Zinssenkug der Fed
Inflationäre Erwartungen

Die Zinssenkung der Fed um 75 Basispunkte sieht nach einer Panikreaktion aus. Zusammen mit dem von der US-Regierung geplanten Konjunkturpaket wird damit schon ein Großteil des Pulvers für die Rezessionsbekämpfung verschossen. Vielleicht unterstützt der Schritt die amerikanischen Immobilien- und die Kreditmärkte. Wenn er aber nicht greift, dann ist nicht mehr viel Munition übrig. Und die Gefahr steigt, dass die Inflation explodiert.

Ben Bernankes Zinssenkung zwischen zwei regulären Sitzungen des Offenmarktausschusses der US-Notenbank Fed um 75 Basispunkte riecht nach Panik. Obwohl erwartet wird, dass noch weitere Zinsrücknahmen folgen werden, geht für den Schritt der Fed – zusammen mit dem von der Bush-Regierung geplanten Konjunkturpaket – bereits ein Großteil der Munition drauf, die der Regierung zur Bekämpfung einer Rezession zur Verfügung steht.

Vielleicht ist es auch ein kluger Schachzug – schließlich wendet man einen Abschwung am besten schon ab, bevor er sich in eine verheerende Niederlage verwandelt hat. Aber wenn die Taktik nicht zu einer Stützung der US-Immobilien- und der Kreditmärkte beiträgt, dann bleiben der Regierung nur noch wenige Alternativen. Und die Entscheidung der Fed läuft Gefahr, eine Inflation im zweistelligen Bereich zu entfachen. Wobei dies, für sich genommen, den stark in Mitleidenschaft gezogenen amerikanischen Hausbesitzern zu Gute kommen könnte.

Zum ersten Mal seit September 2001 hat die US-Notenbank damit wieder eine Zinsentscheidung zwischen zwei regulären Sitzungen des Offenmarktausschusses gefällt. Es war der größte Zinsschritt auf einen Schlag seit 1982. Die Zentralbank rechtfertigt den Eingriff mit den sich verschlechternden Bedingungen auf den Finanzmärkten, mit der Verschärfung der Lage auf den US-Immobilienmärkten und mit dem Nachgeben des Arbeitsmarkts. Die kurzfristigen Zinsen liegen jetzt weit unter der Verbraucherpreisinflation, die über vier Prozent beträgt.

Zusammen mit dem von der US-Regierung vorgeschlagenen Paket von Steueranreizen, das rund ein Prozent des US-Bruttoinlandsprodukts ausmachen soll, müsste der Schritt der Fed die wirtschaftlichen Aktivitäten eigentlich kräftig ankurbeln. Aber er wird dort nicht greifen, wo eine Unterstützung am nötigsten wäre.

Für die in Schwierigkeiten geratenen Schuldner von Hypothekendarlehen zweitklassiger Bonität („Subprime“) wird die Zinsentscheidung wenig bewirken. Ihre Hypotheken werden zu einer Spanne über dem Kreditzins für erstklassige Kunden umgeschuldet. Das sind immer noch 6,5 Prozent oder darüber. Daher wird ein Subprime-Schuldner, der nicht refinanzieren kann, in einer Zinsfalle gefangen bleiben, die weit über der Inflationsrate und über den derzeitigen Hypothekenzinsen für erstklassige Darlehensnehmer liegt.

Auch weitere Zinssenkungen und Steuererleichterungen werden da wahrscheinlich nicht helfen, wenn der Kreditnehmer nicht umschulden oder sein Haus verkaufen kann. Da die Kreditanbieter ihre Vergabekriterien verschärfen und die Bestände an unverkauften Eigenheimen immer noch zunehmen, stehen die Chancen dafür schlecht.

Allerdings könnten negative reale Zinsen den Subprime-Schuldnern auf andere Art und Weise helfen: indem sie die Teuerung anheizen. Da die Löhne im Allgemeinen mit den Preisen mitziehen, könnte ein kräftiger Anstieg der Inflation die Löhne nach oben drücken und damit die Häuser wieder erschwinglicher machen. Dies könnte auch den Rückgang der Immobilienpreise abfedern, das Verkaufsvolumen erhöhen und die Kreditqualität der Hypotheken steigern. Die Gläubiger werden ihre Rückzahlungen zwar in Form eines abgewerteten Dollar erhalten, aber die Ausfälle werden seltener.

Natürlich wäre eine zweistellige Inflation zusammen mit negativen Realzinsen für die meisten anderen Sektoren der Wirtschaft ein Desaster - aber jetzt mal langsam: Ein Problem nach dem anderen!

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