Zum Glück gezwungen
Banken wollen Neujahrsgeschenk der Fed nicht würdigen

Die amerikanische Zentralbank bot den Banken vor kurzem 150 Milliarden Dollar über den Jahreswechsel zur Ausleihe an. Die als vertrauensbildende Maßnahme gedachte Liquiditätsspritze fand kaum Beachtung – trotz des mikroskopisch kleinen Kreditzinses. In Anspruch nahmen die Banken lediglich 13 Milliarden. Vor diesem Hintergrund kann die Lähmung des Kreditmarkts nicht länger mit Liquiditätsproblemen erklärt werden.

Fed Auktion: Die amerikanische Federal Reserve wird ihr Geld nicht los. Mit einer Auktion über 150 Milliarden Dollar wollte die Fed die kurzfristigen Liquiditätssorgen der Banken mildern. Die kurzfristigen Kreditmittel sollten über den Jahreswechsel zur Verfügung gestellt werden. Aber die Banken blieben der Tränke gleich scharenweise fern - lediglich Gebote über 13 Milliarden Dollar trudelten bei der Notenbank ein. Der Zins, der sich daraus ergab, erreichte gerademal die Höhe von einem halben Prozent. Der Mangel an Interesse zeigt, dass die Lähmung auf dem Kreditmarkt nicht länger auf Liquiditätsengpässe zurückzuführen ist.

Das die Banken offensichtlich keine Liquiditätssorgen mehr plagen, ist auf die Palette der Notmaßnahmen zurückzuführen, mit denen die Zentralbanken zur Hilfe eilten. Allein in den USA stellte die Fed Kredite in Höhe von fast 2 Billionen Dollar bereit. Die kurzfristigen Zinsen sind daraufhin auf breiter Front gesunken ? der Dreimonats-Libor für Dollarausleihungen hat sich im vergangenen Monat mehr als halbiert und der Satz, den die amerikanische Notenbank den Banken für Ausleihungen über Nacht in Rechnung stellt, schwankt um die Marke von einem Viertel Prozent, obwohl der Zielzins bei einem Prozent liegt.

Warum also nehmen die Banken das billige Geld nicht und vergeben wieder Kredite? Es liegt wohl an ihren massiven und anhaltenden Verlusten und den öffentlichen Überlegungen der Aufsichtsbehörden in Zukunft strengere Maßstäbe anzusetzen. So genießt der Verschuldungsabbau zurzeit oberste Priorität. Und selbst wenn die Banken nicht versuchen würden, ihre Bilanzen zu bereinigen, hätten sie im Augenblick kaum Grund, große Kreditportfolios zu schnüren. In den vergangenen Jahren haben sie sich daran gewöhnt, einen großen Teil ihrer gewerblichen Ausleihungen und ihrer Konsumentenkredite zu verbriefen und Anteile daran zu verkaufen. Jetzt liegt der Markt für solche kreditbesicherten Finanzinstrumente brach.

Hinzu kommt, dass Banken, die bereits mit Strohfeuern in ihren Bilanzen kämpfen, wenig Enthusiasmus für neue Kreditvergaben aufbringen dürften. Vor allem dann nicht, wenn allenthalben steigende Ausfallraten prognostiziert werden. Die Fed hat den Banken geholfen, den Tank wieder aufzufüllen, aber die Regierung kann ? abgesehen von Verhaltensappellen ? nur wenig tun, damit sie den Zapfhahn wieder aufdrehen.

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