Xstrata/Glencore: Schweizer Konflikte

Xstrata/Glencore
Schweizer Konflikte

Die schweizerische Rohstoffhandelsgruppe Glencore ist der größte Aktionär von Xstrata. Aber Glencore ist gleichzeitig auch Vertreter, Zulieferer und Kunde der britischen Minengesellschaft. Sich an der Offerte von Vale für Xstrata über 90 Mrd. Dollar mit dem Kauf von Aktien zu beteiligen, könnte dazu beitragen, dass sich der Einflussbereich von Glencore vergrößert.

Mick Davis hat sich bei Xstrata einen so großen Namen gemacht, dass man denken könnte, es sei seine eigene Firma. Indem er große Konkurrenten zu einem günstigen Zeitpunkt im Metall-Zyklus gekauft hat, hat Davis in gut fünf Jahren aus einem kleinen Fisch über zwei Mrd. Pfund Sterling einen 36 Mrd. Pfund schweren Hecht hochgepäppelt. Jetzt ist Xstrata selbst ins Visier der brasilianischen Bergwerksgesellschaft Vale geraten. Davis, der bewiesen hat, dass er am unteren Ende des Markts kaufen kann, hat die ideale Gelegenheit, fast auf dem Höhepunkt zu verkaufen.

Aber es steht nicht in seiner Macht, Xstrata zu verkaufen. Glencore, der schweizerische Rohstoffhändler in Privatbesitz, hält bei Xstrata die meisten Fäden in der Hand. Die Gruppe hält einen Anteil von 35 Prozent. Ihr Verwaltungsratspräsident Willy Strothotte ist auch der Chairman von Xstrata. Der Konzernchef von Glencore, Ivan Glasenberg, ist auch Mitglied des Board von Xstrata. Und Glencore ist auch nicht nur auf die Rolle eines Investoren beschränkt: Die Gruppe ist zudem Kunde, Zulieferer, Konkurrent und Handelsvertreter von Xstrata.

Die anderen Aktionäre können nicht notwendigerweise davon ausgehen, dass Glencore ihre Interessen teilt.

Die Beziehung zwischen Glencore und Xstrata ist vielschichtig. Die Schweizer vermarkten Chrom, Nickel und Vanadium von Xstrata und beraten das britische Bergbauunternehmen beim Verkauf von Kohle – alles gegen eine Gebühr. Bei Chrom, zum Beispiel, fallen für Glencore oft fünf Prozent ab. Das könnte erklären, warum Glencore nur daran interessiert ist, als Teil einer Offerte Aktien zu übernehmen, verlautete aus mit der Situation vertrauten Kreisen. Ein großer Anteil an einer Minengesellschaft von riesigen Ausmaßen könnte es Glencore ermöglichen, ihre lukrativen Dienste auszubauen.

Der potenzielle Interessenskonflikt ist subtil. Glencore würde wahrscheinlich immer noch einen Aufschlag verlangen, um sich den größtmöglichen Anteil an der neuen Gesellschaft zu sichern. Aber was Vale Glencore bietet, muss sie auch den anderen Aktionären bieten. Stimmberechtigte Aktien an alle auszugeben, die daran interessiert sind, könnte bei der brasilianischen Regierung nicht sonderlich gut ankommen, die mehr als die Hälfte der Aktien von Vale kontrolliert. Das könnte sogar dazu führen, dass der Deal gar nicht zustande kommt.

Eine weitere Schwierigkeit wäre ein Gegengebot – etwa vom Konkurrenten Anglo-American. Während Vale vorwiegend mit Eisenerz handelt, bei dem die Marketing-Expertise von Glencore nicht groß gefragt ist, ist Anglo mehr auf Basismetalle ausgerichtet, wo es schon eher auf Glencores Fachwissen ankommt. Eine Offerte von Anglo würde Glencore daher ein größeres Potenzial bieten, seinen Einflussbereich zu erweitern. Die unabhängigen Mitglieder des Verwaltungsrat bei Xstrata, die vom ehemaligen Legal & General-Manager David Rough angeführt werden, müssen sicherstellen, dass Glencore nicht die anderen Investoren dazu drängt, sich auf ein zweitbestes Gebot einzulassen.

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