Kolumnen
Zins wird überschätzt

Der Zins, den die EZB diese Woche erhöht, wird weit überschätzt.

Der Zins, den die EZB diese Woche erhöht, wird weit überschätzt. Man muss sich nur die zahlreichen Angebote für Billigkredite anschauen, die jetzt beinahe jeder per Post bekommt.


 Man bekommt Geld zurzeit fast nachgeschmissen - das wird vor allem deutlich, wenn man noch die Inflationsrate abzieht. Zwar ist der Konsumkredit dementsprechend auch ein Wachstumsgeschäft. Aber die deutschen Verbraucher gehen trotzdem nicht in die Vollen und verbrauchen viel. Das hängt gar nicht am Zins. Viele Leute haben genug Geld auf der hohen Kante, könnten mehr kaufen. Und weil man für sein Geld als Anleger auch nichts mehr bekommt, würde das naheliegen. Trotzdem bleibt der deutsche Verbraucher zurückhaltend.

Es gibt viele Gründe dafür. Zum einen haben viele Leute alles, was sie brauchen - jedenfalls, die, die sich noch mehr leisten könnten. Konsum als Prestige ist in Deutschland nicht angesagt, selbst Leute mit wirklich dickem Konto wohnen vergleichsweise bescheiden und protzen nicht - und den BMW haben sie ohnehin schon. Deswegen ist irgendwann das Ende der Wünsche erreicht. Dazu kommt eine gewisse Verunsicherung, das Gefühl, dass sich schon der Staat ungeheuer ver schuldet und die Privatleute das nicht auch noch tun können - und dieses Gefühl ist ja auch berechtigt. Deswegen wird der Einfluss der Zinsen auf die Konjunktur wahrscheinlich weit überschätzt. Viel wichtiger ist die Frage, ob die Regierung es schafft, die Bürger zu überzeugen, dass sie die Finanzen wirklich in Ordnung bringt. Wenn das gelingt, hat das viel mehr Bedeutung als eine Zinsänderung.

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