Zu viele Schulden angehäuft
Schaeffler-Probleme werden zum Nervenkrieg

Schaeffler und die Banken des Automobilzulieferers haben sich auf ein nervenaufreibendes Spiel mit der Bundesregierung eingelassen. Aber die sollte sich nicht dazu hinreißen lassen, das Ungemach von Schaeffler und seinen Kapitalgebern teilen zu wollen.
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Das fränkische Familienunternehmen hatte sich im vergangenen Jahr mit der Übernahme des Automobilzulieferers Continental über 12 Mrd. Euro zu viel zugemutet. Dabei musste sich Schaeffler heftig mit Krediten beladen, um den Deal mit dem Unternehmen, das hinsichtlich des Umsatzes dreimal so groß ist wie es selbst, über die Bühne zu bringen. Und jetzt hat der Wälzlagerhersteller Schwierigkeiten bei den Zinszahlungen. Schaeffler und seine Kapitalgeber hoffen deshalb auf das rettende Eingreifen des Staats.

Über die finanzielle Situation der Firma dringt wenig nach draußen. Nach eigenen Angaben braucht das Unternehmen jedoch neue Mittel über bis zu sechs Mrd. Euro, um den Betrieb bei Schaeffler und Continental aufrecht zu erhalten, die beide von der Flaute in der Autobranche schwer in Mitleidenschaft gezogen wurden. Die Hauptgeldgeber des Familienbetriebs, die Commerzbank und die Royal Bank of Scotland, haben vor kurzem eine weitere Kreditfazilität über eine Mrd. Euro bereit gestellt. Damit hat Schaeffler ein wenig Zeit gewonnen, um eine Lösung zu finden.

Zu Recht hat die Bundesregierung darauf verwiesen, staatliche Hilfen nicht eher in Betracht zu ziehen, bis Schaeffler sich mit seinen Gläubigern auf eine Umstrukturierung geeinigt hat. Doch es besteht die Gefahr, dass der mögliche Verlust von Tausenden von Arbeitsplätzen in Deutschland die Wahrnehmung der Verantwortlichen vor der Bundestagswahl im September trüben wird, und ihre Entschlossenheit ins Wanken gerät.

Aber die Regierung sollte sich nicht dazu hinreißen lassen, das Ungemach von Schaeffler und seinen Kapitalgebern teilen zu wollen - besonders dann nicht, wenn das eigentliche Geschäft robust ist, wie das Unternehmen ja selbst behauptet. Schaeffler und Continental verbuchten für 2007 einen Umsatz von 27 Mrd. Euro. Über die wahre Verschuldungslage von Schaeffler liegen keine klaren Angaben vor.

Aber die Firma hat vier Mrd. Euro mehr für die selbst hoch verschuldete Continental ausgegeben als ursprünglich veranschlagt, nachdem Lehman Brothers zusammengebrochen war, bevor die Übernahme-Offerte abgeschlossen werden konnte. Dies hatte mehr Continental-Investoren dazu veranlasst, ihre Aktien anzudienen, als man sich eigentlich vorgestellt hatte.

Es sieht so aus, als habe Schaeffler einfach zu viele Schulden angehäuft. Die Lösung sollte in der Schaffung einer neuen Kapitalstruktur bestehen, mit der Schaeffler umgehen kann. Die Schaeffler-Familie behauptet, es sich nicht leisten zu können, neues Eigenkapital in die Firma zu pumpen und ist bereit, eine große Portion an dem Geschäft abzugeben. Die Banken wollen zwar vielleicht keine Abschreibungen hinnehmen. Aber ein Schuldenswap, gekoppelt mit dem Verkauf von Vermögenswerten und einem neuen externen Investoren könnten die Quadratur des Kreises ohne die Hilfe der Bundesregierung schaffen. Sicher, dies würde einen heftigen Rundumschlag nötig machen. Aber diesen Schlamassel haben Schaeffler und seine Geldgeber angerichtet. Sie müssen erst noch alle zu Gebote stehenden Maßnahmen ausschöpfen, um sich da selbst wieder herauszuziehen.

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