Yahoo
Hoppla?

Der Chairman und der CEO von Yahoo seien mit komfortablem Vorsprung gewählt worden, hatte das Internetunternehmen anfänglich mitgeteilt. Nachdem aber nun in einem außerordentlichen Vorgang das Abstimmungsergebnis revidiert werden musste, kommt das Bild einer ausgeprägten Protestwahl zum Vorschein. Da kommen Fragen auf.

Der Chairman von Yahoo, Roy Bostock, und der Chief Executive der Firma, Jerry Yang, seien mit komfortabler Mehrheit gewählt worden, hatte die Internetfirma am 1. Juli mitgeteilt. Vier Tage später stellte sich plötzlich heraus, dass die Abstimmung viel knapper ausgefallen war als gedacht. Schuld daran ist offenbar ein Auszählungsfehler des unabhängigen Dienstleisters, der mit der Abwicklung der Wahl betraut worden war. Fast 40 Prozent der Aktionäre hatten Chairman Bostock die Stimme vorenthalten und mehr als ein Drittel war dem Chief Executive Jerry Yang versagt worden. Zudem gab es beträchtliche Stimmen gegen zwei Mitglieder des Vergütungskomitees des Boards. Die vermasselte Stimmenauszählung wirft Fragen auf - und zwar nicht nur darüber, wie dieser Fehler zustande kommen konnte.

Haben Bostock - und zu einem geringeren Ausmaß auch Yang - überhaupt ein Mandat? Bostock mag die Mehrheit der Stimmen auf sich gezogen haben, aber nominierte Board-Mitglieder vereinigen sowohl das Gewicht der Trägheit als auch die Vorteile der Amtsinhaberschaft auf sich. Die Broker setzen gewöhnlich, wenn auch nicht immer, die auf ihren Namen registrierten Wertpapiere, die sich jedoch im Besitz von Kunden befinden, zu Gunsten des Managements ein. Ohne diese Stimmen wäre der Abstand sogar noch knapper ausgefallen, oder vielleicht gar nicht mehr messbar gewesen. Auf jeden Fall führt ein solch umfassender Schlag gegen ein Board-Mitglied oft zum Rücktritt, damit der Betreffende sein Gesicht wahren kann - eines der berühmtesten Beispiele ist Michael Eisner, der das Spitzenamt bei Disney aufgegeben hatte, nachdem sich 43 Prozent der Investoren gegen ihn ausgesprochen hatten.

Und noch etwas bleibt zu hinterfragen: Yahoo war vor der Wahl vermutlich jeden Tag mit den Großaktionären in Kontakt. Viele Aktionäre des Unternehmens haben dem Management vorgeworfen, ihre Wünsche nicht angemessen zu berücksichtigen - besonders wenn es um die Ablehnung des von vielen Außenstehenden als großzügig empfundenen Übernahme-Angebots durch Microsoft ging. Ist Yahoo so weit von ihren eigenen Aktionären entfernt, dass die Firma die ursprünglichen Ergebnisse für korrekt gehalten hat? Das scheint noch viel außerordentlicher - und für die Aktionäre Besorgnis erregender - zu sein als die Abstimmungspanne selbst.

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