Zinsentscheid der Fed
Die US-Zinsen sind niedrig genug

Heute entscheidet die US-Notenbank über die Leitzinsen. So verlockend es auch sein mag, die Zinsen mitten in einem Abwärtssog der Märkte zu senken, würde ein solcher Schritt doch die die Wirtschaft weiter destabilisieren und die Inflation anheizen. Die Fed stellt dem Bankensystem schon genug Liquidität bereit. Sie muss dafür nicht auch noch die Zinsen zurücknehmen.

Die realen US-Zinsen sind weiterhin negativ. So verlockend es auch sein mag, sie mitten in einem Abwärtssog der Märkte zu senken, würde ein solcher Schritt doch die Gefahr mit sich bringen, die Wirtschaft weiter zu destabilisieren und die Inflation anzuheizen. Die US-Notenbank Federal Reserve, deren Offenmarktausschuss sich an diesem Dienstag trifft, stellt dem Bankensystem Liquidität bereit. Sie könnte damit weitermachen, selbst wenn die Zinsen höher wären. Und sie muss dafür sicher die Zinsen nicht zurücknehmen.

Die Pleite von Lehman Brothers und der überstürzte Verkauf von Merrill Lynch kann wohl teilweise der Zinspolitik, die die Fed seit mehr als einem Jahrzehnt verfolgt hatte, angelastet werden. Sie hat 13 Jahre lang in jedem Jahr die Geldmenge, gemessen am Aggregat M3, um durchschnittlich vier Prozent schneller ausgeweitet als die nominelle Produktion betragen hatte. Zusammen mit den aggressiven Zinssenkungen durch den ehemaligen Notenbankchef Alan Greenspan, nachdem die spekulative Blase am Aktienmarkt 2000 geplatzt war, hat dies die Kosten der Mittelaufnahme unter die Inflationsrate gedrückt und die Aufwärtstendenzen der Preise der Vermögenswerte angefacht. Das wiederum hat den Einsatz von Fremdkapital in der gesamten Wirtschaft, und besonders an der Wall Street, angestachelt. Jetzt da sich die Märkte gedreht haben, sind es diejenigen, die überschuldet sind, die sich am verletzlichsten erwiesen haben.

Das Treffen der US-Notenbanker in dieser Woche kommt zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Denn die Unsicherheit der Märkte nach dem Ruin von Lehman Brothers und dem Verkauf von Merrill Lynch und angesichts der Turbulenzen um Finanzfirmen wie American International Group und Washington Mutual ist weiterhin außergewöhnlich hoch. Damit fällt eine unter anderen Umständen eigentlich wünschenswerte Erhöhung der Zinsen flach, mit Hilfe derer die Inflation und die anderen ökonomischen Verzerrungen angepackt hätten werden können, die durch eine fortgesetzte Politik des billigen Geldes hervorgebracht worden sind.

Umgekehrt scheinen Forderungen nach einer Senkung der Zinsen fehlgeleitet zu sein. Die Fed hat umfassende Liquiditätsfazilitäten für die Finanzbranche eingerichtet und diese jetzt noch einmal ausgeweitet. Diese sollten verhindern, dass eigentlich lebensfähige Institute in eine Liquiditätsklemme geraten. Allerdings sollten diese Fonds nicht mit Zinsen ausgestattet sein, die fast geschenkt sind und die dadurch eine weitere Mittelaufnahme unterstützen und den gebotenen Abbau des Fremdmitteleinsatzes verhindern würden. Die US-Tagesgeldsätze sind mit zwei Prozent ohnehin schon niedrig - weit unter dem Niveau der Eurozone und von Großbritannien. Ein jeglicher marginaler und dünn gesäter Vorteil noch niedrigerer Zinsen würde durch die potenziellen wirtschaftlichen Risiken mehr als aufgehoben.

Längerfristig müssen die Zinsen über die Inflationsrate angehoben werden. Einige Mitglieder des Offenmarktausschusses hatten schon im August die Notwendigkeit höherer Zinsen angesprochen. Sie müssen jetzt darauf hoffen, dass bald wieder Ruhe an den Märkten einkehrt, damit diese erforderliche Anpassung ihren Lauf nehmen kann.

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