Afghanistan
Suche nach dem Sündenbock

Angriff ist die beste Verteidigung. Das weiß nicht nur Nato-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer. Auch der viel gescholtene Verteidigungsminister Franz Josef Jung hat seine Lektion gelernt.

Seit Wochen streiten Scheffer und Jung über die Entsendung deutscher Soldaten in den umkämpften Süden Afghanistans. Seit Wochen tauschen beide längst bekannte Argumente aus. Doch nun haben sie zur verbalen Feldschlacht geblasen. Die EU müsse endlich aufwachen und Afghanistan auf den Radarschirm nehmen, bollerte Scheffer los. Vor allem bei Ausbildung und Ausrüstung der afghanischen Polizei, bisher eine deutsche Spezialität, müsse dringend mehr geschehen. Gestern legte der Niederländer dann nach und forderte, die vor allem deutschen Beschränkungen beim Einsatz der Soldaten in Afghanistan endlich aufzuheben.

Natürlich handelt es sich bei Scheffers Attacke um einen klassischen Entlastungsangriff. Die Nato ist in Afghanistan ins Hintertreffen geraten. Militärisch lässt sich der Krieg gegen die Taliban und ihre wieder zahlreicheren Sympathisanten kaum gewinnen. Das weiß man auch in Brüssel. Umso verzweifelter sucht Scheffer nun Hilfe. Und wer diese ablehnt, könnte sich beim Nato-Gipfel Ende November in Riga leicht in der Rolle des Sündenbocks wiederfinden.

Dies hat man auch in Berlin längst erkannt. Entsprechend heftig fiel gestern die Gegenwehr aus. Von „sinnlosen“ Anfragen und „kopflosen“ Manövern war da die Rede. Jung versuchte sich sogar mit einem lauten „Basta“: Die Bundeswehr bleibe im Norden Afghanistans, die räumliche Aufteilung der Nato-Truppen werde nicht geändert. Überzeugend klang das aber nicht. Denn in Wahrheit hilft Jung ja längst mit Soldaten im umkämpften Süden aus. Beim Nato-Gipfel muss Deutschland wohl endlich Farbe bekennen.

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