19.07.2010

Schuldenkrise: Ungarn löst nur noch Kopfschütteln aus

Ungarn ist auf dem besten Weg, auf den internationalen Finanzmärkten zum Paria zu werden. Wer wie jetzt am Wochenende geschehen die Verhandlungen mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) und der EU scheitern lässt, der muss sich über entsprechende Reaktionen der Märkte nicht wundern.

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Stefan Menzel ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien. Quelle: Pablo CastagnolaLupe

Stefan Menzel ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien. Quelle: Pablo Castagnola

Die Regierung in Budapest darf sich jedenfalls schon einmal darauf einstellen, dass die Märkte dem kleinen osteuropäischen Land am Montag das Vertrauen entziehen werden. Die Landeswährung Forint wird mit ziemlicher Sicherheit gegenüber Euro, Dollar und Franken deutlich an Wert verlieren. Und für die ungarischen Staatsanleihen ist natürlich auch mit einer höheren Verzinsung zu rechnen. Sollte es dem Forint am Montag ganz schlecht ergehen, könnte sich die ungarische Nationalbank sogar zur Leitzinserhöhung gezwungen sehen.

Einen einmaligen Ausrutscher würden die Märkte und die internationalen Anleger der seit Mai amtierenden Regierung vielleicht noch verzeihen. Die konservative Führung des Landes unter Ministerpräsident Viktor Orban hat sich in den wenigen Wochen ihrer Amtszeit allerdings schon eine Reihe von Fettnäpfchen erlaubt, wodurch das Vertrauen der Märkte in die ungarische Regierung massiv gelitten hat.

Erst sprechen Regierungsverantwortliche wider alle Tatsachen davon, dass Ungarn dasselbe Schicksal wie Griechenland drohe. Dann beginnt die Regierung Orban einen Feldzug gegen die eigene Nationalbank und verlangt die Absetzung des Zentralbank-Präsidenten. Das ruft natürlich die gesamte Finanzwelt samt Europäischer Zentralbank und IWF auf den Plan, weil durch das unerklärliche Vorgehen der Budapester Regierung die Unabhängigkeit der Nationalbank in Gefahr gerät. Und als Sahnehäubchen legen sich die Verantwortlichen in Budapest jetzt noch einmal mit IWF und EU an und sorgen so für den Stopp der Unterstützungszahlungen aus dem milliardenschweren Hilfspaket.

Der ungarischen Bevölkerung ist nur zu wünschen, dass in den Regierungsstuben in Budapest bald Vernunft einzieht. Ungarn ist immer noch hoch verschuldet, die Wirtschaft wird auch in diesem Jahr nur mäßig wachsen. Weitere Fehler in der Wirtschafts- und Finanzpolitik kann sich unter diesen Umständen niemand erlauben.

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Kommentare (6)

  • 20.07. 20:25Spam melden
    [6] Deutscher unter Ungarn

    Ich kann das große Verstaendnis das die anderen Kommentare der neuen Ungarischen Regierung entgegenbringen nicht teilen. Seit sie an der Regierung ist werden nur noch polemische Entscheidungen getroffen, die jeglichen gesunden Menschenverstand missen lassen. Beispiel Bankenabgabe: Ziel der Abgabe sind Banken und Versicherungen aus dem Ausland. Institute im Besitz von Orbans Freunden wurden davon ausgenommen. Beispiel fahrlaessige Kommentare über Staatsdefizit: Um sich von der Vorgaengerregierung abzuheben, wird das Staatsdefizit größer geredet. Ergebnis, Bevölkerung leidet unter schwachem Forint.
    Selbst in Deutschland habe ich noch nie solche Fahrlaessigkeiten erlebt.

  • 20.07. 13:44Spam melden
    [5] Weltenbummlerin

    Ungarn ist das einzige Land in Europa, das versucht das Volk nicht den Interessen der Bankster zu opfern. Der Misthaufen, der sich in Deutschland Politiker schimpft, hat keine Skrupel das Volk zu Gunsten der Industrie und der Bankster zu opfern. Ein jämmlicher Haufen.

  • 20.07. 13:00Spam melden
    [4] Husar

    In Ungarn lebend kann ich den Schritt der Orban Regierung zur Bankenbesteuerung nur begrüßen. Diese Bankster haben sich in Ungarn breitgemacht und sich dumm und dämlich verdient auf Kosten des Volkes. Aber selbst einen klitzekleinen Anteil vom Gewinn abzugeben sind sie nicht bereit. Ich wünschte allen Ländern eine Regierung, die ihr gegebenes Wort vor der Wahl halten.

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