld im Überfluss, das in höher rentierende Anlagen rund um den Globus angelegt wurde. Das weltweite Wachstum blähte sich auf, und die Inflation war niedrig. Das extrem schnelle Wachstum Chinas spielte eine wichtige Rolle, weil es die Weltwirtschaft stimulierte und die billige Fertigung und die kontrollierte Währung des Landes dabei halfen, die Inflation niedrig zu halten.

Dadurch kam die üblicherweise Exzesse anzeigende Inflation diesmal spät, erst nachdem ein Übermaß an Wachsum, Liquidität und Spekulation in der Weltwirtschaft die Rohstoffpreise in die Stratosphäre getrieben hatte. Dabei war die Weltwirtschaft nie so gesund, wie es den Anschein hatte. Die Ungleichgewichte wuchsen und gärten auf eine noch nie dagewesene, globalisierte Art.

Die Frühwarnzeichen waren das, was Ökonomen Ungleichgewichte nennen. Dieses Wort klingt öde, doch die Aufarbeitung der Ungleichgewichte erweist sich als aufregend genug. Das riesige US-Handelsbilanzdefizit und die Bereitschaft der Schwellenländer, es zu finanzieren, war eine Sache. Eine andere war die Preisspirale bei Immobilien, auf die von zahllosen Ökonomen hingewiesen wurde, die aber von den Zentralbanken nicht bekämpft wurde.

Diese Trends endeten in einem Chaos, das die Weltwirtschaft in einen Zustand außergewöhnlicher Gefahr führte. Nun müssen die Zinssätze, die zu lange zu niedrig waren, erneut gesenkt werden, um dem Notfall entgegenzuwirken. Die geldpolitischen Lektionen müssen gelernt werden.

Zentralbanker müssen die Inflation der Preise von Vermögenswerten bedenken, wenn sie ihre Politik festlegen. Außerdem bedarf es stärkerer internationaler Koordinierung. China hätte früher dazu gebracht werden sollen, eine Aufwertung seiner Währung zuzulassen. Der richtige Ort, um derartiges zu tun, wäre eine erweiterte G7, die die großen Schwellenländer einschließt. Der beste Weg, um Krisen zu vermeiden, ist die Anpassung der Politik an eine globalisierte Welt.

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