Ad-hoc-Kommentar
Unterschätzte Image-Risiken

Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert! Was für normale Menschen zutreffen mag, ist sicherlich kein vernünftiger Leitspruch für Unternehmen. Der gute Ruf ist nun einmal in der Geschäftswelt ein hohes Gut. Angesichts dessen ist es umso erstaunlicher, mit welcher Sorglosigkeit viele Firmen allzu oft ihren guten Ruf aufs Spiel setzen.
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Nicht nur Marketingexperten wissen: Das Image ist Grundlage geschäftlichen Erfolgs. Reputationsrisiken müssen Unternehmen scheuen wie der Teufel das Weihwasser. Angesichts dieser kristallklaren Sachlage ist es umso erstaunlicher, mit welcher Sorglosigkeit viele Firmen allzu oft ihren guten Ruf aufs Spiel setzen. So kündigt gestern Adidas an, auch weiterhin den total verdopten Radsport zu sponsern. Zuvor hatte bereits die Deutsche Telekom entschieden, ihren an der Spritze hängenden Rennstall nicht hängenzulassen. Beide Unternehmen argumentieren damit, dass sie sich weiter für einen sauberen Radsport einsetzen wollen. Das ist natürlich völliger Quatsch, besteht doch weder der Unternehmenszweck von Adidas noch jener der Telekom darin, missionarisch einen strukturell schmutzigen Sport zu bekehren.

Dass es in der Regel für die Reputation besser ist, mit einem klaren Schlussstrich dem Schrecken ein Ende zu bereiten, auch mal einen Irrtum zuzugeben, wissen inzwischen auch die Manager von Vattenfall. Wohl selten hat ein Unternehmen innerhalb so kurzer Zeit derart nachhaltige Image-Selbstverstümmelung betrieben wie die Deutschland-Tochter des schwedischen Energiekonzerns mit ihrer salamitaktischen Kommunikation nach dem Unfall im Atomkraftwerk Krümmel. BP kann ein Liedchen davon singen, was es heißt, in der Öffentlichkeit wegen unterschätzter Sicherheitsthemen geprügelt zu werden. Und RWE leidet heute noch an den Folgen der total verunglückten Verkaufe der unter Schnee umgeknickten Strommasten. Der Markenwert, der maßgeblich vom Image getrieben wird, stellt heute einen großen Teil des gesamten Unternehmenswertes dar. Konzernlenker sollten ihn wie ihren Augapfel hüten.

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