Afghanistan
Aufgabe für Jahrzehnte

Es mag auf den ersten Blick seltsam wirken, dass Außenminister Frank-Walter Steinmeier ausgerechnet in einer Zeit nach Afghanistan fliegt, in der alle Welt über den Nahen Osten redet.

Doch gerade weil der Fokus der Weltöffentlichkeit derzeit in einer anderen Region liegt, ist die Erinnerung an die Situation am Hindukusch so wichtig.

Denn zu schnell richten sowohl Medien wie Politiker ihr Augenmerk auf neue Konflikte, obwohl die alten noch längst nicht gelöst sind. Die schweren Kämpfe mit Taliban-Kämpfern im Süden Afghanistans zeigen, dass die Stabilisierung des Landes alles andere als gesichert ist. Vieles deutet darauf hin, dass dies eine Aufgabe nicht nur für Monate, sondern für Jahrzehnte sein wird.

Diese Erkenntnis sollte sowohl die Debatte über deutsche Beiträge wie die internationale Krisenvermittlung insgesamt prägen. Es ist ein Irrglaube, Militär oder andere staatliche Helfer für kurze Zeit in einen so genannten „hot spot“ entsenden zu können, um dort für Ordnung zu sorgen. Mit dem Einsatz übernehmen die Beteiligten fast immer die Verantwortung für den dann folgenden Aufbau eines stabilen, wenigstens halbwegs demokratischen und die Menschenrechte achtenden Staates. Die jüngsten Beispiele für diese zeitliche Dimension sind der Kosovo, Afghanistan und der Irak – zusätzlich zum Libanon.

Die Erkenntnis mag für einige neu sein – ein Beweis des Scheiterns ist sie nicht. Denn in allen Konflikten muss man sich die Frage stellen, was die Alternative zu einem internationalen Engagement wäre. Meist gibt es keine, jedenfalls keine akzeptable. Allerdings bedingt die Langfristigkeit der Einsätze in den meisten Ländern eine andere Ausrichtung sowohl des Militärs wie auch anderer staatlicher Helfer – und mehr Geduld sowohl der Öffentlichkeit als auch der Politiker.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%