ABGABENLAST
Eindeutig zu hoch

Deutschland ist traditionell ein Hochsteuerland. Was meist ignoriert wird: Viele andere Industriestaaten sind es auch.
  • 0

Wenn, wie jetzt die OECD-Studie, ein internationaler Vergleich der Steuersysteme Deutschland nicht als Schlusslicht sieht, werden deshalb die Zahlen sofort infrage gestellt. So auch diesmal beim Vergleich der Steuer- und Abgabenquoten.

Bei derart komplexen Berechnungen lässt sich meist zu Recht argumentieren, dass sie nicht alle Faktoren gebührend berücksichtigen. Ob die Steuerlast hoch oder niedrig ist, lässt sich aus einem Vergleich tatsächlich kaum bestimmen. Allerdings nimmt das dem Zahlenwerk nicht gleich seinen Wert. Schließlich werden die Daten in den anderen Ländern auf vergleichbarer Basis erhoben. Und dabei landet Deutschland international im Mittelfeld. Österreich, gerne zum Vorbild erhoben, schneidet nicht besser ab und Skandinavien sowieso nicht. Frankreich und Italien verlangen ebenfalls hohe Steuern und Abgaben von ihren Bürgern.

Mehr als dies sagt die Studie nicht aus. Hilfreich aber ist der Hinweis, dass anders als die Steuern die deutschen Sozialabgaben vergleichsweise hoch sind. Andere Studien kommen zum selben Ergebnis; auch das aktuelle Herbstgutachten der Wirtschaftsforschungsinstitute.

Wenn es darum geht, wie viel der Staat seinen Bürgern vom Einkommen nimmt, sollte daher als Erstes auf die Sozialabgaben geschaut werden. Ein niedrigerer Beitrag zur Arbeitslosenversicherung hilft auch, die Binnenkonjunktur zu stärken. Er sollte Priorität genießen vor einer Einkommensteuersenkung. Vor allem aber gilt: Je mehr Sozialausgaben die Regierung erhöht, umso weniger Spielraum bleibt für niedrigere Abgaben und Steuern und damit für die Erhöhung der Nettolöhne.

Donata Riedel ist Handelsblatt-Korrespondentin in Berlin.
Donata Riedel
Handelsblatt / Korrespondentin

Kommentare zu " ABGABENLAST: Eindeutig zu hoch"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%