Zain-Übernahme
Die Rückkehr der astronomischen Bewertungen

Emerging-Market Telekoms sind heiß begeht – sie sind sogar so gefragt, dass die Bewertung, die ein asiatisches Konsortium jetzt dem in Kuwait beheimateten Telefonnetzbetreiber Zain Telekom zumisst, schon aberwitzig erscheint.
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Ein Konsortium aus indischen und malaysischen Investoren will 14 Mrd. Dollar für einen 46-Prozent-Anteil an dem in Kuwait beheimateten Telekombetreiber Zain zahlen. Selbst wenn man die Positionierung des Unternehmens auf den Wachstumsmärkten Afrikas mit ins Kalkül zieht, scheint diese Bewertung gigantisch, verglichen mit dem Preis, den Zains jüngster Interessent Vivendi jetzt für vergleichbare Werte in Brasilien zahlen will.

Nach Angaben der kuwaitischen Kharafi Gruppe, einem Familienkonglomerat, das die verkaufswilligen Aktionäre vertritt, haben sich Indiens Vavasi Konzern und der malaysische Milliardär Syed al-Bukhary darauf geeinigt, 13,7 Mrd. Dollar für einen 46-prozentigen Anteil an Zain auf den Tisch zu legen.

Mit dem Angebot bewerten die Investoren bewerten das Gesamtunternehmen Zain mit 30 Milliarden Dollar - ein fürstlicher Preis. Mit zwei Kuwaiti-Dinar pro Zain-Aktie zahlen sie einen 89-prozentigen Aufschlag auf den Börsenkurs vom 9. Juli - dem Datum, an dem das Unternehmen bekannt gab, mit dem französischen Konglomerat Vivendi über einen Verkauf seiner afrikanischen Aktivitäten zu verhandeln. Das Afrikageschäft steuert rund 60 Prozent der Kunden und 15 Prozent der Nettogewinne bei Zain bei. Wenig später endeten die Gespräche mit Vivendi ergebnislos.

Der asiatische Vorschlag bewertet Zain mit dem Zehnfachen seiner für dieses Jahr erwarteten Gewinne (EBITDA). Berücksichtigt man die geringere Besteuerung in den Golfstaaten, erscheint die Bewertung vielleicht etwas weniger übertrieben. Aber der Nahe Osten gilt im Hinblick auf die Durchdringung mit mobilen Telekommunikationsdiensten als reifer Markt, daran ändert auch Zains Engagement auf den wachstumsstarken Märkten Afrikas nichts. So ist es schwer zu begreifen, warum Zain so viel mehr wert sein soll als GVT auf dem Wachstumsmarkt Brasilien, für die Vivendi jetzt das Siebenfache der für 2009 prognostizierten Gewinne zahlen will.

Hinzu kommt, dass Zains asiatische Investoren nicht einmal eine Mehrheitsbeteiligung erwerben. Der Anteil von 46 Prozent steht neben einer 25-Prozent-Beteiligung des kuwaitischen Staats. Die Regierung besetzt zwar nur einen Sitz im Verwaltungsrat und ist nach Angaben aus informierten Bankenkreisen zufrieden damit, dass die Kharafi-Gruppe mit ihrer direkten Beteiligung von weniger als 15 Prozent die Hälfte des Leitungsgremiums kontrolliert. Aber eine Garantie dafür, dass auch Zains neue ausländische Anteilseigner so viel Einfluss auf den kaum regulierten kuwaitischen Markt haben werden, ist das noch lange nicht.

So oder so, noch ist das Geschäft nicht in trockenen Tüchern. Über den indischen Vavasi-Konzern ist wenig bekannt und das Konsortium könnte noch um zwei weitere staatliche indische Telekomunternehmen erweitert werden. Noch scheinen die asiatischen Investoren auch nicht unter sich ausgemacht zu haben, wie sie den Einkauf unter sich aufteilen wollen. Unklar ist darüber hinaus die Finanzierung des Deals. Wenn das Geschäft wirklich zustande kommt, kann sich der Verkäufer freuen. Das aber ist noch ein großes Fragezeichen.

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