Zentralbanken
Schwierige Heilung unter Schmerzen

Die koordinierten globalen Bemühungen zur Offenhaltung der Geldmärkte führen in eine moralische Zwickmühle, und sie legen den Grundstein für künftige Inflation. Das ist immer noch besser als ein völliges Zufrieren der Märkte. Unglücklicherweise wird noch mehr getan werden müssen, um die Banken von ihrer Flucht aus dem Risiko abzuhalten.

Zentralbanken: Ärzte halten es für richtig, schmerzgeplagten Patienten Morphium zu verschreiben, auch wenn diese süchtig werden könnten. Die koordinierten Liquiditätsspritzen der Zentralbanken weltweit ähneln dieser Praxis. Sie sind bedauerlich, aber notwendig.

Auf verschiedenen Wegen bieten die Zentralbanken Hilfe an, etwa indem langfristige Mittel zu niedrigeren Zinsen auch bei schlechteren Sicherheiten bereitgestellt werden, oder indem Banken außerhalb der USA mit US-Dollars versorgt werden. Die damit verbundene Botschaft ist wichtiger als die Details. Die koordinierten Ankündigungen vom Mittwoch zeigten den festen Willen, die Geldmärkte wieder zurück in den Normalzustand zu bringen.

Doch die Handlungen der Notenbanken sind moralisch fragwürdig. Man hilft leichtfertigen Banken aus der Klemme, die mit riskanten Krediten bis vor kurzem hohe Gewinne erzielten – und diese längst in ihre Taschen gesteckt haben. Zwar leiden diese Banken unter Kursverlusten, die ohne die Rettungsaktionen der Zentralbanken jedoch wesentlich höher ausgefallen wären. Auf diese Weise besteht für Banker der Anreiz, sobald wie möglich erneut gegen das Finanzsystem zu wetten.

Die übermäßige Bereitstellung von Liquidität schafft zudem die Grundlage für künftige Inflation, die ohnehin schon in der Weltwirtschaft durchschimmert. Die Finanzklemme nötigt Notenbanken zum Eingehen von Risiken, die sie lieber vermeiden würden.

Der fatale Effekt der übermäßigen Unterstützung wird erst in der Zukunft sichtbar werden, während die Sünden der Banken in der Vergangenheit liegen. Gegenwärtig besteht das größte Risiko für das Finanzsystem darin, dass Unternehmen scheitern, weil sie nicht genügend kurzfristige Mittel zu bezahlbaren Konditionen bekommen – oder ihnen Kredite ganz versagt werden. Diese unschuldigen Opfer brauchen Hilfe, und die Zentralbanken tun gut daran, diese Hilfe anzubieten.

Morphium macht süchtig, weil man immer mehr davon braucht, um den Schmerz zu vertreiben. Auch das Finanzsystem braucht zur Gesundung wohl noch größere Finanzspritzen. Umso mehr müssen sich die Verantwortlichen vorbereiten auf den Moment, indem die Droge abgesetzt wird.

Was sie tun müssen? Ein Anfang wäre das Versprechen, künftige Spekulationsblasen im Keim zu ersticken und die Grundsätze der Bankenregulierung zu überdenken. Auf diese Weise könnte die Liquiditätsdroge vielleicht künftig im Giftschrank bleiben, hinter verschlossenen Türen.

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