ABN Amro
Kommentar: Hut ab, Herr Hohn!

Fast sieht es so aus, als hätte es der Londoner Hedge-Fonds-Manager Chris Hohn wieder einmal geschafft: Nach seinem spektakulären Angriff auf die Deutsche Börse scheint es, als würde er erneut einen weitaus größeren Gegner in die Knie zwingen können. Vor wenigen Wochen forderte Hohn die Zerschlagung der Großbank ABN Amro. Prompt schlossen sich jetzt drei Kreditinstitute zusammen, um genau das zu tun. Die Royal Bank of Scotland, die spanische Santander und die niederländische Fortis wollen ABNkaufen und aufteilen.Konnte man bei Hohns Attacke auf die Börse noch daran zweifeln, dass der Kreuzzug des selbstbewussten, manche würden sagen selbstherrlichen Hedge-Fonds-Managers im Interesse der langfristig orientierten Aktionäre war, so sieht die Sache bei ABN anders aus. Die niederländische Bank wurde jahrelang schlecht gemanagt, sowohl strategisch als auch im Tagesgeschäft. Einzig erstaunlich ist, dass die Aktionäre nicht schon früher auf die Barrikaden gingen.

Die Geschichte von ABN birgt viele Lehren für andere Manager: Kein Konzern ist zu groß, um gegen einen Angriff von Hedge-Fonds oder Private-Equity-Investoren immun zu sein. Und wenn die Dinge erst einmal in Bewegung geraten, dann bewegen sie sich sehr schnell. Noch gestern galt es als ungeschriebenes Gesetz, dass feindliche Übernahmen in der Finanzbranche kaum möglich sind. Heute schließen sich drei Banken zusammen, um einen Wettbewerber zu zerschlagen, der bereits freundliche Übernahmegespräche mit dem britischen Geldhaus Barclays führte.So viel Aggressivität und Wagemut hätten den Chefs der drei Angreifer nur wenige zugetraut. Dies heißt aber nicht, dass das Geschäft am Ende auch zu Stande kommt. Die geplante Übernahme stellt auch in Sachen Komplexität einen neuen Rekord auf. Und genau daran kann sie auch schnell scheitern.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%