Abschaffung der Doppelspitze
Daimler muss sich um EADS kümmern

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Nach einem Katastrophenjahr feiern die EADS-Verantwortlichen den Durchbruch. Europas größter Luft- und Raumfahrtkonzern soll künftig wie ein ganz normales Unternehmen auftreten. Die unselige Doppelspitze, Ausdruck des permanenten Misstrauens zwischen Deutschen und Franzosen, ist weg. Louis Gallois führt den Konzern, der von Rüdiger Grube kontrolliert wird.

Tom Enders, bislang gleichberechtigter Co-Chef, übernimmt die Führung der Flugzeugtochter Airbus. Dies ist ein Schleudersitz: In den vergangenen zwölf Monaten sind zwei seiner Vorgänger gefeuert worden. Nun soll Enders den Vogel wieder flottmachen, der nach dem Produktionsdesaster um den Riesenairbus A380 tief in die Krise geschlittert ist. Mit viel Zuversicht kann man vom Anfang vom Ende der Krise reden. Mehr aber auch nicht.

Denn Ruhe wird bei EADS kaum einkehren. Das Grundübel des Konzerns bleibt dem Management erhalten. Die ständig divergierenden Interessen der Großaktionäre sind nur schwer vereinbar. Daimler-Chrysler und der französische Medienkonzern Lagardère wollen Geld verdienen, der Wert ihrer Anteile soll steigen. Frankreichs Regierung sieht in der EADS dagegen vor allem ein Instrument der Industriepolitik.

Nicht erst seit Nicolas Sarkozys Amtsantritt spielt Frankreich mit seinen 15 Prozent bei EADS Powerplay. Der staatliche Großaktionär, der eigentlich längst ausgestiegen sein sollte, bestimmt immer stärker die Agenda und treibt die industriellen Großaktionäre vor sich her. Es war Sarkozy, der auf eine Änderung der Führungsstruktur drängte. Und es ist ein Staatsgipfel, auf dem sie verkündet wird. Da wedelt der Schwanz mit dem Hund.

Die Deutschen dürfen sich über die Entwicklung nicht beklagen. Gleich zwei Mal hat Daimler-Chrysler als Gründungsaktionär in den letzten Monaten seine Anteile reduziert, zuletzt auf dem Höhepunkt der Airbus-Krise. Wer so handelt, darf sich nicht wundern, wenn der französische Staat die Führung übernimmt.

Daimler, Gralshüter der deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie, hat sich auch in den vergangenen Jahren wenig für die Belange von EADS interessiert. Geld und Managementkapazitäten gingen ins Autogeschäft, dort gab es genug offene Flanken. Nur zu gerne vertraute man den Erfolgsmeldungen aus Toulouse, hinterfragt wurde kaum. Deshalb wurde man von der Krise so kalt erwischt.

Nur wenn Daimler umsteuert, bleiben die Stuttgarter bei EADS mit am Steuer. Das Luftfahrtgeschäft muss im Konzern einen neuen Stellenwert erhalten, es wird mehr Geld und mehr Management als bisher benötigen. Mittelfristig steht eine Kapitalerhöhung an, und 2010 kommen EADS-Anteile auf den Markt, die Daimler im Frühjahr bei deutschen Banken geparkt hat.

Die Chancen für eine Kehrtwende stehen nicht schlecht. Chrysler ist verkauft, Daimler ist wieder flüssig. Und trotz aller Turbulenzen ist die EADS am Markt erfolgreich. Aufträge für rund 250 Milliarden Euro stehen in den Büchern, das ist in der Industrie ein beispielloses Polster. Wenn das neue Führungstrio diese Aufträge in profitables Wachstum umsetzen kann, dann sind die EADS-Anteile gut verzinst. Doch dafür benötigt insbesondere der neue Airbus-Chef Enders viel Rückendeckung aus Stuttgart.

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