Xstrata/Anglo
“Zusammenschluss unter Gleichen” schwer zu verkaufen

Die Minengesellschaft Xstrata gibt sich freundlich bei ihrem 70-Milliarden-Dollar-Fusionsangebot an den südafrikanischen Konkurrenten Anglo American. Dabei versucht Xstrata wirklich nur aus Anglos Schwäche Kapital zu schlagen. Aber Anglo wird um den Zusammenschluss nicht herumkommen und will eine feindliche Übernahme vermeiden. Mit anderen Worten, Xstrata könnte widerwillig willkommen geheißen werden.
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Xstrata versucht mit einem 70-Milliarden-Dollar-Angebot Anglo American zu einem "Zusammenschluss unter Gleichen" zu bewegen. Und der in London gelistete Minengigant drängt seinen südafrikanischen Rivalen förmlich an den Verhandlungstisch, indem er sich mit wachsender Begeisterung für das Geschäft einsetzt. Ein anderer Weg bleibt ihm gegenwärtig auch kaum: Anglo ist nicht scharf auf den Deal und Xstrata weiß, dass Verbindungen auf feindlicher Basis ausgesprochen mühsam zu stricken sind.

Die Fusion der beiden Unternehmen verhilft der kombinierten Gesellschaft zu einem Platz auf den vorderen Rängen der Branche, in die Liga der BHP Billitons und Rio Tintos. Xstrata ist überzeugt, dass der finanzielle Anreiz für die Hochzeit groß ist. Es heißt, dass Xstrata die positiven Effekte des Zusammenschlusses mit Anglo auf deutlich über eine Milliarde Dollar pro Jahr beziffert, Analysten rechnen mit einer Spanne zwischen plus 700 Millionen bis 1,7 Milliarden US-Dollar. Die Gewinne sollen aus dem Stellenabbau an der Führungsspitze und Steuervorteilen kommen, die das Unternehmen aus dem Schweizer Xstrata-Domizil ziehen kann. Eine Einheit Xstrata-Anglo mit den kombinierten Geschäftsbereichen Diamanten, Platin, Kupfer, Eisenerz, Zink und Nickel würde im Vergleich zu den einzelnen Unternehmen auch das Risikoprofil verbessern.

Aber Xstrata sucht in der bekannten Schwäche Anglos auch den eigenen Vorteil. Einige Anglo-Aktionäre sind, wie es heißt, vor allem nicht glücklich über Cynthia Carroll, die erste nicht südafrikanische und weibliche Führungsspitze. Sie verprasste auf der Höhe des Booms 4,4 Milliarden US-Dollar mit dem Kauf der brasilianischen Eisenerzgruppe MMX. Xstrata hält sich bei der Frage nach dem zukünftigen Chef des erweiterten Unternehmens vornehm zurück. Aber mit Sicherheit sähe man Mick Davis, Xstratas kämperischen CEO, gern in einer Führungsrolle.

Im vergangenen Jahr noch gab sich Xstrata deutlich aggressiver, als das Unternehmen einen 25-Prozent-Anteil an der Platinmine Lonmin übernahm. Die neue Wärme ist wohl eher der Notwendigkeit zu verdanken, die Bedenken der Politiker gegen Verbindungen mit Ausländern zu zerstreuen. Auch wenn die staatliche Rentenkasse Südafrikas vielleicht nur einen 5-prozentigen Anteil an Anglo hält, so ist ihr informeller Einfluss auf die Minengesellschaft doch größer. Allerdings besitzt Xstrata den Vorteil eines südafrikanischen Vorsitzenden. Auch ihr Hauptaktionär, Glencore, wird von einem gebürtigen Südafrikaner, Ivan Glasenberg, geleitet.

Aber die betonte Freundlichkeit wird Xstrata nur bedingt helfen. Carroll könnte den Verdacht hegen, dass der vorgeschlagene "Merger of Equals", nur ein Versuch von Davis ist, die Führung bei Anglo zu übernehmen, ohne dafür eine Prämie zahlen zu müssen. Hinzu kommt, dass Anglo der erwarteten gigantischen Wertschöpfung, die durch die Verbindung entstehen soll, skeptisch gegenübersteht. Nach Aussagen von Personen, die dem Unternehmen nahestehen, rechnet man dort eher mit nur halb so hohen positiven Effekten wie Xstrata glauben machen will.

Xstrata macht bereits deutlich, dass man mit einer Zustimmung zu der Fusion rechnet. Aber ohne freundliche Einigung wird Xstrata nichts anderes übrigbleiben, als entweder mehr zu bieten als den "Zusammenschluss unter Gleichen" oder härtere Bandagen anzulegen.

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