Afghanistan
In der Falle

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Scheitert die Nato in Afghanistan? Nach den dramatischen Meldungen vom Wochenende drängt sich diese Frage auf. Den USA und ihren Nato-Verbündeten gelingt es immer weniger, für die Sicherheit am Hindukusch zu sorgen. Offenbar ist selbst Verteidigungsminister Franz-Josef Jung bei seinem letzten Besuch in Afghanistan nur knapp einem Attentatsversuch entkommen. Gleichzeitig bringen die westlichen Streitkräfte die Afghanen durch missglückte Angriffe gegen sich auf. Wegen der steigenden Zahl ziviler Opfer riss jetzt sogar Präsident Karsai der Geduldsfaden. Die USA und ihre Verbündeten gingen bei Luftangriffen auf Stellungen der Taliban fahrlässig vor, schimpfte der Präsident.

Die Lage in Afghanistan ist mehr als nur ernst. Wenn es der von der Nato geführten „Schutztruppe“ Isaf weder gelingt, die Afghanen zu schützen, noch sich selbst zu verteidigen, dann hat sie ihren Auftrag verfehlt. Es wird deshalb höchste Zeit, den gesamten Isaf-Einsatz, aber auch die umstrittene US-Mission „Enduring Freedom“ auf den Prüfstand zu stellen. Die USA und ihre Verbündeten benötigen dringend eine neue Strategie, wenn sie in Afghanistan nicht in die Falle der Taliban gehen wollen. Die radikalen Islamisten nehmen zivile Opfer nicht nur billigend in Kauf, sondern setzen geradezu darauf, die Zahl der „Kollateralschäden“ möglichst hoch zu treiben. Ihr Ziel ist klar: Afghanistan soll in ein zweites Irak verwandelt werden. Doch die USA und die Nato tun immer noch so, als hätten sie alles im Griff. Beim letzten Treffen der Nato-Verteidigungsminister in Brüssel wurden die Probleme herunter gespielt. Viel Zeit hat der Westen aber nicht mehr. Wenn es nicht bald gelingt, das Blatt zu wenden, verliert er auch diesen Krieg.

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