Worte, Taten und das Schicksal
Die Grenzen von Obamas Rhetorik

Wenn ermutigende Reden die US-amerikanischen Konjunktur in Gang bringen könnten, wäre die wirtschaftliche Erholung längst unterwegs. Mit seiner Rede vor dem Kongress wich der Präsident den düsteren Nachrichten nicht aus, aber sein Fokus lag auf der rosigen Zukunft Amerikas. Auf dem Weg dorthin müssen jedoch Opfer gebracht werden – und zwar mehr als Obama wahrhaben will.

Die Vereinigten Staaten sind nichts Geringeres als "die größte Macht des Fortschritts und Wohlstands in der Menschheitsgeschichte". So lauteten die Worte von Präsident Barrack Obama in seiner Antrittsrede vor dem Kongress. Wie könnte eine solche Nation über längere Zeit am Boden liegen? Wenn nur eine Mischung aus wohlgesetzten Worten und schlichten Anekdoten das Land aus der Rezession befreien könnte, wäre die Erholung schon längst im Gange. Und zwar richtig.

Konkrete Vorschläge enthielt Obamas Rede kaum - die angesprochenen 15 Milliarden Dollar für erneuerbare Energien klangen im Umfeld der Billionen-Dollar-Defizite eher nach einem Rundungsfehler. Aber der Präsident versprach, sich um das Krankenversicherungssystem zu kümmern und die Probleme im Bildungswesen zu lösen, auch mit der mangelnden Wettbewerbsfähigkeit der US-Industrie will er sich befassen - ganz zu schweigen von der neuen Ära in den internationalen Beziehungen und der Säuberungsaktion im Finanzsystem. Auch von einem Heilmittel gegen Krebs war die Rede, ganz im Ernst. Und das Beste, die Steuern sollen für Familien, die weniger als 250.000 Dollar im Jahr verdienen, "nicht um einen einzigen Dollar" steigen.

Die Hoffnung spielt in einer Rezession eine große Rolle. Zweifel und Verzweiflung führen zu einem unnötigen Rückgang des Konsums und verhindern, dass Schnäppchenjäger der Erholung auf die Sprünge helfen. Obamas abgehobene Rhetorik über die "Scheidewege in der Geschichte" könnten die USA vielleicht inspirieren, die Kreuzung schneller zu verlassen und in die richtige Richtung zu marschieren.

Aber in der heutigen Rezession spielen Kredite eine größere Rolle als gute Stimmung. Die japanischen Exporte fielen im Januar nicht um 47 Prozent, weil die Japaner und ihre Kunden so schlecht gestimmt waren, sondern weil Handelskredite zum Verzweifeln knapp sind.

Sicher versucht Obama, wie er es nennt, den Lebenssaft der Wirtschaft wieder in Fluss zu bringen. Die immer weiter ausufernden Stimulierungs- und Rettungsprogramme werden vielleicht genau das bewirken, obwohl Obama ihre Risiken eher verschleierte. Man kann sie vielleicht umschreiben mit "sich für ein besseres Morgen einsetzen und dafür Kredite aufnehmen als würde der Tag der Rückzahlung niemals kommen".

Und auch wenn Obama zugab, dass wir in schweren und unsicheren Zeiten leben, verlor er kein Wort über die Opfer, die es erfordert, die US-Wirtschaft wieder in einen dauerhaften Gleichgewichtszustand zu bringen: mehr Investitionen, weniger Konsum und sehr viel weniger leicht zugängliche Kredite. Diese bittere Pille schmackhaft zu machen, könnte vielleicht auch für den Präsidenten eine zu große Herausforderung bedeuten.

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