Yen-Anstieg
Eine Intervention wäre das geringere Übel

Der Yen sollte nicht steigen. Eine in die Höhe schnellende japanische Währung würde die Deflation verschlimmern, die gerade wieder Einzug in Japan gehalten hat. Wenn der Yen weiter klettert, werden die zuständigen Behörden einschreiten. Eine Intervention wäre das geringere Übel.
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Warum steigt der Yen? Vielleicht weil die japanische Währung derzeit der Vorstellung eines sicheren Hafens weltweit noch am nächsten kommt. Denn der Dollar durchwandert die Nullzins-Tiefebenen, die Bank of England druckt Pfundnoten wie geblümtes Toilettenpapier, der Euro ist überbewertet und der chinesische Renminbi schwer zugänglich.

Aber die äußerst niedrigen Zinsen Japans stehen denen des Dollar in Nichts nach. Das japanische Haushaltsdefizit, das fast acht Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) beträgt, liegt gar nicht so weit hinter dem amerikanischen zurück. Und die Staatschuld des Landes, die bald das Doppelte des BIP erreicht haben könnte, ist zwei Mal so massiv wie die US-Verschuldung. Und am schwersten wiegt, dass Japan das Land ist, dessen politischer Kurs seit Jahren auf die Verbannung der Deflation ausgerichtet ist - und keinen Erfolg dabei hat. Die Verbraucherpreise lagen im September um 2,2 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Angesichts der enormen Schuldenlast ist eine Deflation ungefähr das Letzte, was Japan jetzt brauchen kann: Wenn die Preise und Löhne fallen, wird die Verschuldung zu einem immer größeren Problem.

Es ist also nicht so einfach, eine rationale Erklärung dafür zu finden, warum der Yen derzeit gegenüber allen Währungen anzieht und gegenüber dem übermäßig schwachen Dollar gar ein Vierzehnjahres-Hoch verzeichnet.

Der Anstieg könnte vielleicht zu einem großen Teil daher rühren, dass der Dollar die frühere Rolle des Yen als bevorzugte Finanzierungswährung für Spekulanten übernommen hat.

Nachdem die von den Nachrichten aus Dubai verschreckten Investoren am Donnerstag Zuflucht bei "Währungen des sicheren Hafens" suchten, legte der Yen noch weiter zu. Selbst der Dollar bewegte sich nach oben - außer gegenüber dem Yen und dem Schweizer Franken, der möglicherweise durch die Schweizerische Nationalbank gestützt wurde.

Die japanischen Exporteure und Einzelhändler schreien vor Schmerzen laut auf, die zuständigen Behörden haben mit Worten reagiert. Finanzminister Hirohisa Fujii sagte, es könnten "angemessene Schritte" unternommen werden, um mit "extremen" Währungsbewegungen umzugehen.

Aus Worten könnten Taten werden: Die Bank of Japan könnte, möglicherweise in Übereinstimmung mit anderen Notenbanken, Dollar kaufen und Yen verkaufen. Mit einer solchen Intervention könnte fast sicher gerechnet werden, wenn der Yen, der derzeit mit 86,5 zum Dollar gehandelt wird, die Schwelle von 85 zum Dollar überschreitet.

Es wäre richtig, zu intervenieren. Der Anstieg des Yen ist eine unter vielen verdrehten Bewegungen, die die Märkte derzeit vollführen. Japan kann es sich nicht leisten, nicht dagegen vorzugehen.

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