Yves-Saint-Laurent-Auktion
Auftrieb für den Kunstmarkt

Die bei der Yves Saint Laurent-Auktion in Paris erzielten Rekordpreise für Werke von Matisse und Brancusi mögen dem abgeschlagenen Kunstmarkt Auftrieb gegeben haben. Doch repräsentativ war diese Versteigerung nicht - dafür sorgten die Umgebung, der Verkäufer, die Auswahl und die Nachfrage aus der Golf-Region. Es ist unwahrscheinlich, dass die Auktion eine Schicksalswende für den Kunstmarkt einläutet.

Die Kunst triumphierte über die Realität - und sei es auch nur für einen flüchtigen Moment. Am Anfang dieser Woche legten Kunstenthusiasten 264 Mill. Dollar für impressionistische und moderne Werke hin, die der Modedesigner Yves Saint Laurent und sein Partner Pierre Bergé gesammelt hatten. Für Arbeiten von Matisse, Brancusi, Mondrian und andere wurden Rekordpreise erzielt. Der Erfolg dieser Nacht bildete einen deutlichen Kontrast zu den Winterauktionen, die erst vor wenigen Wochen stattgefunden hatten und enttäuschend verlaufen waren. Jetzt wird mit großer Spannung auf fünf weitere Lose aus dem Besitz des verstorbenen Modekönigs gewartet, die in dieser Woche zur Versteigerung kommen sollen. Aber es ist unwahrscheinlich, dass die Veranstaltung eine Schicksalswende für den globalen Kunstmarkt eingeläutet hat.

Die eindrucksvolle Show am Montag war nämlich von einer ganzen Reihe von Sonderfaktoren geprägt. Zunächst einmal der Veranstaltungsort: Um Paris wieder in den Auktionskreislauf einzuschleusen, stellte der französische Präsident Nicolas Sarkozy das glamouröse Grand Palais zur Verfügung. Das nächste Zugpferd war natürlich Saint Laurent selbst, dessen Geschmack als erlesen galt. Eines der verkauften Werke Mondrians diente ihm als Inspiration für eine seiner berühmtesten Kollektionen. Zudem trug die Veranstaltung auch noch das Siegel von Christie's. Bergé besitzt zwar selbst ein Auktionshaus, doch hielt er es für angemessen, sich der Zugkraft des globalen Auktionators zu bedienen, um das Profil des Ereignisses noch weiter zu schärfen.

Und schließlich fiel auch noch etwas Glanz aus Vorderasien auf das Ereignis. Die Qualität und der Seltenheitswert der Sammlung zog große Aufmerksamkeit von Interessenten aus Abu Dhabi und Katar auf sich, die Meisterwerke für die Museen in der Wüste suchen, welche sie gerade aufbauen. Käufer im Auftrag dieser Staaten boten angeblich mehrfach für die gesamte Sammlung. Bergé soll dies aber niemals ernsthaft in Betracht gezogen haben. Trotzdem war das Interesse der Golfstaaten offenkundig und mehr als nur ein paar der begehrten Stücke dürften mit Sicherheit dort wieder auftauchen.

Da sich ihr Vermögen verflüchtigt, treten viele Reichen dieser Welt nun als Verkäufer und nicht als Käufer von Kunst in Erscheinung. Es wäre also töricht, sich zu überschwänglich über die Implikationen dieses Abends zu freuen. Christie's mag ein wenig übertrieben haben, als das Auktionshaus die Versteigerung als den Verkauf des Jahrhunderts pries - der Verkauf der Dekade wäre vielleicht zutreffender gewesen. Aber nur weil ein paar Milliardäre tief in die Tasche gegriffen haben, um sich einige seltene Arbeiten, die sich im Besitz eines einzigartigen Sammlers befunden hatten und die auf einer einmaligen Bühne präsentiert wurden, zu sichern, heißt das noch lange nicht, dass sich der Kunstmarkt über diese Ausnahmesituation der Weltwirtschaft hinwegsetzen kann.

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