Xstrata/Anglo
350-Pfund-Gorilla im Vorgarten

Der Zusammenschluss von Rio Tinto und BHP könnte eine Konsolidierungswelle in der Bergbauindustrie auslösen. Xstrata und Anglo-American würden offensichtlich gut zusammen passen. Aber die Preise sind ziemlich hoch. Der Chef von Xstrata, Mick Davies, hatte gekauft, als der Zyklus die Talsohle erreicht hatte. Jetzt wäre ein guter Zeitpunkt, das Gegenteil zu tun.

Wenn plötzlich ein Gorilla in Ihrem Vorgarten steht, dann haben Sie zwei Möglichkeiten: Sie können entweder mit ihm kämpfen oder türmen. Dem Chef von Xstrata, Mick Davis, könnte ein ähnliches Dilemma ins Haus stehen, wenn BHP Billiton ihre Offerte für den Konkurrenten Rio Tinto durchzieht. Die Verschmelzung der beiden Minengesellschaften, die dann einen gemeinsamen Börsenwert von 350 Mrd. Dollar aufweisen würden, würde die anderen Minengiganten auf Zwergengröße schrumpfen lassen. Und so drehen sich jetzt die Gespräche auf dem Markt um die Idee, dass Xstrata selbst eine Übernahme versuchen sollte – und zwar mit Anglo-American als offenkundigem Partner.

Auf dem Papier passen Xstrata und Anglo ziemlich gut zusammen. Beiden gemeinsam gehört die chilenische Collahuasi, eine der größten Kupferminen der Welt. Anglo ist der Hauptproduzent von Platin, das aufgrund seines Einsatzes in Autokatalysatoren eine große Nachfrage verzeichnet. Xstrata hat bei Platin nicht viel vorzuweisen, möchte aber den Bereich ausbauen. Beide Unternehmen unterhalten enge Verbindungen zu Südafrika und sind ungefähr gleich groß.

Davis könnte am besten in der Lage sein, einen Zusammenschluss anzuführen. Er hat Xstrata mit Hilfe einer Reihe von Akquisitionen aufgebaut: von kleineren Abschlüssen wie dem Zukauf der australischen Jubilee über drei Mrd. Dollar bis hin zu großen Transaktionen wie der Übernahme der kanadischen Falconbridge über 15 Mrd. Dollar. Anglo dagegen hat untätig zugesehen. Die neue Chefin der Bergwerksgesellschaft, Cynthia Carroll, hat sich zwar von den nicht zum Kerngeschäft gehörenden Bereichen wie Papier, Gold und Baumaterialien getrennt. Sie hat auch den einen oder anderen Kauf vorgenommen, ist aber den großen Deals ausgewichen.

Eine Übernahme von Anglo wäre allerdings ein finanzieller Kraftakt. Hinsichtlich der Marktkapitalisierung ist Xstrata um zehn Mrd. Dollar kleiner als Anglo. Und Anglo ist teuer – ihr Preis, berechnet als ein Vielfaches des Ergebnisses des laufenden Geschäftsjahrs, hat sich seit 2005 um 30 Prozent erhöht. Ein Zusammenschluss könnte Einsparungen von 1,5 Mrd. Dollar einbringen, rechnet Credit Suisse vor. Aber diese Wertschaffung, die heute rund elf Mrd. Dollar wert ist, rechtfertigt keinen Aufschlag von mehr als zwölf Prozent.

Trotzdem stehen die Chancen gut, dass, wenn der 350 Pfund schwere Gorilla Rio-BHP an die Tür klopft, Nachahmer auf den Plan treten. Tatsächlich könnte ein umgekehrtes Szenario – eine Übernahme-Offerte von Anglo für Xstrata – genau das sein, was Carroll braucht, um sich einen Namen zu machen. Xstrata aber sollte sich nicht in die Rolle des Käufers stürzen. Davis hat sich seinen Ruf erarbeitet, indem er Vermögenswerte gesammelt hat, als die Preise niedriger waren. Wenn er jetzt verkauft, da die Preise in den Himmel geschossen sind, könnte er seinem Geschick beim Einfädeln von cleveren Geschäften alle Ehre machen.

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