Afghanistan
Erpressung?

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Die radikalislamischen Taliban in Afghanistan haben sich zur Freilassung der von ihnen entführten Südkoreaner bereit erklärt. Dies ist für die 19 Geiseln die einzige Nachricht, die zählt. Denn rund sechs Wochen mussten sie mit ständiger Todesfurcht leben. Immerhin hatten die Terroristen bereits zwei ihrer Landsleute ermordet. Welche Bedingungen die Geiselnehmer letztlich der Regierung in Seoul stellten und zu welchen Zugeständnissen diese gezwungen wurde, ist für die Angehörigen einer christlichen Hilfsorganisation also allenfalls von zweitrangiger Bedeutung. Nun wird bei ähnlichen makaberen Deals prompt die Vokabel Erpressung strapaziert. Und die Taliban werden wohl auch laut in alle Welt hinausposaunen, dass ihnen exakt eine solche gelungen sei. Die südkoreanische Regierung wird wiederum darauf verweisen, dass der von ihnen gezahlte Preis, nämlich der Abzug ihrer am Hindukusch operierenden etwa 200 Soldaten, ein durchaus akzeptabler sei. Das Truppenkontingent sollte ohnehin gegen Ende dieses Jahres wieder in die Heimat zurückbeordert werden.

Insofern lässt sich nur schwer ein Vergleich zum Fall des ebenfalls von den Taliban entführten Deutschen konstruieren. Die Bundeswehr hat in Afghanistan rund 3 000 Soldaten stationiert. Auch diese sollen nach dem Willen der Terroristen abgezogen werden. Allerdings wird diese Mission in Berlin stets als Friedensdienst, als notwendige Unterstützung des Aufbaus des geschundenen Landes bezeichnet. Und folglich meint die Bundesregierung, dass ein Nachgeben schon aus humanitären Gründen nicht in Frage kommen dürfe. Ganz verschließen kann man sich diesem Argument wohl nicht. Denn hier muss der Begriff Erpressung sicher anders interpretiert werden.

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