Yahoo und Google
Verdorbene Ware

Das Auslagerungsabkommen zwischen Google und Yahoo hatte den Versuch von Microsoft, Yahoo zu übernehmen, vereitelt - und Google einen tiefen Einblick in das Geschäft des Konkurrenten ermöglicht. Der Gigant der Internetsuche mag sich vielleicht gerade noch rechtzeitig aus dem Pakt verabschiedet haben, bevor er bei der Regierung und den Anzeigenkunden für derart große Verärgerung gesorgt hätte, dass sie dagegen vorgegangen wären.

Google schwört, nicht bösartig zu sein. Aber die Art und Weise wie die Internetfirma die Schwächen des Konkurrenten Yahoo ausgespielt hat, hätte sicher Machiavellis kaltes Herz erwärmt. Die Firma hatte sich am Mittwoch abrupt aus einem Pakt zurückgezogen, einen Teil der suchbezogenen Werbung von Yahoo zu verkaufen. Diese Übereinkunft war als Bestandteil des erfolgreichen Versuchs von Yahoo ausgehandelt worden, eine unerwünschte Übernahme von Microsoft abzuwehren. Nachdem Google nun einen tieferen Einblick in die Geschäfte von Yahoo gewonnen hat, lässt das Unternehmen den Konkurrenten wie verdorbene Ware zurück und verabschiedet sich, bevor das Abkommen in Kraft getreten ist und die Aufsichtsbehörden und Anzeigenkunden dermaßen verärgert hätte, dass sie zum Handeln gezwungen gewesen wären.

Google hatte behauptet, der Deal wäre den Verlegern, Werbetreibenden und Nutzern gleichermaßen zu Gute gekommen, indem er den Nutzern von Yahoo relevantere Anzeigen geliefert hätte. Schon möglich. Eindeutig ist jedoch, dass Google durch die Zusammenlegung der Aktivitäten der beiden Unternehmen einen Rivalen kastriert und damit ihre bereits bestehende Vormachtstellung in der von Werbung begleiteten Internetsuche weiter ausgebaut hätte. Der Rückzug war unvermeidlich, weil die Kunden und die Regierungen gewöhnlich allergisch auf Monopole reagieren. Die Inserenten hatten sich beschwert. Und das US-Justizministerium hatte schon seine Gesetzesmühlen in Gang gesetzt, um den Pakt zu blockieren.

Auf jeden Fall hat die geplante Zusammenarbeit aus der Perspektive von Google Wunder bewirkt. Die Konkurrenten Microsoft und Yahoo hatten mehrere Monate damit zugebracht, der Schimäre einer Verbindung von Google mit Yahoo nachzujagen und sich dabei untereinander zerstritten. Der Marktanteil von Google ist weiter gewachsen und die Barrieren, mit der die Firma ihre Stellung sichert, wurden weiter verstärkt. Und jetzt kann Google sogar noch einen relativ eleganten Abgang hinlegen. Die Firma behauptet, ihre Bemühungen nur deshalb aufgegeben zu haben, um damit den Bedenken der Kunden und der Regierung Rechnung zu tragen.

Google scheint seine Karten außerordentlich gut ausgespielt zu haben. Doch noch sind nicht alle Karten auf dem Tisch. Das Unternehmen hat die Kontroversen weitgehend vermieden, die entstehen, wenn eine Technologie-Firma de facto eine Vormachtstellung bezieht. Google wird es vielleicht noch bereuen, sich vor den Aufsichtbehörden und Kunden mit Monopolbedenken herausgeredet zu haben.

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