Zulagen
Betuchte und Habenichtse der Wall Street

Bis jetzt liegt die Gesamtvergütung bei Goldman Sachs in diesem Jahr bei Plus 21 Prozent. Bei Merrill Lynch ist sie um 15 Prozent gefallen und bei Citigroup rückläufig. Um ihre Stars halten zu können, werden Merrill, Citigroup und Konsorten eine Kultur der Betuchten und der Habenichtse schaffen müssen, wenn es um die Verteilung der Bonuszahlungen geht.

Das wird das Jahr der Betuchten und der Habenichtse an der Wall Street. Historisch betrachtet, waren die Gewinne der Investmentbanken bisher immer im Einklang miteinander nach unten gegangen. In diesem Jahr hat sich die Branche geteilt, wobei einige Wertpapierhäuser, besonders Merrill Lynch und Citigroup, hinter ihren Konkurrenten wie Goldman Sachs und Lehman Brothers hinterherhinken. Damit zeichnet sich ein Dilemma für die neuen Chefs der beiden Nachzügler ab, die ihren Stars das Gleiche wie oder mehr als die Rivalen zahlen müssen.

Aber es gibt immer noch Spielraum für Überraschungen. Goldman könnte es Morgan Stanley gleich tun, die in der vergangenen Woche 3,7 Mrd. Dollar im Zusammenhang mit CDOs, also mit Wertpapieren, die mit einem Pool von Anleihen, Krediten und anderen Vermögenswerten unterlegt sind, abgeschrieben hat. Und Merrill Lynch könnte bis zum Jahresende einen Teil ihrer Verluste durch einige schnellfüßige Abschlüsse wieder wettmachen. Doch die Neun-Monats-Ergebnisse illustrieren, wie schwierig die kommende Bonusrunde für manche Banken werden wird.

Nehmen wir einmal den Anführer des Rudels. Goldman Sachs hat für seine Mitarbeiter bisher Gehälter und Nebenleistungen von 16,9 Mrd. Dollar ausgewiesen. Das ist ein Plus um 21 Prozent gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Trotzdem kann der Branchenprimus das Verhältnis zwischen der Gesamtvergütung und den Einnahmen bei rund 47 Prozent halten - das ist ein Niveau, mit dem die Investoren leben können. Im Vergleich dazu, hat Merrill für die Vergütung in diesem Jahr bisher 11,6 Mrd. Dollar verbucht. Während sich dieser Posten gegenüber dem Vorjahr zwar um 15 Prozent verringert hat, beläuft er sich aber immer noch auf 58 Prozent der Einnahmen.

Jetzt fügen wir diesen Zahlen die menschliche Komponente hinzu. Bei Merrill Lynch, die ihre Belegschaft im vergangenen Jahr um 16 Prozent vergrößert hat, würde jeder Mitarbeiter durchschnittlich rund 240 000 Dollar erhalten, wenn man die Neun-Monats-Zahlen auf das Gesamtjahr hochrechnet. Bei Goldman wären es 755 000 Dollar. Natürlich verteilen die Banken diese Gaben nicht gleichmäßig auf alle Mitarbeiter, aber die Pro-Kopf-Zahlen verdeutlichen die Zwickmühle, mit der Merrill Lynch bei der Aufteilung der Beute konfrontiert wird.

Nehmen wir einmal an, Merrill Lynch kommt zu der Überzeugung, dass sie zehn Prozent der Belegschaft - wie zum Beispiel den M&A-Bankern und den Aktienhändlern, die sich wacker geschlagen haben - ungefähr das Durchschnittsgehalt von Goldman zahlen muss. Das würde die bisher getätigten Ausgaben um 3,6 Mrd. Dollar schmälern, und es blieben noch acht Mrd. Dollar für die restlichen 58 000 Mitarbeiter übrig. Damit würden die durchschnittlichen, auf das Jahr hochgerechneten Bezüge auf weniger als 200 000 Dollar pro Person sinken.

Natürlich ist das grob vereinfachend. Aber es weist doch auf die Schwierigkeiten hin, denen sich der neue Chef von Merrill Lynch gegenüber sehen wird. Und dasselbe könnte auf Citigroup zutreffen. Der neue Boss von Merrill Lynch wird nicht nur die Finanzlage der Firma stützen müssen. Er wird sich auch mit der mürrischen Mehrheit der Belegschaft auseinander setzen müssen, die bei der "Donnernden Herde" - relativ gesehen - zu schlecht bezahlt ist.

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